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Eisbein vom Hirsch

Landwirtschaft

Wild in und aus Brandenburg

Im letzten Jahr haben die Brandenburger Jäger rund 55.000 Tonnen Wild erlegt. Eine Rekordstrecke, die aber eigentlich noch immer nicht ausreicht. Das flächige Waldland Brandenburg deckt mit seinen großen Ackerflächen Mais und Raps den Tisch für Schwein und Reh. Landwirte klagen über zerstörte Maisäcker, die Forstleute über den Verbiss von Jungwald. Einzäunen von Feld und Flur ist teuer. Jäger hingegen sorgen für eine gesunde Wildpopulation und versorgen die Berliner und Brandenburger nebenbei mit gesunden Delikatessen.

Nebenerwerb Jagd
Waldbesitzer beispielsweise verpachten eine Jagd auf neun bis zehn Jahre. Geschäftsführer des Berliner Jagdverbandes, Bernd Möller, sagt, dass Waldbesitzer damit neben Holz ein zusätzliches Einkommen erwirtschaften. Etwa 12.500 Jäger gibt es in Brandenburg, jährlich werden 260 neue Jäger ausgebildet und damit die Jägerschaft langsam verjüngt. Fünf Prozent sind Jägerinnen, die ihren Spaß in der Natur mit der Pflege der Landschaft verbinden. Jäger sammeln Holz und stecken damit bis zu zwei Mete hohe Hecken ab. Während das Holz verfällt, finden sich Insekten ein, Vögel und Mäuse halten sich um die Hecken auf und locken Fuchs anderes Wild an. Sie legen auch Wildackerflächen zur Erhöhung der Biodiversität an.
„Die Hege mit der Büchse“ kommt mit den örtlichen Gegebenheiten nicht immer mit. Gerade die großen Mais-und Rapsschläge bieten dem Wild Gelegenheit, sich gut über den Winter zu fressen und ihre Populationen auszudehnen. In den großen Feldern ist die Jagd auf Wildschweine nahezu aussichtslos, so Möller. Zusammen mit dem Landesbauernverband suchen die Jäger nach Kompromissen. So könnten Schneisen mit niedrigerer Vegetation die Maisfelder durchziehen, oder die Aussaat findet zu Zeiten des Vollmonds statt, damit die Jäger dem wechselnden Wild nachstellen können.
Die Zeit der Trophäenjagd ist vorbei. Hegegemeinschaften über mehrere Flächen hinweg sitzen längst mit der Politik am Tisch und legen die Abschussquoten fest. Im Spannungsfeld Wildbestand, Schweinepest und wirtschaftlichem Schaden haben Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen ihre Jagden längst intensiviert. Brandenburg hat als erstes Bundesland Mindestabschussquoten festgelegt. Dabei werden die Tiere nach Alter und Geschlecht bejagt, damit, so erklärt Möller, insgesamt eine gesunde und nachhaltige Wildpopulation erhalten bleibt.

Jagdstrecke Brandenburg (Angaben in Stück)

2007/08

2008/09

Rotwild

7.769

8.926

Damwild

14.136

13.500

Muffelwild

864

959

Rehwild

65.172

69.308

Schwarzwild

64.500

80.151

Gesamt

152.441

172.844

Q: Landesjagdverband Brandenburg

Spannungen auf der Jagd
Die zunehmende städtische Bevölkerung verliert den realen Blick auf die Jagd. In der Stadt ist die Fuchspopulation beispielsweise höher als im Land Brandenburg. Im Speckgürtel Berlins haben die Wildschweine einen „Kuscheltierstatus“ erworben, Narzissen und Tulpen im Garten locken die Tiere an und der nicht eingezäunte Komposthaufen wird auch im Winter frisch beschickt. Konflikte zwischen Mensch und Tier bleiben nicht aus. Die Berliner Medien berichten seit zwei Tagen über eine Wildschweinattacke auf drei Menschen. Der Jagdverband ist derzeit noch bei der Klärung, was genau geschehen ist. Wer nämlich in dieser Jahreszeit Frischlingen zu nahe kommt, der muss natürlicherweise mit dem Schutzinstinkt der aggressiven Bache rechnen.
Verschieden sind auch die Ansichten über den Wolf. Den einen bereitet das Rotkäppchen-Image Furcht, den anderen dienen die Tiere als Symbol einer intakten Natur. Die Position des Landesjagdverbands ist eindeutig: Ist der Wolf natürlich eingewandert, gehört er hierher – auch wenn seine Anwesenheit Jagdflächen wertloser macht. Bernd Möller sagt aber auch: Der Wolf hält sich von Menschen fern. Eine Begegnung beim Spaziergang ist sehr unwahrscheinlich. Allerdings wünscht sich der Landesjagdverband ein Wolfsmanagement.
Die Jäger sind auch mit Informationsständen unterwegs. Mit einem mobilen Anhänger fing es an, und der „Lernort Natur“ nimmt mittlerweile einen ganzen Lkw-Anhänger ein, erklärt Jörg Gruhle vom Landesjagdverband. An mehr als 200 Tagen besuchen sie 80 Schulen, Kitas und Veranstaltungen. Die Jäger zeigen ihre Arbeit und erklären die Funktionen der Jagd, um den Beruf transparenter zu machen. Schon während des Aufbaus umlagern die Schüler das Mobil, wenn die Jäger ihre Tiersammlung aufbauen.

Leckeres im Kochtopf
Verbraucher kenne vom Reh meist nur den Rücken. An mehr trauen sie sich nicht heran, obwohl Fernsehköche das Thema Wild aufnehmen und zeigen, wie einfach die Zubereitung sein kann. So gesehen ist das Wildrestaurant ein wahrer Renner in der Brandenburghalle und Bernd Möller will morgen in der Schowküche sogar selbst am Herd stehen. „Wild auf dem Grill ist der Hammer“, wirbt Möller.


Wildfleisch ist von alleine schon so aromatisch, dass Verbraucher auf Beiwerk verzichten könnten. Wild liegt im Wellness- und Gesundheitstrend. Die Tiere wachsen ohne Futterzusätze, ohne Antibiotika auf und erleben keinen Stress auf dem Weg zum Schlachthof, ergänzt Gruhle. Der Lebensmitteleinzelhandel und Verarbeiter haben heimisches Wild schon längst als neuen Wirtschaftsfaktor entdeckt. Vor zwei Jahren stieg das Forsthaus Templin gezielt in die Wildvermarktung ein. Damit die Besucher der Grünen Woche mit den Informationen auch zu Hause etwa anfangen können, hat der Deutsche Jagdschutz-Verband ein kleines Rezeptheft herausgebracht. Daraus stammt zum Beispiel das folgende:

Wildmedaillon auf Tomatenscheiben

Zutaten:
8 – 12 Rehmedaillons; ½ Tasse Olivenöl; 1 - 2 EL grüne Pfefferkörner; 1 Schuss Rotwein; 2 cl Weinbrand; 1 TL Kräuter der Provence; 100 g Frühstücksspeck in Scheiben (Bacon); 2 Knoblauchzehen; 2 Fleischtomaten; 400 g Kartoffeln; Fritierfett; Kräuterzweige zum garnieren

Zubereitung:
Die Medaillons waschen und trockentupfen. Das Öl mit den Pfefferkörnern, dem Rotwein und dem Weinbrand vermischen. Die Kräuter der Provence untermischen, über die Medaillons verteilen und zwei Stunden ziehen lassen.
Den Speck in einer Pfanne braten, herausnehmen und bereit stellen. Die Knoblauchzehen schäle, hacken, ins Bratfett geben, anschwitzen.
Die Tomaten in Scheiben schneiden, kurz im Fett erhitzen und bereitstellen, Die Kartoffeln schälen, in dünne Streifen schneiden und im heißen Fritierfett goldgelb ausbacken.
Die Medaillons ins Knoblauchfett geben und je nach Geschmack medium oder durch braten. Die Speckscheiben anrichten, die Tomatenscheiben dazulegen und die Medaillons auf die Tomaten legen. Die Kartoffeln dazulegen, mit Kräuterzweigen ausgarnieren und sofort servieren.

Das Wildrestaurant Brandenburg finden Sie auf der Grünen Woche in der Halle 21a

Roland Krieg (Text und Fotos)

[Sie können sich alle Artikel über die diesjährige Grüne Woche mit dem Suchbegriff „IGW-10“ anzeigen lassen]

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