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Entdeckung des süßen Grases

Landwirtschaft

Gräser und Grasland: Biologie, Nutzen und Entwicklung

Polenta – Maisgrieß, vielleicht einmal mit Äpfeln? Ein eingefetteter Maiskolben, leicht geröstet, Roggenschrotauflauf, vielleicht mit einer Spinatfüllung? Der Reis beim Chinesen oder das Müsli: Alle haben eines gemeinsam: Es sind Getreide. Sie haben aber noch etwas gemeinsam, was den meisten Menschen nicht bewusst ist: Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, aber auch Hirse, Mais und Reis gehören zur Familie der Poaceae, der Gramineae – die Familie der Süßgräser. Es gibt über 700 Gattungen von Gräsern mit bis zu 10.000 Arten und einige haben ihre fundamentale Bedeutung für die menschliche und tierische Ernährung seit tausenden von Jahren nachhaltig unter Beweis gestellt.

Faszination Gräser
Gräser sind die viertgrößte Gruppe der Blütenpflanzen und Wiesengräser leben mit einem Mycorrhiza-Pilz zusammen, dessen Mycel seine Dienste gleichzeitig mehreren Pflanzenarten anbietet. Das „Rasengras“ Festuca rubra vermehrt sich von einer mehrjährigen Ausgangspflanze aus als „vegetativer Klon“ und kann so bis zu 250 Meter Durchmesser erreichen und bis zu 400 Jahre alt werden.
Keine Pflanzengruppe bringt eine so dichte und dauerhafte Pflanzendecke hervor, die „wie ein Fell der Erdoberfläche“ wirkt.
Gräser wachsen wo es trocken oder feucht ist, kalt oder warm, auf tiefgründigen Böden oder klammern sich an steile Gebirgshänge. Diese Anpassungsfähigkeit sichert dem Menschen überall die Nahrungsgrundlage. Nicht nur die Getreide. Grasländer erschlossen dem nomadisierenden Menschen als Futtergrundlage für Weidetiere die ersten Fleischressourcen, bevor er vor etwa 10.000 Jahren erst lernte, Gräser zu domestizieren und sesshaft zu werden. Die bedeutendsten heutigen Nutztiere sind nahezu alle im Grasland zu Hause gewesen, so dass Gräser, Fleisch und Humus von Anfang an mit der menschlichen Evolution auf das Engste verbunden gewesen sind.
Die Serengeti in Ostafrika trägt etwa 100 Großtiere pro Quadratkilometer. Das sind inklusive Elefanten etwa 20 Tonnen Lebendgewicht, die nur noch „vom besten Weideland im wintermilden atlantischen Klima Englands mit Weidevieh (ohne Zufütterung)“ erreicht werden können.

Bayrische Rundgespräche
Seit 1990 veröffentlicht die Kommission für Ökologie der Bayrischen Akademie der Wissenschaften ihre Rundgespräche als Buch. Die jetzt erschienene 31. Ausgabe beinhaltet alle Vorträge und Diskussionen der Experten zum Thema „Gräser und Grasland“. Fachleute finden interessante Details, Interessierte entdecken neue Zusammenhänge und werden nach der Lektüre Weidetiere und das tägliche Brot in neuem Licht wahrnehmen.
Der erste Teil des Buches widmet sich der vielfältigen Bedeutung und der zahlreichen Besonderheiten im Wachstum der Gräser. Der zweite Teil richtet den Blick auf Bayern: Die traditionelle Grünlandhaltung geht zurück, weil der Futterbedarf der hochleistenden Tiere überwiegend durch Ackerfutterbau und importiertes Kraftfutter gedeckt wird. Die Zeiten, in denen die Milchviehhaltung vom Grünland abhängt, scheinen vorbei.
Daher treten andere Nutzungsformen in den Vordergrund: Extensivierung oder die Verwendung von Biomasse zur Energieerzeugung, wobei notwendig großflächige Strukturen in dicht besiedelten Landschafträumen durchaus problematisch werden können.

Des Wissens Durst
Das Buch über das wissenschaftliche Rundgespräch beantwortet Fragen in lesenswerter Dichte. Manche, die möglicherweise vorher noch gar nicht in den Sinn gekommen waren:
Warum kommt Getreide als Blütenpflanze so schmuck- und farblos daher?
Wie viel Tonnen Regenwürmer gibt es unter einem qkm englischen Weideland?
Wie einheitlich entwickelt sich Grünland, wenn es der „ungestörten Sukzession“ überlassen wird?
Der Experte findet Grundlagen für seine Forschung und der kleine Fachmann, der zum „Grasfan“ werden möchte, findet einen mehrdimensionalen Einstieg in das Thema.

Gräser und Grasland: Biologie – Nutzung – Entwicklung. Rundgespräche der Kommission für Ökologie, Band 31 (2006), 158 S., 78 Abbildungen (s/w), 32 Tabellen, Paperback;
Hrsg.: Bayrische Akademie der Wissenschaften. Verlag Dr. Friedrich Pfeil, Wolfratshauser Straße, 81379 München (www.pfeil-verlag.de); 25,00 €; ISBN 3-89937-070-8

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