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Entengrütze oder Wasserlinse?

Landwirtschaft

Die Wasserlinse hat Zukunft

Innerhalb kurzer Zeit kann ein kleines Gewässer mit einem grünen Belag überzogen sind, über den Enten regelrecht herfallen. Schon am nächsten Tag ist die Wasseroberfläche wieder frei. Was den Enten so schmeckt wird oft abfällig als Entengrütze oder Entenflott bezeichnet.

37 Arten umfasst die Familie der Lemnaceae, wie die Schwimmpflanze wissenschaftlich heißt. Das besondere an der Wasserlinse, die schnelle Ausbreitung, verdankt sie ihrer vegetativen Vermehrung. Ohne den Umweg über die geschlechtliche Reproduktion vermehren sich die Pflanzen so rasch, dass sie bei ausreichender Nährstoffversorgung ein Gewässer schnell bedecken können. Für Dr. Klaus Appenroth von der Universität Jena ist das „Duckweed“, wie die Pflanze international heißt, seit 35 Jahren ein Thema. Und wird immer interessanter, denn das schnelle Wachstum bedeutet einen schnellen Zuwachs an Biomasse.

Deshalb prognostiziert Dr. Appenroth dem grünen Teppich „eine rasante Karriere“. „Wasserlinsen haben ein gewaltiges Potenzial als Energiepflanzen, Tierfutter und für die menschliche Ernährung“, erklärt er. International wird seine Liebe zur Wasserlinse geteilt. 2011 trafen sich im chinesischen Chengdu Wissenschaftler aus aller Welt, um sich über die Wasserlinse auszutauschen. Vor allem in Asien wächst sie nahezu auf allen Teichen neben den Tierhaltungen. In diesem Jahr trafen sich die Wasserlinsen-Fans im amerikanischen New Brunswick bei New York und Dr. Appenroth wurde für die beiden nächsten Jahre als Vorsitzender des „International Committee on Duckweed Research and Application“ gewählt.

Der Pflanzenphysiologe PD Dr. Klaus Appenroth von der Universitaet Jena erforscht das Potenzial von Wasserlinsen; Foto: Jan-Peter Kasper (FSU)

Die Amerikaner haben das Genom der Wasserlinse bereits entschlüsselt. Sie wächst außer in den Wüsten und an den Polen überall. Die Wasserlinse lässt sich einfacher „anbauen“ als Algen. Als Tierfutter dient sie bereits heute. Für die menschliche Nahrung ist Voraussetzung, dass das Gewässer nicht verschmutz ist.

Unter bestimmten Bedingungen lagern Wasserlinsen auch Stärke ein und können für die Gewinnung von Ethanol auch der Mobilität einen neuen Schub geben.

Lesestoff:

Dr. Klaus Appenroth: Wasserlinsen als Nutzpflanze in: Biologie in unserer Zeit, Vol 42, 3, 181-187, Juni 2012, DOI:10.1002/biuz201210480

Dr. Holger Kloth: Zur Nutzung von Wasserlinsen als alternative Proteinquelle in der Broilerfütterung, Uni Halle 2010

Roland Krieg, Foto: Jan-Peter Kasper (FSU)

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