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Ernte ohne Preisimpulse

Landwirtschaft

Wie die Ernte, so der Preis?

Preise spiegeln das Verhältnis von Angebot und Nachfrage wider. Ein knappes Angebot führt zu höheren Preisen und ein hohes Angebot drückt sie. Die Preise 2019 hingegen zeigen sich mengenunelastisch. Bei Getreide gab es nur nach der verzögerten Maisaussaat in den USA ein Hoch, bis das amerikanische Landwirtschaftsministerium mit verbesserten Aussichten die Preise wieder nach unten schickte. Auf dem Ökogetreidemarkt sorgt das Überangebot für Preise, die gegen das konventionelle Niveau tendieren. Nur wer Dinkel angebaut hat, freut sich über das Kassenklingeln. Mittlerweile denkt die Ökobranche auch bei Getreide nach, wie eine Angebotsregulierung den Markt stabilisieren kann. Dennoch will Bioland die Ackerbaubetriebe auf den ertragsstarken Standorten umstellen. Wie geht das aus?

Wie nah die deutschen Bauern dem Weltmarkt sind, zeigt die Rapsernte: „Besorgniserregend ist, dass Winterraps zur Ernte 2019 nur noch auf einer Fläche von 857.500 Hektar angebaut wurde (2013 bis 2017: 1,35 Millionen Hektar). Die geringe Anbaufläche ist auch eine Spätfolge des letzten Dürresommers, denn durch die anhaltende Trockenheit war die Aussaat zwecklos. Der im weiteren Vegetationsverlauf oftmals auftretende hohe Schädlingsbefall hat zudem die Erträge reduziert. Mit durchschnittlich 3,2 Tonnen pro Hektar wird der langjährige Durchschnitt von 3,8 Tonnen deutlich unterschritten (minus 15 Prozent). Auf dieser Basis ergibt sich eine Erntemenge von rund 2,8 Millionen Tonnen. Gegenüber dem langjährigen Durchschnitt von 5,2 Millionen Tonnen fällt die Rapsernte somit rund 47 Prozent geringer aus.“ So fasst der Deutsche Bauernverband das Ernteergebnis 2019 zusammen. Doch der Preis liegt zwei Euro unter dem Vorjahresniveau, der vor 12 Monaten auch das Ganzjahreshoch erreicht hatte. Lediglich bei Rapsöl ist der Preistrend bullisch. Die weltweit gute Sojaernte hält ansonsten den Rapspreis tief.

Die deutschen und europäischen Betriebe sind mehr denn je den Weltmarktbedingungen ausgesetzt – egal wie die Ernte verläuft. Nach dem Dürrejahr 2018 bietet dieses Jahr keine Atempause für eine wirtschaftliche Erholung an. Darüber hinaus stellt sich die Frage, wer gut ausgestattete landwirtschaftliche Betriebe überhaupt noch übernehmen will. Ob der Ökomarkt eine Alternative ist? Mit steigendem Marktanteil bleibt die Branche der Frage nach der Wirtschaftlichkeit noch schuldig. Was auf dem Ökogetreidemarkt passiert, verbessert die Aussichten nicht.

Die Landwirte reagieren. In Hessen beispielsweise hat sich in diesem Jahr der Rapsanbau halbiert. Statt Raps im Herbst 2018  haben die Bauern im Frühjahr 2019 35 Prozent mehr Roggen angebaut. Der Anbau von Triticale stieg um 19,4 Prozent, die Wintergerstenanbaufläche wurde um 11,3 Prozent ausgedehnt und die Winterweizenfläche um 5,7 Prozent erweitert. Ökonomen sagen: „Der Landwirt ist ein Mengenanpasser!“ Bauern bauen an, was nachgefragt wird und sich lohnt. Wer die Agrarstruktur ändern will, sollte das im Hinterstübchen behalten.

Roland Krieg

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