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EU-Agrarpolitik mit dem nächsten Schritt zum Markt

Landwirtschaft

Rübenkampagne ohne Quote

Seit dem 01. Oktober ist der nächste Schritt der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU eingeleitet. Duften die Rübenbauern bislang so viele Rüben an die Zuckerfabrik liefern, wie sie zugeteilt bekamen, ist die Quote endgültig gefallen. In den letzten Monaten haben alle Zuckerfabriken in Deutschland ihre Verträge mit den Rübenbauern neu justiert. Wenn demnächst der Roder in die Rüben fährt, holt er beta vulgaris, wie die Zuckerrübe heißt, im freien Markt aus dem Boden. Die Quotenregelung stammt aus dem Jahr 1968 und legte neben der Quote einen Preis deutlich oberhalb des Weltmarktpreises fest.

Der Beschluss zum Quotenende wurde 2013 gefasst, nach dem es eine umfangreiche Reform des Zuckersektors bereits im Jahr 2006 durchgeführt wurde. In dieser Zwischenzeit hat die EU 5,4 Milliarden Euro für den Sektor ausgegeben, damit er sich auf die quotenfeie Zeit einstellen kann. Die Landwirte konnten ihre Produktivität steigern und die Industrie neue Märkte im Ausland finden.

EU-Agrarkommissar Phil Hogan erläuterte jetzt: „Das Ende der Quotenregelung ist ein wichtiger Wendepunkt für den europäischen Zuckersektor und markiert einen weiteren wichtigen Fortschritt für die stärkere Ausrichtung der Gemeinsamen Agrarpolitik am Markt.“ Als Unterstützung wurde die Marktbeobachtungsstelle Zucker aufgebaut, mit deren Zahlen die Akteure sich ein Bild vom Markt machen können. Im Fall unvorhergesehener Marktstörungen dürfen außerhalb der präferentiellen Handelsabkommen Schutzzölle erhoben werden, es gibt die üblichen Beihilfen für die private Lagerhaltung und die Krisenmaßnahmen der EU. Hogan verweist auf die Bedeutung der ersten Säule der Agrarpolitik, die mit ihren Direktzahlungen weiterhin das Einkommen der Landwirte absichern. Elf Länder wie Tschechien, Ungarn, Italien, oder Polen machen zudem von gekoppelten Prämien Gebrauch. Das hat die Länder insgesamt 179 Millionen Euro gekostet.

Außerdem gibt es im Zuckersektor die bislang einzige wirksame Branchenvereinbarung, die Rübenbauern in den Verhandlungen mit der Zuckerindustrie stärkt.

Die EU erzeugt etwa die Hälfte des weltweiten Zuckers aus der Zuckerrübe. 80 Prozent des weltweiten Zuckerbedarfs stammen allerdings aus dem Zuckerrohr. Aber nicht nur das Zuckerrohr ist Konkurrenz für die Rübe. Für den Lebensmittelhandel besser geeignet ist Isoglucose, die bereits in flüssiger und damit verarbeitbarer Form vorliegt. Das Volumen dieses Zuckers aus Mais wird sich nach Einschätzungen der EU von 700.000 auf 2,3 Millionen Tonnen verdreifachen. Der Preis für Weißzucker  in der EU liegt derzeit bei rund 500 Euro je Tonne. Der Weltmarktpreis im Vergleich bei 311 Euro.

Im Wirtschaftsjahr 2016/17 hat die EU 16,84 Millionen Tonnen Zucker erzeugt. Durch den Wegfall der Quote rechnet die EU einen Anstieg der Produktion um 20 Prozent.

roRo

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