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EU will Mindestanforderungen für Mastkaninchen

Landwirtschaft

Wäre Mastkaninchen-Verordnung schon eine Überregulierung?

Europäisches Parlament in Brüssel

Zwei Sachen vorweg: In Deutschland gibt es seit August 2014 eine Ergänzung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung um das Kapitel Kaninchen. Die meisten Kaninchen auf deutschen Tellern kommen aber nach wie vor aus China [1]. Österreich (2012) und Großbritannien(2007) haben sich eine Haltungsverordnung verschrieben und Belgien hat im Jahr 2014 eine schrittweise Abschaffung der Käfighaltung bis 2025 eingeleitet.

Außer Frankreich mit 3.500 Betrieben ist die Kaninchenhaltung nicht weit verbreitet und generiert maximal ein Prozent der Wertschöpfung im Veredlungsbereich.

Dennoch: Fängt die europäische Wertegemeinschaft nicht beim Tierwohl an? Stefan Eck (Die Linke) hat am Donnerstag im EU-Agrarausschuss seinen Entwurf über „Mindestanforderungen für den Schutz von Nutzkaninchen“ vorgestellt. Außer in den genannten Ländern fehlen vergleichbare Schutzvorschriften. Der Bericht soll diese Lücke schließen. Eine Aktion mit mehr als 6.000 Unterschriften zeige das Interesse bei den Europäern an der artgerechten Tierhaltung auch bei den kleineren Nutztieren.

Es geht Eck mitnichten um das Tierwohl. Die Mastkaninchenhaltung geht zurück und wird in diesem Jahr um weitere vier Prozent sinken, führte er an. Ersetzt wird die heimische Produktion durch Importe aus China, deren Haltung von Kaninchen weniger streng geregelt ist. Die Umsetzung von Mindeststandards bei Haltung, Stallklima und Ausgestaltung biete der Industrie gegenüber dem Verbraucher ein Abgrenzungsmerkmal zu den steigenden Importzahlen. Der Bio-Bereich habe es vorgemacht. Da die Betriebe keine Direktzahlungen oder andere Fördermittel erhalten, könnte ähnlich wie beim Käfigei, eine Vorschrift für einen Wandel in der Produktion sorgen und der heimischen Erzeugung die Zukunft sichern. „Die einzige nachhaltige Lösung ist die Qualität“, sagte Eck.

Der Europafrust der Wähler ist bei den Abgeordneten allerdings angekommen. Stanislav Polcák von den tschechischen Christdemokraten sprach gleich für die ganze EPP: Die EU solle lediglich einen einfachen Rahmen abstecken und nicht in die nationalen Bestimmungen hinein regulieren. Könnte das kleine Kaninchen zu einem weiteren Aufreger der Überregulierung werden? Die spanische Sozialdemokratin Clara Eugenie Aguilera Garcia begrüßte zwar den Entwurf, wollte aber erst einmal mehr wissenschaftliche Forschung für die Ausgestaltung des Berichtes einfordern.

Doch nach Martin Häusling (Die Grünen) ist genau diese Verordnung zur Schließung einer Lücke der Anspruch an Europa. Sowohl die Wünsche der Verbraucher werden erfüllt, als auch die Erzeuger vor unsicheren Importen geschützt. Stefan Eck ergänzt, dass seit mehr als 20 Jahren Forschung über die Haltung von Kaninchen gemacht werde. Größere Herden werden in ausgestalteten Gehegen nicht aggressiv und unterbinden Kannibalismus. Häusling sagte kurz und knapp: Der Besuch eines Betriebes mit dem Platzangebot von einem DIN A4-Blatt sollte praxisbezogen für eine schnelle Umsetzung der Verordnung ausreichen.

Schließlich gehe es auch nur um die Festlegung eines Mindeststandards. Neben dem Platzbedarf soll auch den Antibiotikaeinsatz in intensiven Haltungsformen reguliert, wie auch ein artgerechter Transporter zum Schlachthof sicher gestellt werden. Weil Kaninchen stressanfällig sind, sollte die Transportzeit nicht zu lange dauern.

Lesestoff:

[1] Chinesische Hauskaninchen auf dem Teller

Roland Krieg

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