Menü

Ferkelzukunft hängt an der SPD

Landwirtschaft

SPD will keine Verschlechterung des Tierschutzes

Das Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration kommt unerbittlich. Das Gesetz tritt am 01.01.2019 in Kraft. Allein, die Politk hat keine gangbare Alternative vorgelegt. Die elektronische Nase am Schlachtband ist nicht überzeugend. Weiterhin machen Menschen dort Dienst, um den Verbraucher vor unangehmen Gerüchten aus der Bratpfanne zu schützen [1]. Skatol und Androstenon verursachen die Geruchsabweichungen im Fleisch.

Der Verzicht auf die Ferkelkastration hat sich in den letzten jahren nicht durchgesetzt, weil der Handel Geruchsfehler vermeiden will. Ebermast: Ein Weg für die Nische.

Kastration unter Vollnarkose: Mit Ausnahmegenehmigung wird Isofluran eingesetzt und vor allem in Biobetrieben und Betrieben mit speziellen Labeln eingesetzt. Voraussetzung ist die Durchführung durch einen Tierarzt, was die Kastration sehr teuer macht. Anteil Biofleisch im deutschen Markt: Wenger als ein Prozent. Eine Lösung für die Nische.

Immunokastration: Dabei spritzt der Landwirt zweimal einen Stoff, der in den Hormonahaushalt eingreift, Androstenon verringert und bislang nur mit einem einzigen Mittel durchgeführt werden kann. Bewertung: s. unten.

Lokalanästhesie: Die als Vierter Weg bezeichnete Alternative ist eine Behandlung mit lokaler Betäubung, die auch vom Betriebsleiter durchgeführt werden könnte. Eigentlich gängig, wie das Kastrieren mit Skalpell.

Ebermast und Vollnarkose fallen aus, weil sie für den breiten Markt kaum ausreichen. Wöchentlich werden in Deutschalnd eine Million Schweine geschlachtet.

Für die Immunokastration hat der Hersteller jahrelang darauf hingearbeitet, dass das eingesetzte Mittel kein Hormon ist. Der Stoff hat auch keine hormonelle Wirkung, wirkt aber auf Hormone. Das Mittel ist ein Analogon zum Gonadotropin-Releasing-Factor (GnRF), der die Hodenfunktion steuert. Das Trägerprotein ist identisch mit dem für Humanimpfstoffe. Es verbleiben keine Rückstände im Fleisch.

Umso erstaunlicher ist es, dass diese chemische Kastration vom Deutschen Bauernverband verunglimpft wird. Ausgerechnet der Kommunikationspräsident des Deutschen Bauernverbandes Werner Schwarz sagte am 18. August zur Rheinischen Post: „Es gibt noch eine Alternative zur Kastration: Hormone zu spritzen, damit die Geschlechtsreife des Ebers hinausgezögert wird, bis das das Tier zum Schlachter kommt, also bevor es durch die Geschlechtsreife anfängt, unangenehm zu riechen, was den Fleischgenuss zerstört. Aber wollen wir hormonbehandeltes Fleisch?“  

Der Vierte Weg: Hier laufen vor allem die Tierärzte selbst Sturm. Die Lokalanästhesie gehöre nicht in die Hand von Betriebsleitern. Das verwendete Mittel Procain schalte den Schmerz auch nicht vollständig aus und erfülle damit nicht die Forderung des Tierschutzgesetzes.

Da liegt das Ferkel nämlich im Heu: Das Tierschutzgesetz fordert die vollständige Schmerzausschaltung. Die EU fordert nur die Schmerzverringerung. Deutschland hat hier einen so genannten Gold Standard gesetzt und mehr als die Brüsseler Forderung umgesetzt. In den Niederlanden und Dänemark, aber auch Schweden wird lokal betäubt. Ein Großteil der männlichen Schweine aus Holland geht aber nach Großbritannien, wo Produkte aus der Ebermast bei deutlich jünger geschlachteten Schweinen in den Handel kommen. Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus aus Mecklenburg.Vorpommern hat dem Vierten Weg als „Mecklenburger Weg“ einen griffigen Namen gegebenund Ende 2017 eine Bundesratsinitiative angekündigt. Auf der Agrarministerkonferenz Im Frühjahr 2018 musste der SPD-Minister gegenüber Herd-und-Hof.de einräumen, dass für einen Antrag keine Mehrheit zu finden ist [2]. Bayern will am 21. September mit einem Antrag im Bundesrat die Einführung des Gesetzes verschieben, um mehr wissenschaftliche Klarheiten zu erhalten. Niedersachsen hat seine Unterstützung bereits zugesagt, Hessen schon mal ein Veto angekündigt. Eine Woche später findet die nächste Agrarministerkonferenz statt. Ob Backhaus bis dahin eine Mehrheit gefunden hat, ist offen.

Denn unabhängig von einer Gesetzesverschiebung halten der Deutsche Tierschutzbund und die SPD am Tierschutzgesetz fest. Um den 4. Weg frei zu geben, muss es geändert werden und darf nur noch von einer Schmerzverringerung sprechen. Und dabei steht Julia Klöckner der Koalitionspartner im Weg. Am Ferkelgipfel Anfang der Woche nahm Susanne Mittag teil. Sie ist die Tierschutzbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion und teilt Herd-und-Hof.de mit: „Bislang hat Landwirtschaftsministerin Klöckner noch keinen Gesetzesentwurf zur Änderung des Tierschutzgesetzes vorgelegt. Deshalb können wir uns auch nicht damit befassen. Aus einer Schmerzausschaltung eine Schmerzverringerung zu machen wäre allerdings eine deutliche Verschlechterung des Tierschutzgesetzes. Das widerspricht dem Grundsatz, nicht hinter geltendes Recht zurückzugehen.“

Sollte der Bundestag nach Bundesratsbeschluss den Termin nach hinten verschieben, ist für die Bauern nichts gewonnen. Die Hängepartie geht weiter. Die Sozialdemokraten werden durch eine Änderung des Tierschutzgesetzes keine Bauernstimmen mehr gewinnen. Sie werden aber urbane Stimmanteile verlieren. Dafür sorgen die Partner bei den NGO.

Ja, es gibt auch einen fünften Weg: Es werden nur noch weibiche Schweine gemästet. Doch dann stellt sich die Frage wie bei den Legehennen: Was passiert mit den überzähligen Ebern?

Für die Hälfte der Sauenhalter, die bis 2020 dicht machen wollen, wird der September der Beschleunigungsmonat.

Lesestoff:

[1] Gesetz mit vielen Fragezeichen: https://herd-und-hof.de/landwirtschaft-/verzicht-auf-betaeubungslose-ferkelkastration.html

[2] Keine Mehrheit für den Vierten Weg: https://herd-und-hof.de/landwirtschaft-/27-04-1610-trippelschritte-fuer-den-tierschutz.html

BMEL skeptisch gegenüber Lokalanästhesie: https://herd-und-hof.de/landwirtschaft-/lokalanaesthesie-bei-der-ferkelkastration.html

Haltungsmanagement und Ebergeruch: https://herd-und-hof.de/landwirtschaft-/haltungsmanagement-und-ebergeruch.html

Roland Krieg

Zurück