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Flammen und Hacken im Gemüsebau

Landwirtschaft

Geeignete Geräte verringern die Handarbeit

>Bioprodukte sind gegenüber konventionellen Produkten auch deshalb teurer, weil mehr Arbeit, meist mehr Handarbeit, in die Produktion investiert wird. Praxisversuche der Staatlichen Lehr- und Forschungsanstalt für Landwirtschaft, Weinbau und Gartenbau in Neustadt zeigen, dass mit geeigneten Geräten auch im Bioanbau bis zu 20 Prozent Arbeit eingespart werden kann, berichtet der aid Infodienst. Auf dem Prüfstand standen zwei Geräte, die für die Unkrautbekämpfung ohne Chemie eingesetzt werden und von der TU München in Weihenstephan entwickelt wurden: Das Weihenstephaner Abflammgerät und die Weihenstephaner Trennhacke.

Das Abflammgerät
Bei der thermischen Bekämpfung werden Unkräuter gezielt auf 50 bis 60 Grad Celsius erwärmt. Das überleben sie nicht. Verwendet wird ein Gasbrenner, der die Flamme in einem 45°-Winkel gegen den Boden richtet, ohne diesen dabei zu erwärmen. Gerade bei langsam keimenden Pflanzen, wie Möhren und Petersilie, können Unkräuter gut im Vorauflauf bekämpft werden. Durch das Überströmen der Flamme wird das Unkraut in seiner Entwicklung zurückgeworfen und die Kulturpflanze erhält einen Wachstumsvorsprung. Bei Zwiebeln oder Mais, so Professor Dr. Joachim Meyer von der TU München, lasse sich Unkraut sogar selektiv in der Reihe bekämpfen. Damit kann später das bei heißen Temperaturen durchaus unbeliebte Hacken der Unkräuter entfallen. Ab Reihenschluss ist das nur noch per Hand möglich. Außerdem wird beim Flammen der Boden nicht bewegt, wie bei mechanischen Hacken. Dadurch entsteht kein neuer Lichtreiz für weiter im Boden lauernde Keime.
In der Regel werden Abflammgeräte hinter dem Traktor mit einer Geschwindigkeit von zwei bis vier km/h gezogen. Der Energieaufwand beträgt rund 50 kg Flüssiggas pro Hektar. Den damit zu langsamen und zu energieaufwendigen Flammenwerfer haben die Weihenstephaner mittlerweile als "Low Temperature Weeder" mit heißem Wasserdampf weiterentwickelt. Die heiße Luft des Gasbrenners wurde zunächst in einem geschlossenen Kreislauf "recycelt". Unter einer zwei Meter langen Abdeckung strömt die 400° Grad heiße Luft mit einer Geschwindigkeit von 6 bis 8 Metern über die Unkräuter. Wird dem heißen Luftstrom zudem Wasserdampf beigefügt steigt die Wärmeübertragungsleistung sogar um das sechsfache. Trotz trockenem Gras, Ästchen oder Blättern braucht der Bauer übrigens nicht zu befürchten, dass er mit dem Abflammen der Unkräuter auch seinen Acker abfackelt: Die Einwirkzeit der Hitze ist viel zu kurz. Die Auswirkungen auf Insekten sind zwar noch nicht ganz klar, doch eine schweizerische Untersuchung habe keine Verarmung der Bodenfauna gezeigt, wie die Münchener betonen.

Trennhacke
Es gibt zahlreiche mechanische Hacken, die zwischen den Kulturpflanzen das Unkraut entfernen können. Die Weihenstephaner Trennhacke ist aber auch ein relativ neuartiges Gerät aus der bayrischen Ideenschmiede. Die Trennhacke ist eine Kombination zwischen einer Hacke und einem rotierenden Gerät. Die von der Hacke über den Boden aufgeworfene Erde wird noch einmal so bearbeitet, dass die Unkrautpflanzen nach oben zu liegen kommen und in der Sonne vertrocknen. Dabei wird das Unkraut von der Erde getrennt, welches bei den üblichen Verfahren ansonsten in der Erde wieder verschüttet wird. Es kann praktisch nicht mehr erneut anwachsen. Als Rotor dienen federnd aufgehängte Zinken, die den Aufwurf durchkämmen ohne den Boden zu Staub zu zerkrümeln. Die Drehgeschwindigkeit kann über einen Ölmotor der Arbeitsgeschwindigkeit und den Witterungsbedingungen angepasst werden.

VLE

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