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FNL-Fachgespräch: Regional oder global?

Landwirtschaft

Bauern wollen regional und global

Am Dienstagabend lud die Fördergemeinschaft Nachhaltige Landwirtschaft (FNL) zu ihrem 16. Berliner Gespräch. Geklärt werden sollte die Frage, ob die Bauern für die Region oder für den Weltmarkt produzieren sollen. Denn, so Dr. Anton Kraus, Geschäftsführer der FNL, „Made in Germany“ gilt was in der Welt. Auch für die Agrargüter.

Staatssekretär Dr. Robert Kloos aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium macht die Antwort an der Unterschiedlichkeit der Verbraucher fest. Die sorgende Mutter in China bezahlt viel Geld für sichere Babymilch, die in Deutschland produziert wird [1]. Der Verbraucher im Prenzlauer Berg hingegen will zu seinem Joghurt auch den Namen der Kuh und das Gesicht des Bauern kennen. „Wir wollen beide Bereiche bedienen“, sagte Kloos und versprach beide landwirtschaftliche Unternehmen zu unterstützen. Die europäische Agrarpolitik stelle genug Finanzmittel zur Verfügung.

Vorteile im Wettbewerb haben die Betriebe, die Kundenwünsche erfüllen. Tierschutz, Regionalität und Gentechnikfreiheit gehören mittlerweile dazu, führt Kloos fort. Auf den internationalen Märkten hätten sich die Landwirte hingegen die Pole-Position erobert. Deutschland exportiere schon mehr Käse als Frankreich. Aber: der erste Platz hat seinen Preis, denn die Franzosen klagen auch über wettbewerbsverzerrende Dumpinglöhne in der deutschen Schlachtindustrie. Das ist nicht nachhaltig, ergänzte Matthias Meißner, der beim WWF für Internationale Agrarpolitik zuständig ist.

Export oder Region ist daher auch nicht mehr das große Thema. Exportsubventionen gibt es nicht mehr und die Ware geht kaum noch in Entwicklungsländer. Veredelte Produkte sollen auf den Märkten der Schwellenländer abgesetzt werden, so Kloos. Das negative Bild des deutschen Agrarexportes werde nur noch von einer kleinen Gruppe der Gesellschaft getragen, meint Bauernpräsident Joachim Rukwied. Die Landwirte dürften stolz sein, dass die Agrarexporte auch in diesem Jahr wieder zugelegt haben [2]. Ganz auf die Exportausrichtung will Christof Buchholz, Geschäftsführer des Vereins der Getreidehändler der Hamburger Börse, nicht verzichten. Vor allem die Region Nordafrika und der Nahe Osten werden aus geografischen Gegebenheiten kaum zu Selbstversorgern werden und auf Importe angewiesen sein.

Es ist vielmehr die Frage, wie nachhaltige Landwirtschaft aussieht. Neben der Lohn- und Vertragssituation in der Fleischindustrie gehört auch der Umgang mit Boden und Wasser dazu. Es müssten die Betriebe unterstützt werden, die ihr natürliches Kapital schützen, so Meißner. „Wenn dafür eine Extensivierung notwendig ist, dann sehe ich das als Investition in die Zukunft!“. Bauernpräsident Rukwied setzt auf die Genetik: Landwirte hätten eine genetische Prädisposition für Nachhaltigkeit, denn sie wollten den Betrieb an ihre Kinder übergeben.

TTIP

Für die Verhandlungen mit den USA über ein Freihandelsabkommen sind alle noch optimistisch. Der amerikanische Agrarattaché Paul Spencer prognostiziert Wachstum und Beschäftigung und bestätigt den Willen der USA ein Abkommen abzuschließen, das auch den Agrarbereich enthält. Die Verhandlungen kämen „mit einer Tankfüllung“ bis zur Unterschrift.

Das Abkommen zwischen der EU und Kanada kann nach Dr. Kloos ein Signal für die Verhandlungen mit den Amerikanern sein [3]. Kaum jemand sieht unüberwindbare Hindernisse und betont, dass die hohen Standards der EU Bestand haben werden. „Das ist ganz entscheidend“, sagte Rukwied. Für die tarifären Gespräche über Agrarrohstoffe sieht Buchholz auch keine Probleme. Die tauchen eher bei den technischen Fragen im Agrar- und Ernährungsgewerbe auf. So konnte Meißner keine Einschätzung abgeben, wie sich EU und USA über die grüne Gentechnik einigen werden. Da der WWF mit seiner internationalen Aufstellung auch in den USA vertreten ist, findet diese Diskussion auch innerhalb des Verbandes statt.

Lesestoff:

[1] Europäische Babymilch in China gefragt

[2] Export trägt Ernährungsbranche

[3] FTA EU-Kanada

Anhörung im Handelsausschuss des Europaparlamentes zu TTIP

Roland Krieg

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