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Förderpreise Ökologischer Landbau

Landwirtschaft

Förderpreise Ökologischer Landbau vergeben

Franz Fischler, ehemaliger EU-Kommissar für Agrarpolitik und jetzt im Ökosozialen Forum Österreich aktiv, forderte auf dem Tag des Ökologischen Landbaus der Grünen Woche in Berlin eine Ökologisierung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU. Ziel der Landwirtschaft müsse die Balance zwischen Ökonomie, Ökologie und sozialer Verantwortung sein.
Deutschland, so Fischler, ist von der Fläche und der Produktionsmenge her, Europas größter Bioproduzent, hat aber immer noch Reserven. Die anstehenden Reformmaßnahmen der GAP müsse dem Ökolandbau mehr Raum widmen. Es reicht auch nicht mehr, nur „Bio“ zu sein, sondern die Konsumenten verlangen Tierschutz, Food Miles und ethische Gesichtspunkte. Die Förderung des Bioanbaus müsse integraler Bestandteil der Förderung des ländlichen Raums bleiben.
Dem Bioanbau gab Fischler mit dem Weg, sich von alten Ideen zu verabschieden. Es gehe künftig nicht nur um die Aufrechterhaltung traditioneller Methoden, sondern im Rahmen der Intensivierung der Landwirtschaft um eine Früherkennung des Schädlingsbefalls, biologische Bekämpfungsmethoden und nachhaltige Bodenbewirtschaftung.
Im Anschluss hat Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner die Förderpreise 2010 vergeben. Bereits zum zehnten Mal wurden Betriebe ausgezeichnet, die mit innovativen Ideen den Gedanken des biologischen Landbaus in besonderem Maße vorantreiben. In diesem Jahr wurden zwei Obstbaubetriebe ausgezeichnet und der zweite Preis zweimal vergeben.

Die Gewinner

Platz 2: Bunde Wischen e.V

Bunde Wischen„Bunde Wischen“ kommt, wie der Hof, aus Schleswig-Holstein und bezeichnet „bunte Wiesen“. Der Landkreis wollte eine Orchideenwiese umwidmen und der gemeinnützige Verein hat sich nicht nur dieser einen Wiese angenommen. Insgesamt umfasst das Land 1.100 Hektar, auf denen 500 Galloways für die Direktvermarktung grasen. Vor allem der Winter ist für die Graslandschaft wichtig, denn die Tiere weiden in dieser Zeit die Sträucher und Bäume ab. Für die Erlaubnis der Waldbeweidung mussten Ausgleichsflächen geschaffen werden. Die Galloways beweiden auch Uferflächen am See, was dort beispielsweise dem Gras Strandling ein Lebensreservoir sichert. Mehr als 90 Prozent der Flächen stehen unter Naturschutz. Außerdem weiden auf dem Land 170 Heidschnucken und 18 Koniks –da sind Wildpferde, die zwar zutraulich sind, aber bei Besuchern nicht um Futter betteln. Ihre Beweidung hilft dem Klappertopf, sich auf dem Gelände bei Schleswig auszubreiten.

Platz 2: Baumschule Pflanzlust

Pflanzlust„Schöner von Nordhausen“ ist eine der fast vergessenen Apfelsorten. Die Baumschule Pflanzlust aus dem niedersächsischen Wolfhagen hat noch mehr als 200 andere Apfelsorten im Programm, aus dem sich vor allem Hausgärtner, Bioobstbauern und streuobstinitiativen bedienen können. Damit das Ernten der alten Sorten auch klappt, hilft die Baumschule auch beim Baumschnitt. Etwa 8.000 Biobäume verlassen die Gärtnerei jährlich.
Die Baumschule zeichnet sich durch ein innovatives Arbeitsmodell aus, bei dem die Mitarbeiter ihre Arbeitszeiten selbst bestimmen. Die sieben festangestellten Fachkräfte stimmen Familie und Beruf selbstbestimmt ab.
Die „Gerichtseiche von Breuna“ ist nicht nur voller Geschichte, sondern wegen ihres Alters von mehr als 500 Jahren auch ein Naturdenkmal. Jeder kann sich die Gerichtseiche in seinen Garten setzen, denn mit dem Projekt „Junge Riesen“, dass die Baumschule zusammen mit der Universität Kassel durchführt, werden Samen markanter Bäume gewonnen und als Jungbäume vermarktet.

Platz 1: Obsthof Augustin

Obsthof AugustinTopas ist „knackig, klein und spritzig“. Und Topas ist nur einer von insgesamt 16 Apfelsorten, die der Obsthof selbst weiterführt hat. Besonderes bietet der Betrieb aus dem niedersächsischen Jork auch bei der Energieversorgung. Er verarbeitet Obstholz, das sonst keinen Marktwert mehr hat zu Hackschnitzeln, nutzt aber vor allem die Wärme der geernteten Äpfel. Werden sie vom Baum gepflückt haben sie noch eine Temperatur von rund 18 Grad Celsius. Zum Einlagern werden sie auf zwei Grad herunter gekühlt. Die 16 Grad Temperaturdifferenz geht normalerweise als Abwärme verloren, doch in Jork fängt ein Platenwärmetauscher die Wärme auf. Hackschnitzeln und der Apfelwärme heizen rund 20.000 Liter Wasser auf, mit dem Büro, Sortierhalle, Wohnhaus und Mitarbeiterwohnungen beheizt werden. Das spart rund 27 Tonnen Kohlendioxid im Jahr.
Innovativ ausgeformt sind auch die Wasserbecken für die Frostschutzberegnung. Heimische Gehölze haben sie zu lebendigen Biotopen gemacht, die auch noch Nützlinge gegen Obstbaumschädlinge beherbergen. Blühstreifen verbinden die Wasserbecken zu Biotopnetzen, so dass sich die Nützlinge über das gesamte Gelände ausbreiten können. Übrigens: Die meisten Bioäpfel in Berlin kommen vom Obsthof Augustin.

Roland Krieg (Text und Fotos)

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