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Fruit Logistica 2020

Landwirtschaft

Herausforderungen für die Obst- und Gemüsebranche

Apfel

Heute startet die internationale Messe Fruit Logistica für Obst und Gemüse in Berlin. Unter dem Funkturm versammeln sich 3.300 Aussteller aus 93 Ländern vom Erzeuger bis zum Logistiker. Partnerland 2020 ist Ecuador.

Die Messe startet vor dem Hintergrund des neuen Coronavirus, das in China für mehr als 50 Millionen Menschen Reiserestriktionen gesorgt hat. Rund die Hälfte der chinesischen Aussteller hat abgesagt, die andere Hälfte hat beim Personal für Ersatz aus Europa gesorgt. Die Messe selbst hat an allen Eingängen Handdesinfektionsgeräte installiert, mehr medizinisches Personal einbestellt und steht mit den deutschen Gesundheitsbehörden in Kontakt. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat schon im Vorfeld der Messe mitgeteilt, dass es für „eine Übertragung durch Lebensmittel und Bedarfsgegenstände nach derzeitigem wissenschaftlichen Kenntnisstand keine Belege“ gibt.

Asymmetrischer Handel

Der regelbasierte Welthandel ist in Gefahr. Zunehmender Protektionismus, die Blockade des Berufungsausschusses für Handelsstreitigkeiten bei der Welthandelsorganisation WTO und der zum 01. Februar vollzogene Beschluss ist vor allem für verderbliche Ware wie Obst und Gemüse eine besonders große Herausforderung. Philippe Binard von Freshfel Europe erinnert am Tag vor der Eröffnung an das noch immer existierende Embargo Russlands für europäisches Obst und Gemüse.

Die Warenströme nach Moskaus Embargo haben sich schnell umorientiert. Die Obst- und Gemüsebranche zeigt sich flexibel. Doch ob das immer so bleiben wird? Bis Juni haben die Briten Zeit, sich für eine Verlängerung der Übergangsperiode auszusprechen. Sonst scheidet Großbritannien Ende des Jahres auf hartem Weg aus. Das Modell Norwegen komme für die Briten nicht in Frage, kommentiert Binard. Was in Großbritannien bei Obst und Gemüse geschieht sei „ein Experiment der Relokalisierung“. Großbritannien ist Nettoimporteuer. Gemüse wird auf 125.000 ha angebaut. Davon sind etwa 33.500 für Verarbeitungsbohnen reserviert. Die meisten Äpfel werden wie der Koch-Apfel Bramley nicht für den Frischeverzehr produziert. Zwei Drittel der Importe kommen aus Spanien und den Niederlanden, lediglich 12 Prozent aus Übersee und wenig aus heimischer Produktion. Die britischen Erzeuger müssen beweisen, was sie vor Ort selbst anbauen können. Immerhin sei der Markt für Frischware leichter als der für Fisch, vermerkte Chris White von Fruitnet Media International. Beim Fisch geht es zwischen dem UK und der EU auch noch um Fangrechte.

Cindy van Rijswick

Nachhaltigkeit

Cindy van Rijswick von der Rabobank hat einen Trendbericht für die Fruit Logistica 2020 geschrieben. Das Thema Nachhaltigkeit interessiert die Erzeuger bei der Einsparung von Bewässerung, Verarbeiter wollen energiearme Prozesstechnik, Verpacker bauen weltweit auf recycelbare Umverpackungen und die Kunden wollen über einen QR-Code alles von den Landwirten wissen. Bis hin zu den Arbeitsbedingungen vor Ort. „Do the right thing“ heißt der Bericht über den weltweiten Megatrend Nachhaltigkeit. Was für Konsumenten ein allgemeiner Trend ist, entdeckt die Branche als Möglichkeit, neue Renditen zu erzielen. Die jährlich zehn vorgestellten Produktinnovationen sind erfolgreiche Beispiele aus der Branche.

Nachhaltiges Ecuador

Ecuador nahm 2002 zum ersten Mal an der Fruit Logistica teil und ist 2020 Partnerland geworden. Im Bereich der Frischwaren hat Ecuador zwischen 2014 und 2018 Obst und Gemüse für mehr als 3,5 Milliarden US-Dollar pro Jahr exportiert. Russland und die USA sind mit einem Ausfuhranteil von 18 und 16 Prozent die Hauptkunden. In der EU stehen Deutschland und Italien mit jeweils sieben Prozent auf Platz eins der Zielländer. Der größte Exportschlager sind mit sechs Millionen Tonnen Bananen. Mit großem Abstand folgen Ananas (91 t), Brokkoli (74) und Mangos (60 t). In Berlin präsentieren die Exporteure Baumtomaten, die Anden-Blaubeere Mortino und Pitahayas.

Für Ecuador hatte der Lebensmittelgipfel im Bundeskanzleramt ebenfalls eine große Bedeutung. Die Bundesbürger hatten faire Bananen im Discounter 2019 abgestraft. Die komplette Umstellung des Sortiments bei Lidl wurde nach einigen Monaten wieder zurückgenommen.

Disruptiver Anbau

Gerade Obst und Gemüse müssen nicht im Freiland angebaut werden. In den letzten Jahren haben neue Systeme wie Vertical Gardens und geschlossene Systeme in Containern für Aufmerksamkeit gesorgt. Harrij Schmeitz von Smart Horticulture Global sieht den disruptiven Trend nicht nur von der technologischen Seite aus. Der grundsätzliche Wandel ergibt sich aus einem wirklichen Systemwechsel und sozialen Aspekten heraus. Mittlerweile sorgt Smart Horticulture vor allem in Asien für große Effekte in der Frischebranche.

Geschäfte und Wissen

Die Fruit Logistica bietet wesentlich mehr als nur ein Netzwerk für Geschäftskontakte. Der begleitende Fachkongress wird immer größer und nach dem Event-Direktor Kaasten Reh fleißig besucht. Der Informationsaustausch bietet den Besuchern Grundlage für die strategische Ausrichtung ihres künftigen Geschäftes.

Roland Krieg; Fotos: roRo

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