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Futterhersteller leiden mit Nutztierhaltern

Landwirtschaft

Futterwirtschaft stabil auf brüchigem Grund

Die heimische Mischfutterbranche hat im abgelaufenen Wirtschaftsjahr 23,9 Millionen Tonnen Mischfutter produziert. Das sind zwei Prozent mehr als im Vorjahr und zeigt eine leichte Erholung. Die Agrarkrise der letzten Jahre hat vor allem die Veredlungswirtschaft getroffen und bei den Herstellern für Tiernahrung seit 2013/14 Produktionsrückgänge ausgelöst. Keine andere Branche ist so eng mit der Nutztierhaltung verbunden wie die Mischfutterindustrie. So darf der Deutsche Verband Tiernahrung (DVT) freudig verkünden, dass trotz mancher Eigentümerwechsel die Zahl der Mischfutterwerke mit 314 weiterhin stabil bleibt. Über alle Futterarten hinweg konnte die Region Nord einen Zuwachs von 1,2 Prozent, die Region Ost sogar einen Zuwachs von 4,7 Prozent und der Süden eine Steigerung von drei Prozent verzeichnen. „Die Futtermenge innerhalb Deutschlands ist im gesamten Land gewachsen, zeigt aber prozentual wie mengenmäßig erhebliche Unterschiede zwischen den Regionen“, sagt DVT-Geschäftsführer Dr. Hermann-Josef Baaken. Auffällig ist der zweistellige Anstieg bei Schweinefutter in Süd- und Ostdeutschland. Die Stabilisierung der Milchpreise drückt sich in einer stabilen Nachfrage bei Rinderfutter wider.

Verbrauch Futtermittel
Mischfutterherstellung in D 2016/2017 zum Vorjahr; Angaben in 1.000 t; Quelle: BLE

Wie viele Nutztiere wird es geben?

Doch ob die Zukunft so bleibt, ist offen. Die steigenden Herausforderungen an die Nutztierhaltung werden sich künftig auch in der Wirtschaft der Futtermittelhersteller widerspiegeln, lautet ein Fazit der DVT-Jahrestagung am Donnerstag in Berlin. Ob die Zahl der Nutztiere in Deutschland gesteigert werden kann bleibt offen. Betriebe, die aus dem viehdichten Nordwesten in den vieharmen Osten aussiedeln wollten, scheitern an den Auflagen für einen Stallneubau. Wird die Zahl der Nutztiere sinken, verändert sich auch die Struktur der Mischfutterindustrie.

Die gerade vom Bundesrat noch einmal in eine Denkschleife geschickte Stoffstrombilanz wird die „Diskussion über die Umweltrelevanz und die grundsätzliche Bewertung der Tierhaltung in der tierischen Veredlung“ weiter führen. Die Niederländer bauen ihre Milchviehbestände ab, um das nationale Phosphor-Volumen einzuhalten. So weit ist Deutschland noch nicht. Aber die aus der Stoffstrombilanz resultierenden Bilanzen für N und P treffen direkt auch die Futtermittelwirtschaft, erläuterte DVT-Präsident Jan Lahde. Die Tierernährer werden sich verstärkt auf die Bereiche Fütterungsoptimierung und höheren Futterkosten widmen müssen. Die Pariser Klimavereinbarungen stellen „für die hiesige Landwirtschaft eine enorme Herausforderung da, die ohne Kraftakt und Veränderungen in der tierischen Produktion nicht zu erreichen ist“, so Lahde. Dabei gehört die Fütterung intrinsisch zur Kreislaufwirtschaft mit der Verwertung von Neben- und Koppelprodukten aus dem Lebensmittelsektor“ zur Landwirtschaft dazu.

Artgerechte Ernährung

Die artgerechte Ernährung wird in der Öffentlichkeit zumeist auf den Bereich der Herkunft des Futters reduziert. Einzelhandelsprogramme wie „Weidemilch“ oder regionale Produkte sind solche Beispiele, die für Lahde aber nur „den Eindruck von Umwelt-, Klima- oder Tierschutz“. Den ökologischen Fußabdruck von brasilianischem Soja nur anhand der Transportentfernung zu beschreiben reiche nicht. Grundsatzfragen nach GV-freiem Futter seien „geradezu kleinlich“.

Richtig ist, dass der Selbstversorgungsgrad bei Eiweißfuttermitteln in Deutschland nur bei 35 Prozent liegt. Was bei Milchkühen durch einen Austausch von Sojaschrot durch Rapsschrot in Teilen umsetzbar ist, funktioniere nicht in der Schweinefütterung. Der Monogastrier ist auf eine hochwertige Fütterung aus wertvollen Proteinen und Aminosäuren angewiesen. Die Sojaanbaufläche in Brasilien für die deutsche Schweineproduktion umfasst rund 2,5 Millionen Hektar. Um Soja mit gleichem Proteinertrag in Deutschland herzustellen, müssten 21 Prozent der hiesigen Ackerfläche von 12 Millionen Hektar mit Soja bebaut werden, führte Dr. Heinz Schweers , Direktor Landwirtschaft beim Schlachtkonzern Vion, aus. Das weiß auch Martina Fleckenstein vom WWF. 30 Prozent der Sojaanbaufläche in Argentinien und Brasilien sind für die die EU „gebucht“.

Eine Abkehr ohne an der Nutztierhaltung zu rütteln ist trotz vielfacher Initiativen wie das Donau-Soja kaum möglich.

Verantwortungsvoller Anbau

Dennoch stellt sich die Futtermittelbranche den Verbraucherwünschen. Der Dachverband der europäischen Futtermittelhersteller FEFAC hat Leitlinien für verantwortungsvollen Sojaanbau vorgelegt. Denn: „Die europäische und deutsche Agrarwirtschaft ist heute und in Zukunft auf den Import von wertvollen Rohstoffen angewiesen“, erläuterte Lahde. Der im Juni neu gewählte FEFAC-Präsident Nick Major weiß: „We have the need to communicate reliable figures“ und will verantwortungsvoll hergestelltes Futter aus der Marktnische herausholen. An den FEFAC-Richtlinien orientieren sich mittlerweile schon drei Programme für Sojaerzeuger, fünf globale Sojahändler und beziehen sich sechs andere Nachhaltigkeitsprogramme wie das Donau-Soja. Nach Major ist auch die Futtermittelwirtschaft Teil der Lösung für eine Umwelt- und Klimagerechte Lösung.

Lesestoff:

www.dvtiernahrung.de

www.fefac.eu

Roland Krieg

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