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Futterwirtschaft zu Aflatoxin im Mais

Landwirtschaft

DVT: Fahrlässigkeit bei Aflatoxin-Kontrollen

Zur Jahrespressekonferenz der Futterwirtschaft hat der Deutsche Verband Tiernahrung (DVT) ausführlich Stellung zum serbischen Mais genommen, der mit Aflatoxinen belastet ist [1].

Grundsätzlich habe das System der Eigenkontrollen gegriffen, erläuterte DVT-Geschäftsführer Bernhard Krüsken. Doch leider zu spät in der Lieferkette. Der Importeuer sei für die Eingangskontrolle zuständig und müsse sich vom Lieferanten Zertifikate über Beprobungen vorlegen lassen. Die Einführung von zwei Schiffen Mais mit zusammen 80.000 Tonnen nach Belgien und Norddeutschland sei ein gut kontrollierbarer Zeitpunkt und zu Recht prüfe die Staatsanwaltschaft, warum die Kontrollen nicht gegriffen haben.

Krüsken verwies auf die zum Zeitpunkt der Lieferung bekannten Probleme mit Aflatoxinen im serbischen Mais und wirft dem Hamburger Unternehmen Fahrlässigkeit im Umgang mit Informationen vor. Die zur Verfügung stehenden Informationen seien aber auch ein guter Ansatzpunkt für ein Frühwarnsystem innerhalb der Branche.

Generelle Kritik an den Eigenkotrollen der Branche will Krüsken nicht zulassen. Diese wurden im Zusammenhang mit dem Pferdefleischskandal sowohl von der Verbraucherschutzministerkonferenz als auch vom Europaparlament von EU-Verbraucherschutzkommissar Tonio Borg eingefordert [2]. Ein zusätzliches Problem in Deutschland sind die uneinheitlichen Kontrollen in den Bundesländern. Während die eine Behörde die Futtermittel kontrolliert, prüft eine zweite die Milch. Einen bundesweiten Datenabgleich gibt es nicht. Auf die Frage von Herd-und-Hof.de, in diesem Bereich weniger Föderalismus zuzulassen, beantwortete Krüsken salomonisch. Die Föderalismusdiskussion vor diesem Hintergrund sei wenig hilfreich. Das haben die Diskussionen der zurückliegenden Lebensmittelskandale gezeigt. Es ändere sich nur wenig.

Sicherer für Krüsken ist der Appell an die eigene Branche. Auch in diesem Fall hat das Versagen einer einzelnen und zentralen Stelle zu einem großen Effekt geführt. Auch dieser Fall dürfe nicht überecken, dass in Deutschland monatlich bis zu 300 Aflatoxinproben gezogen werden. In 90 Prozent der Fälle sind keine Mycotoxine zu finden, in weiteren fünf Prozent der Proben Werte mit niedriger Belastung und bei den anderen fünf Prozent noch immer eine Mycotoxinbelastung unterhalb des Höchstwertes.

Aus Sicht der Verbraucher ergibt sich ein anderes Bild. Das räumt auch Bernhard Krüsken ein. Pferdefleisch, falsche Bio-Eier, Aflatoxin und Antibiotika in Puten summieren sich zu einem Bild, gegen das schwer zu kommunizieren ist. Pferdefleisch sei beispielsweise ein besonderer Hingucker, der auch in Satiresendungen leicht aufzugreifen sei. Gegenüber Herd-und-Hof.de erläutert Krüsken auch, dass Hofbesuche und Informationsmaterial angesichts der Häufung nur noch eine begrenzte Aufklärungswirkung haben können.

Lehrreicher wird möglicherweise der Schaden sein, den Toepfer durch den serbischen Mais erlitten hat und noch erleiden wird. Der noch nicht verkaufte Mais muss entsorgt werden. Alleine der verlorengegangene Warenwert belaufe sich auf bis zu 20 Millionen Euro. Durch den verkauften Mais konnten Bauern ein bis zwei Tagesgemelke nicht verkaufen und werden beim haftenden Verursacher Schadenersatz einfordern.

Lesestoff:

[1] Schwieriges Maisjahr in Serbien

[2] VSMK zum Perdefleischskandal

Roland Krieg

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