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Gas auch ohne Gülle

Landwirtschaft

ATB: Biogas vom Ackerbauern möglich

Die üblichen Biogasanlagen werden mit flüssigen Substraten befüllt, wobei vor allem die Gülle das Sinnbild für die energetische Verwertung geworden ist. Allerdings können auch Feststoffe vergoren werden, was manchmal nicht ganz korrekt als „Trockenfermentation“ bezeichnet wird.

Hohe Methanerträge ohne Gülle
Das Leibniz-Institut für Agrartechnik Bornim (ATB) hat die Brandenburger Feststofffermentationsanlage in Pirow, zwischen Putlitz und Perleberg, ein Jahr lang wissenschaftlich begleitet und ihre Messgeräte in Substrate, Gärreste und Gase gesteckt. Das Fazit ist ein Methanertrag der einer Nassvergärung in nichts nachsteht. Die Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe (FNR) sieht vor allem die güllelosen Ackerbauer in sehnsüchtiger Erwartung dieser Ergebnisse. Bislang waren sie von der Biogaserzeugung ausgeschlossen.

Vorteile Feststofffermentation
Gülle muss in regelmäßigen Abständen genauso verrührt werden, wie beispielsweise Mais als Koferment. Zum Ausbringen auf den Feldern muss der Gärrückstand ebenfalls wieder in pumpfähigen Zustand sein. Prof. Dr. Manfred Hofmann aus Weidenbach stellte im dlz agrarmagazin weitere Vorteile der Feststoffvergärung zusammen. So ist der Anlagenverschleiß niedriger, die Gärrestebeseitigung billiger, die Anlage durch eine modularen Aufbau jederzeit erweiterbar, eine Entschwefelung kann entfallen und es gibt fast gar keinen Geruch.
nach dlz agrarmagazin 12/06

Bei der Vergärung von Feststoffen passiert in der technischen Anlage eigentlich das gleiche wie im Pansen der Kuh: Da warten die Mikroben auf Grünfutter, um es zu vergären, wobei unter anderem Methan entsteht.
In Pirow bilden drei gasdichte Fermenter das Herzstück der Anlage. Wichtig ist dabei, dass die Biomasse vorbelüftet und während der Gärung regelmäßig mit Flüssigkeit aus vorangegangenen Gärprozessen benetzt wird. Eine Berieselungsanlage hilft den Bakterien bei der Arbeit.

90 m3 je Tonne Frischmasse
Das ATB hat sieben Wochen lang getestet. Mischungen aus 60 Prozent Maissilage, 13 Prozent Gärrest und 27 Prozent Putenmist wurden vergoren und kontinuierlich beobachtet. Hauptaugenmerk lag auf der Methanausbeute, denn damit sollte dieser Vergärungstypus mit der üblichen Nassfermentation schließlich verglichen werden. Und das Ergebnis konnte sich sehen lassen: Eine Tonne Ausgangsmaterial erzielte schließlich vergleichbare 90 Kubikmeter energiereiches Methan. Jetzt wollen die Agrartechniker das Verfahren so weit verfeinern, dass noch höhere Erträge erzielt werden können.
Die Feststofffermentation bietet den Bauern noch weitere Vorteile, denn die Gärreste können jederzeit auf die Felder ausgebracht werden. Die Gülleausbringung der Nassfermentierer unterliegt gesetzlichen Sperrfristen. Bei der Nassfermentation werden die Bakterien nach der Arbeit aus der Anlage wieder ausgeschleust, weswegen bei der Zirkulation in einer Feststofffermentation besonders gut selektierte Bakterien immer wieder eingesetzt werden können. Hier sieht Dr. Weidemann noch ein Entwicklungspotenzial.
Details zum Projekt in Pirow sind im Band 24 der Gülzower Fachgespräche „Trockenfermentation“ nachzulesen. Das Buch kann kostenlos über www.fnr.de (Literatur) bestellt werden.

roRo

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