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GB: Erste Bewertung der Flut

Landwirtschaft

Länger höhere Grundwasserstände in England und Wales

Ende der vergangenen Woche hat das Center für Ecology and Hydrology eine erste Bewertung der Flutkatastrophe in England vorgelegt. Demnach haben eine Mehrzahl außergewöhnlicher Ereignisse zu den Überschwemmungen geführt.

Die Wetterlage
In diesem Jahr hat der atlantische Jetstrom alle sommerlichen Wetterereignisse den Süden Englands überqueren lassen, wodurch sich bislang kein Wetter stabilisierendes Azorenhoch hat ausbilden können.
Eine 12-wöchige Regenperiode ab Mai ist die nasseste, die seit 1776 verzeichnet wurde. In manchen Regionen hat sie mehr als doppelt so viel Wasser wie im langfristigen Durchschnitt gebracht. Warme und feuchte Luft aus Nordfrankreich erzielte um den 19. und 20. Juni Rekordniederschläge von 145 mm in Hereford und Worcestershire, 111 mm in Berkshire und 120 mm in Oxfordshire.

Starkregen, lokale Sättigung und verspätete Ernte
1947 gab es in England eine Flut, die sogar noch schwerere Schäden hervorbrachte hat als die diesjährige. Sie wurde verursacht durch eine schnelle Schneeschmelze auf tiefgefrorenem Untergrund, so dass das Wasser nur oberirdisch in die Flüsse abfließen konnte.
Ungewöhnlicherweise waren in diesem Juni die Wasserspeicher der englischen Böden mehr gesättigt als im Mai. Ende Juni hatte der Regen die noch vorhandenen „freien Kapazitäten“ aufgefüllt. Dr. Jon Finch, Leiter der Climate and Surface Group, Process Hydrology Section des CEH, teilte auf Nachfrage von Herd-und-Hof.de jedoch mit, dass das für die Starkregenereignisse im Juli nur von lokaler Bedeutung gewesen ist. In den meisten Fällen lag der Grundwasserspiegel bereits wieder auf Durchschnittsniveau.
Inwieweit eine veränderte Landnutzung entlang der Flüsse für die Ausmaße der Flut verantwortlich ist, kann das CEH auf Grund fehlender Vergleichsdaten nicht sagen. Dr. Finch hält jedoch ein anderes Detail bereit: Die Vegetation stand noch immer höher als im Winter. Wegen des nassen Wetters wurde auf den meisten Feldern weder Heu noch Silage gewonnen und die Ernte der Feldfrüchte hat sich ebenfalls deutlich verzögert. Insgesamt beeinflusste die aufgeschossene Vegetation die hydrologischen Verhältnisse der Landschaft und könnte die Intensität der Flut mit beeinflusst haben. Für genauere Aussagen über diese Effekte müssen aber noch weitere Forschungen stattfinden.
In den nächsten zwei bis vier Monaten werden sich die hydrologischen Verhältnisse nasser als das langjährige Mittel zeigen. So prognostiziert das CEH im frühen Herbst bereits volle Wasserspeicher im Böden und eine anhaltende Flutsituation im kommenden Winter 2007/2008.

Flut durch Klimawandel?
Das CEH ist vorsichtig, die Flut auf den Klimawandel zurückzuführen. Die Wassermassen in England und Wales ließen sich nicht auf einen lang anhaltenden Trend zurück führen. Zudem würden wärmere und trockenere Sommer die Bodenbedingungen arider werden lassen – und damit das Überschwemmungsrisiko minimieren. Intensiver Sommerregen könnte jedoch lokal zu Überflutungen führen, weil die Entwässerung vor allem in Stadtgebieten nicht entsprechend ausgebaut ist. Darüber gibt es nach Aussage von Dr. Finch ernsthafte Diskussionen in England. Bebauung könnte Regionen, die bislang noch keine Überschwemmung erfahren haben, zukünftig Fluten bescheren. Aber eines möchte er weiterhin klar stellen: Eine extreme Flut ist zunächst einmal das Ergebnis extremer Regenfälle.

Centre for Ecology and Hydrology
Das Zentrum für Ökologie und Hydrologie (CEH) ist das britische Exellenzforschungszentrum für Landschaft und Frischwasser. Das CEH beschäftigt Experten, die sich mit der genetischen Ebene der Natur genauso auseinandersetzen wie mit der Erde als Ganzes. Das besondere Interesse gilt den Auswirkungen menschlicher Aktivitäten auf die Umwelt. Die Mutterorganisation des CEH ist das britische Natural Environment Research Council.
Die aktuelle Bewertung mit zahlreichen hydrologischen und geologischen Karten aus ganz England kann unter www.ceh.ac.uk aufgesucht werden.

Roland Krieg

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