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Geben und Nehmen in der Natur

Landwirtschaft

Das vertrackte Janusgesicht symbiontischer Viren in Schlupfwespen

Lysibia nana parasitiert Schlupfwespenlarven an Kohlfliegenraupe
Der Hyperparasit Lysibia nana parasitiert gerade die Schlupfwespe Cotesia glomerata, die als Nützling gegen die Kohlfliege eingesetzt wird. Angelockt wird Lysibia durch Substanzen, die das symbiontische Virus der Schlupfwespe auslöst.

Es ist natürlich ein Traum: Gartenbauern pflanzen Kohl und freuen sich, wenn die Schlupfwespen Schädlinge wie Kohlfliegen von ihrem Erntegut fernhalten. So regelt die Natur das Interesse der Landwirte selbst und die brauchen noch nicht einmal den chemischen Pflanzenschutz dafür.

Doch ganz so einfach ist es nicht. Die Natur zeigt ihr vertracktes Gesicht in Effekten und Gegeneffekten, die sich neutralisieren oder verstärken. Das haben Forscher der niederländischen Universität Wageningen gerade erst wieder herausgefunden.

Die in der biologischen Schädlingsbekämpfung eingesetzte Schlupfwespe trägt einen symbiontischen Virus in sich. Dieser Virus wird aktiv, wenn die Schlupfwespe ihre Eier in die Larve der Kohlfliege legt und verhindert, dass sich die Raupe gegen den in ihr heranwachsenden Fraßfeind wehren kann. Soweit erfüllt die Natur die Erwartungen der Landwirte.

Die Experten fanden aber auch die Schattenseite des Viruses heraus. Er verändert nämlich die Zusammensetzung des Speichels der Raupe und fügt ihm flüchtige Substanzen hinzu, die verschiedene Signalwirkungen haben. Zum einen dienen sie anderen Kohlfliegen als Warnsignal, nicht noch auf der Pflanze weiter Eier abzulegen, auf der das Virus über die zerstörerische Schlupfwespenraupe wacht, die gerade die Kohlfliegenlarven auffrisst. Den Eiern droht als Raupe das gleiche Schicksal. Zum anderen locken die flüchtige Stoffe Hyperparasiten an, die wiederum die Schlupfwespe parasitieren. Wie beispielsweise die Wespe Lysibia nana. Und es ist in der Tat das Virus, das dem Speichel die flüchtigen Substanzen induziert und nicht die Larve der Schlupfwespe.

Damit kann sich der gewünschte Effekt der biologischen Schädlingsbekämpfung ins Gegenteil verkehren. Der Hyperparasit reduziert die Zahl der Nützlinge. Allerdings ist die Larve der Kohlfliege dann auch ebenfalls verendet.

Doch: Die Kohlfliege bleibt weiterhin Beute und Opfer der Schlupfwespen. Der Nützling hat das Wettrüsten in der biologischen Schädlingsbekämpfung nicht verloren. Der größte Nutzen in diesem Spiel ist das tödliche Heranwachsen der Schlupfwespe in der Fliegenlarve. Aber: Der Nutzen kommt mit einem kleinen Handicap daher.

Roland Krieg; Foto: Universität Wageningen

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