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Gehen uns die Bauern aus?

Landwirtschaft

Junglandwirteprogramm: Gut, aber hilfreich?

Zwei von drei Höfen in Deutschland finden keine Nachfolger. Die Ökolandwirte fordern für die ökologische Agrarwende 10.000 neue Betriebe – aber wo sind die 10.000 neuen Bauern? Die Europäische Agrarpolitik ab 2014 will mit einem speziellen Junglandwirteprogramm die Nachfolgeflaute beenden. Die europäische Junglandwirte-Organisation CEJA hat vor kurzem eine Stärkung der Jungbauern-Förderung in beiden Säulen der Agrarpolitik gefordert. Aber reicht das wirklich aus?

Bislang ohne Wirkung

Der spanische Ökonom Jesus Gonzalez Redigor von der Autonomen Universität Madrid hat in dieser Woche ein ernüchterndes Fazit im EU-Agrarausschuss gezogen. In den letzten vier Jahren haben Förderprogramme für Jungbauern europaweit lediglich 30.000 neue Bauern auf die Höfe gebracht. Redigor ist skeptisch, dass das neue Junglandwirteprogramm eine radikale Wendung einleiten wird.
Nur sechs Prozent der europäischen Bauern sind jünger als 35 Jahre. „Es gibt keine Ablösemannschaft“, sagte Redigor. Die Zahl der Betriebe und die Zahl der Bauern sinken in immer schnellerem Maße. Seit Jahren geben beispielsweise jährlich 10.000 Milchbauern in Rumänien auf. Dagegen ist Bayern, was die Ausbildung betrifft noch gut aufgestellt, sagte Albert Dess (CSU): Die Ausbildungszahlen in den grünen Berufen steigen. Ob sie aber einen Hof bekommen, ist offen, denn das verfügbare Land wird immer weniger. Heute bearbeitet ein bayerischer Landwirt die Fläche, auf der vor 50 Jahren noch 20 Bauern wirtschafteten.
Das größte Hindernis für Neu- oder Seiteneinsteiger ist nach Redigor die fehlende Wirtschaftlichkeit vieler Betriebe. Die gezahlten Gelder reichen oftmals nicht aus. Meist müsse in übernommene Betriebe erst noch kräftig investiert werden. Da haben junge Bauern kaum eine Perspektive auf einen schuldenfreien Betrieb.

Investitionen in das Land

Die EU-Kommission solle die Junglandwirteförderung noch einmal grundlegend überdenken. Mit der Förderung junger Menschen auf landwirtschaftlichen Betrieben alleine sei das Problem nicht zu lösen. Der ländliche Raum müsse in die Förderung „einfaktoriert“ werden, so Redigor. Die meisten Bauern bewirtschaften, auch in Deutschland, ihren Betrieb im Nebenerwerb. Also müsse auf dem Land neben der Daseinsvorsorge auch die berufliche Infrastruktur für Nebeneinkünfte verbessert werden. Im Vergleich zu anderen Unternehmen, würden die Junglandwirte sowieso diskriminiert. Wer auf dem Land ein neues Unternehmen gründen will, der bekommt außerhalb des Landwirtschaftssektors deutlich mehr Unterstützung. Die EU sollte über ein Grundeinkommen für neue Bauern nachdenken, forderte der Ökonom.

Wenig Widerspruch

Redigor, der seine Aussagen aus seiner Studie über Junglandwirteprogramme ableitet, stößt auf wenig Kritik. Die irische Christdemokratin Mairead McGuinness will mit dem Förderprogramm auch nur ein Signal an Junglandwirte verstanden wissen. An eine Trendumkehr glaubt sie nicht. John Stuart Agnew, Freiheitsdemokrat aus England, spricht aus, was europaweit zu beobachten ist. Die Zahl der Landwirte nimmt ab und die Betriebe werden größer. Das sind Folgen des technischen Fortschritts, die Landwirtschaft weniger arbeitsintensiv macht. Eher sei vorstellbar, dass ältere Bauern junge Landwirte als Hilfe auf ihre Betriebe holten.
Das Programm würde sowieso nicht alle Betriebe erreichen. In manchen Regionen, selbst in Frankreich, gibt es genau so viel Betriebe, die keine Agrarzahlungen erhalten, wie geförderte Betriebe. So erreiche das Junglandwirteprogramm nicht alle Höfe, sagte José Bové, französischer Grüner.
Die Förderung könnte auch ins Leere laufen, weil noch immer nicht definiert ist, was ein Junglandwirt überhaupt ist, ergänzte Luis Manuel Capoulas Santos, Sozialdemokrat aus Portugal. Ist ein Jungbauer jünger oder älter als 40 Jahre? Darf er vorher noch nie in der Landwirtschaft gearbeitet haben, oder dürfte er die Förderung auch geltend machen, wenn er eine mehrjährige Berufspause eingelegt hat?

Roland Krieg

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