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Gelassenheit auf dem Deutschen Bauerntag

Landwirtschaft

Bauerntag mit dem Motto „Wandel braucht Verlässlichkeit“

Bauernpräsident Joachim Rukwied

Eigentlich müssten die Bauern auf ihrem Jahrestag ordentlich grummeln. Die Grünen haben seit der Europawahl einen Höhenflug gestartet, in Brandenburg gibt es sogar zwei Volksinitiativen zur Bienenrettung, Tierwohl scheint absehbar nicht finanzierbar zu sein und bei der Reform der Dünge-Verordnung konnte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner ihr Versprechen  von der Agrarministerkonferenz in Landau, die pauschale 20 Prozent Düngerestriktion sind vom Tisch.

Ja, die Landwirtschaft hat einen großen Umbruch vor sich. Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt, Fremd-AK ersetzen immer mehr Familienarbeitskräfte, die außerhalb des Betriebes ihre persönliche Perspektive finden wollen, und Städter übernehmen die Leitfragen für den Agrarbereich.

Aktuell stehen die Landwirte wegen des Artenrückgangs in der Kritik. Dabei sieht die Gemeinsame Agrarpolitik schon viele Möglichkeiten vor und die bundesdeutsche Landwirtschaft macht viele zusätzliche Programme. Mehr geht immer, was der Kern der bayerischen Volksbefragung gewesen ist, die aber als Bienenrettung bekannt wurde. KULAP heißen die bayerischen Kulturlandschaftsprogramme, die bereits auf 40 Prozent der Fläche eingesetzt werden. Inhaltlich forderte das Volksbegehren nichts anderes.

So zeigte sich Bauernpräsident Joachim  Rukwied vor dem Bauerntag in Leipzig auch wohl gelaunt und bekannte in einem Interview, dass die Bauern offen für eine stärkere Berücksichtigung von Umweltzielen in der Agrarpolitik seien. Vorausgesetzt, so schränkte er ein, die Förderung würde erhöht. Diesen Kern hat Landesagrarminister Till Backhaus in seinem GAP-Programm berücksichtigt: Agrar- und Umweltprogramme sollen keine Ausfallentschädigung sein, sondern ein gleichwertiger Ersatz für ein Einkommen, wie für eine Feldkultur.

„Zusätzliche Leistungen im Umwelt- und Naturschutz müssen sich für den Landwirt rechnen“, betonte Rukwied. Er kritisiert, dass bei Diskussionen mit den Umweltschutzorganisationen, diese meist fern bleiben. Allerdings müssten auch die Landwirte stärker auf ihre Leistungen aufmerksam machen. Die Umweltleistungen der konventionellen Landwirtschaft dringen nicht bis zur Bevölkerung durch.

Das ist auch ein mediales Problem. Die Fachpresse berichtet seriell über das Artenvielfaltsprogramm F.R.A.N.Z. [1]. Bei der Tagespresse kennen es die wenigsten. Dabei wird dieses Erfolgsprojekt in der nächsten Woche in Baden-Württemberg als Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet. Die UN-Dekade Biologische Vielfalt in Deutschland lenkt mit der Auszeichnung vorbildlicher Projekte den Blick auf den Wert der Naturvielfalt und die Chancen, die sie uns bietet. Gleichzeitig zeigen diese Modellprojekte, wie konkrete Maßnahmen zum Erhalt biologischer Vielfalt, ihrer nachhaltigen Nutzung oder der Vermittlung praktisch aussehen.

„Wandel braucht Verlässlichkeit“ unterstreicht das Ansinnen der Bauern, sich zu verändern, aber auch unter klaren Rahmenbedingungen. Klima- und Insektenschutz ist eines der drei großen Themen, die in Leipzig am Mittwoch und Donnerstag diskutiert  werden. Die ökonomische Leitplanke Wettbewerbsfähigkeit füllt den zweiten Block. Nur beim Thema Tierhaltung sieht es wirklich düster aus. Die Branchenlösung 2020 vor dem Aus, das staatliche Label noch nicht auf dem Weg und sowohl die Bio-Label als auch das vom Deutschen Tierschutzbund agieren weiterhin nebenher. Geld für die notwendigen Stallbauinvestitionen sind kaum sichtbar. Die bedeutendste Wertschöpfungskette innerhalb der Landwirtschaft steht vor dem größten Umbruch mit offenem Ausgang.

Der zum Bauerntag vorgestellte Geschäftsbericht hat sich dem Schwerpunkt „Umwelt- Naturschutz – Biodiversität“ gewidmet. Die Umweltziele müssen praktikabel sein, heißt es. Außerdem steht die Landwirtschaft nicht alleine in der Pflicht, wie Versiegelung und Lichtverschmutzung zeigen.

Lesestoff:

[1] F.R.A.N.Z. kann´s: https://herd-und-hof.de/landwirtschaft-/f-r-a-n-z-kanns.html

Roland Krieg; Foto: roRo

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