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Genetisches Gold in Genbanken

Landwirtschaft

Stiftungsprofessur in Hohenheim

Rot, gelb, weiß, blau oder bunt gescheckt stapeln sich die Maiskolben in den Regalen des Instituts für Pflanzenzüchtung, Saatgutforschung und Populationsgenetik der Universität Hohenheim. Rund und erbsengroß hängen die Körner an manchen Kolben, während andere nadelig spitz oder buschelig sind. Sechs Meter hoch kratzt der Riesenwuchs einer neuen Sorte an der Zimmerdecke. Daneben kümmert, kurz wie ein kleiner Finger, ein unscheinbares Gras in einem kleinen Gläschen.

Zuchtgeschichte mehrerer Jahrhunderte
Das kleine Gras ist die „Urgroßmutter aller Sorten“, teilt Institutsleiter Prof. Dr. Albrecht Melchinger mit. Inkas, spanische Eroberer, Bergbauern, amerikanische Popkorn-Produzenten oder asiatische Steppenvölker haben das karge Gras über Jahrhunderte und Jahrtausende zu einer verwirrenden Vielfalt weiter gezüchtet. „Bei Mais kennen wir mehr als 10.000 alte Landrassen und Wildsorten – doch seit den 50er Jahren haben wir all diese genetische Vielfalt auf einen Bruchteil reduziert, die wir für die Pflanzenzucht nutzen“, erklärte Dr. Melchinger anlässlich der neuen Stiftungsprofessur für Nutzpflanzen-Vielfalt.
Während die Saatgutfirmen aktuell nur bis zu fünf Prozent des genetischen Materials für die bäuerliche Praxis nutzen, schlummere der Rest „tiefgekühlt in den Genbanken“. Darunter vermutet der Wissenschaftler noch manchen Schatz, denn die Urform des Mais musste auf kargen Ackerrändern überleben. Sorten auf dem Balkan müssen mit der Hälfte des Wassers auskommen wie in Deutschland und die Schweizer nutzen Mais, der viel mehr Kälte verträgt.
Bei 60.000 Maisgenen können aus drei verschiedenen Maissorten bereits 60.0003 – Genkombinationen gezüchtet werden.

Mit Computern Zeit und Geld sparen
Da heute die Kosten für eine neue Maissorte bei rund zwei Millionen Euro liegen, kann die Kombination verschiedener Sorten in einem Computermodell den günstigeren Weg bis zum gewünschten Ergebnis aufzeigen. Mit einer modernen DNS-Analyse können Nachkommen bereits im Keimstadium „durchleuchtet“ werden, ob die gesuchten Eigenschaften dabei sind.
Darin sieht auch die KWG Saat AG aus Einbeck wirtschaftliche Vorteile, verkündete Vorstand Dr. Andreas Büchting anlässlich der Vertragsunterzeichnung für die Stiftungsprofessur am 24. November. Die Universität Hohenheim soll im Bereich der Forschung und Lehre auf dem Gebiet der Pflanzenzucht zu einem internationalen „Center of Excellence“ ausgebaut werden. Die natürliche Vielfalt der Pflanzen soll für gezielte Neuzüchtungen beforscht werden. Für die nächsten acht Jahre übernehmen die KWS und die Universität Hohenheim die Kosten für Personal und Sachmittel des Stiftungslehrstuhls. Der Stifterverband fördert die Stiftungsprofessur mit jährlich 15.000 Euro.

Uni Hohenheim, roRo

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