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Gentechnik: Auch unerwünschte Effekte

Landwirtschaft

Gutachten des Öko-Institut zur Genregulation

Werden Genkonstrukte in ein vorhandenes Pflanzengenom eingesetzt, gibt es nicht nur die gewünschten Veränderungen. Es können auch unbeabsichtigte Effekte bei genregulatorischen Vorgängen und Strukturen auftreten,. Das besagt eine jetzt veröffentlichte Studie des Öko-Instituts Freiburg, die im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) durchgeführt wurde. Eine detaillierte Zusammenstellung über unbeabsichtigte Effekte gibt es zur Zeit noch nicht.

Epigenetische Effekte
Epigenetische Effekte sind nicht neu. Der Begriff (epi = über) bezieht sich auf ein neues Dogma der Genetik. Früher gingen die Wissenschaftler davon aus, das für jeweils ein Protein auch ein einziges Gen verantwortlich ist. Ein Blick auf das menschliche Genom aber reicht bereits aus, die Theorie der Genetik erweitern zu müssen. Beim Menschen sind „nur“ etwa 30.000 Gene für 500.000 Proteine verantwortlich. So wird in der Zelle ein Gen mehrfach eingefügt, der Bauplan umgeordnet, Funktionen gelöscht oder Füll-DNS aufgebaut. Umweltanpassungen der Pflanzen resultieren aus epigenetischen Effekten.
So fordert Anhang II der Freisetzungsrichtlinie der EU (623/2002/EG) auch diese Effekte zu bewerten: „Werden zwei oder mehrere Transgene in einen Empfänger übertragen oder wird ein Transgen in einen GVO eingebaut, sind mögliche Wechselwirkungen oder Auswirkungen auf die Steuerungsprozesse zu betrachten.“
Die Studie des Öko-Instituts teilt epigenetische Effekte in „Gene Silence“ und pleiotrope Effekte ein.

Schweigen und Mehrfachwirkung
Beim „Gene Silence“ wird ein Merkmal nicht ausgeprägt und nicht nach den Vererbungsregeln Mendels weiter vererbt. So wurden bei einem Freilandversuch 1990 transgene lachsfarbene Petunien nach einer Hitzewelle wieder blass. Vorher waren noch 92 Prozent der Petunien lachsfarben, nach der Hitzewelle nur noch 37 Prozent. „Die Reduktion des lachsfarbenen Phänotyps konnte auf eine Methylierung des 35S-Promotors nach dem Hitzestress zurück geführt werden.“ Also: Die Hitze hat das Farbgen für die neue Gestaltung chemisch-physikalisch zerstört.
Bei pleiotropen Effekten ist ein Gen für zwei oder mehrere Merkmale zuständig, die nicht voneinander abhängig sind. So wurde bei Kartoffeln einmal die Photosyntheseleistung verbessert. Zusätzlich stellten sich Merkmale der Kleinwüchsigkeit, Verlust der Apikaldominanz, d. h die Unterdrückung der Seitenknospen zugunsten des Spitzentriebes, ein und es bildeten sich mehr kleinere, aber dickere Blätter an der Pflanze. Bei pleiotropen Effekten können sich auch Inhaltsstoffe verändern.

Studie mit Empfehlungen
Das Gutachten führt zahlreiche Beispiele für unbeabsichtigte Effekte bei transgenen Pflanzen an und untersucht in seinem methodischen Teil, welche Möglichkeiten und Entwicklungen es gibt, unbeabsichtigte Effekte aufzuspüren. Das Gutachten gibt Empfehlungen, wie die Risikobewertung transgener Pflanzen verbessert werden könnte und liefert Hinweise zu weiterem Forschungsbedarf.

Lesestoff:
Katja Moch; „Epigenetische Effekte bei transgenen Pflanzen: Auswirkungen auf die Risikobewertung“; Das Skript kann beim BfN bezogen werden: 0228 / 8491-4444 oder als PDF im Internet: www.bfn.de/0502_skriptliste.html

roRo

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