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Getreide: Mehr Top als Flop

Landwirtschaft

Sommergetreide leidet unter schwacher Wurzelentwicklung

Das Frühjahr war nass. Vielerorts standen im Nordosten große Wasserlachen wochenlang auf den Feldern und die Frühjahrssaat hatte Schwierigkeiten ihre Wurzeln in das Erdreich zu bohren, um für den Sommer die Wasserreserven anzuzapfen. „Normalerweise brauche ich zwei Hände, um den Raps aus dem Boden zu reißen“, erklärte ein Bauer aus Mecklenburg-Vorpommern kürzlich zu Herd-und-Hof.de. „Jetzt reicht eine Hand.“ Das Wintergetreide hingegen kann für ein Ernteplus sorgen.

Hagel und Trockenheit
So richtig zufrieden konnten die Bauern bislang nicht sein. Der Südwesten erschien mit Hochwasser und Hagel in den Abendnachrichten, im Norden hat es seit sechs Wochen nicht mehr geregnet. Im Südwesten haben die Kulturen durch die Stürme Schäden erlitten, im Norden fielen nur 15 Prozent der üblichen Mainiederschläge. Jeder Tag ohne Regen, vergrößert die Schäden im Sommergetreide. Die ersten Halme haben sich bereits braun gefärbt. In Deutschland, Dänemark und Polen werden die Ernteausfälle rund zwei Millionen Tonnen betragen, so der Branchendienst Dow Jones.

Im Schnitt mehr Getreide
Mit Blick auf die Getreidehalme teilt Dr. Till Backhaus, Agrarminister aus Mecklenburg-Vorpommern mit: „Die Wintersaat lässt noch auf durchschnittliche Erträge hoffen, die Sommergetreideernte wird voraussichtlich den Erwartungen nicht gerecht.“
Mais ist aufgrund der günstigen Bedingungen zur Aussaat zügig aufgelaufen, kämpft aber derzeit gegen einen hohen Unkrautdruck. Wegen der Trockenheit können die Herbizide nicht ihre Wirkung entfalten.
GetreideBundesweit gesehen hat der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) seine aktuelle Ernteschätzung nach oben korrigiert. Die durch die Trockenheit geringer geschätzten Erträge im Nordosten, kann der Südwesten überkompensieren. Der DRV rechnet mit 46,6 Millionen Tonnen Getreide, was einem Plus von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Das liegt auch daran, dass die Bauern bei den guten Preisen im letzten Jahr ihre Anbauflächen ausgedehnt haben. Die bebaute Fläche wird um rund 100.000 ha nach oben auf 6,97 Millionen ha Getreide korrigiert. Ein Plus von sieben Prozent.
Die Zentrale Markt- und Preisberichtstelle ZMP schätzt, dass 2,3 Millionen Tonnen mehr Weizen, 953.000 t mehr Gerste und 981.000 mehr Roggen geerntet werden könnten als der Sechs-Jahres-Schnitt. Der Trend, die Fläche ausgedehnt zu haben und die bislang bessere Witterung sorgt weltweit für Entspannung. Erstmals seit Jahren könnte wieder mehr angebaut als verbraucht werden, teilte die ZMP mit. Damit hätten die Preise „Luft nach unten“ sagte Getreideexperte Martin Schraa.

Auch Plus in den USA und Indien
Gute Nachrichten gibt es auch aus den USA. Die aktuelle Winterweizenernte des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums korrigiert „Informa Economics“ um fast 100.000 bushel auf 1,848 Milliarden bushel nach oben (ein bushel sind 27,22 kg Weizen). Indien wird in diesem Jahr wohl deutlich weniger Weizen importieren. Gradmesser sind die Aufkäufe der lokalen staatlichen Agenturen von den Farmern. Im letzten Jahr kauften sie 11,1 Millionen Tonnen Weizen, im aktuellen Wirtschaftsjahr haben sie bereits 21,7 Mio. t aufgekauft. Bis Ende Juni werde die 22 Mio. t-Marke überschritten werden, sagte Alok Sinha, Vorsitzender der Food Cooperation of India.

VLE; Foto: roRo

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