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Greening-Kontrolle aus dem All

Landwirtschaft

Ernteerträge und Agrarstrukturen aus dem All erkunden

>Das Julius Kühn-Institut (JKI) ist beim nationalen Copernicus-Vorhaben gleich mit zwei Forschungsprojekten vertreten. Copernicus ist das Europäische Erderkundungs-Projekt, das seit 2012 auch das Programm zur Ermittlung der Vegetation auf drei Ebenen verfolgt: Satelliten ermitteln Daten für eine globale, europäische und lokale Ebene. Für Copernicus fliegen 12 Erdbeobachtungssatelliten im All, die in den nächsten sechs Jahren umfangreiche Daten ermitteln. Copernicus löst das Erdbeobachtungsprogramm GMES (Global Monitoring for Environment and Security) ab. Die Landüberwachung ist eines von sechs Copernicus-Diensten.

Mit den beiden Copernicus-Pilotprojekten „RiflE“ und „Copernicus 4 EFA“ erhält das JKI in Braunschweig umfangreiche neue Daten und kann seine langjährige Expertise im Bereich Fernerkundungsaktivitäten weiter stärken.

RiflE

Im Projekt RiflE (Regionale fernerkundliche Erfassung des aktuellen landwirtschaftlichen Ertragspotenzials) wird zum Beispiel das aktuelle Ertragspotenzial für wichtige landwirtschaftliche Kulturen mit Hilfe von Daten der Satelliten geschätzt. Durch einen kombinierten Ansatz aus Satellitenbildern, aktuellen Witterungsdaten des Deutschen Wetterdienstes und Modellansätzen schätzen die Experten aus dem JKI zunächst den zu erwartenden Ernteertrag teilschlagspezifisch ab. Begonnen wird 2014 mit der Landesfläche von Niedersachsen, um die Qualität der Schätzungen, die Verarbeitungsabläufe und die technischen Anforderungen, die für eine bundesweite Ertragsabschätzung notwendig ist, zu evaluieren. Wenn ab 2015 geeignete Copernicus Satelliten verfügbar sind, wollen die JKI-Wissenschaftler/innen die Daten für das zuständige Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und die Öffentlichkeit auswerten und kostenfrei zur Verfügung stellen. „Das JKI ist schon seit Jahren in zahlreichen Vorbereitungsprojekten für verschiedene Satellitenmissionen aktiv“, sagte Dr. Holger Lilienthal vom JKI-Fachinstitut für Pflanzenbau und Bodenkunde. „Mit dem Copernicus Programm können wir nun die operationelle Auswertung von Satellitendaten für landwirtschaftliche Fragestellungen vorbereiten.“


Copernicus 4 EFA

Das JKI-Fachinstitut für Strategien und Folgenabschätzung will mit den Copernicus Daten die Landwirtschaft im Bereich des sogenannten „Greening“ der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU unterstützen. Das Fachinstitut arbeitet seit mehr als 20 Jahren u. a. an der Quantifizierung von Kleinstrukturen im Agrarraum, wie Feldgehölze, Hecken, Feldsäume oder Kleingewässer. Diese Strukturen befinden sich in der Regel am Rand eines Schlags und sind mittlerweile gut durch bestehende Datenbanken am JKI erfasst. In dem Projekt „Copernicus 4 EFA“ schaut das JKI aus dem All auf den Ackerschlag. Dabei geht es darum, Handlungsoptionen für die Landwirtschaft zu entwickeln. Dazu gehören z. B. Teilflächen in einer Ackerfläche, die weniger ertragreich oder technisch nur schwer zu bewirtschaften sind. Es handelt sich u. a. um trockene Kuppen, arme Sandstandorte, Nassstellen oder ständig wiederkehrende Erosionsrillen. Diese Areale eignen sich aus landwirtschaftlicher Sicht hervorragend für die Einrichtung sogenannter ökologischer Vorrangflächen (Ecological Focus Areas), wie sie die „Greening“-Maßnahmen fordern. „Wir sehen einen großen Bedarf für diese Informationen vor allem in Landschaften mit großen Ackerschlägen wie in Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern. Die für den Landwirt problematischen Teilflächen stellen als ökologische Vorrangflächen so genannte Biotope mit Inselstruktur dar. Wenn die Lage mehrerer dieser „Inseln“ zueinander stimmt, sind sie ein wichtiger Beitrag zum Biotopverbund. Sie tragen damit zum Schutz der Biodiversität in Agrarlandschaften bei“, so Burkhard Golla, der Projektleiter am JKI.

Lesestoff:

Das JKI wird sämtliche Ergebnisse auf seiner Internetseite veröffentlichen: www.jki.bund.de

www.d-copernicus.de

JKI / roRo; Foto: Screenshot Copernikus Land Monitoring

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