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„Grimmiges Gesicht des Klimawandels“

Landwirtschaft

Landwirtschaft in Gesetzen stärker berücksichtigen

Österreich ist nicht Deutschland. Aber was die Landwirte im Alpenland  bedrängt, findet sich regional auch in Deutschland wieder. Franz Titschenbacher, Präsident der Landwirtschaftskammer Steiermark, hat bei der Vorlage des Ernteberichtes in dieser Woche ein Fazit für das Vegetationsjahrs 2020 gezogen: „Der Klimawandel zeigte heuer wieder sein grimmiges Gesicht und stellte unsere Bäuerinnen und Bauern vor große und neue Herausforderungen.“

Wetterkapriolen

Der Januar war im Süden der Steiermark niederschlagsfrei, Februar und März waren überdurchschnittlich zu warm, und zusammen mit dem Mai fiel lediglich die Hälfte an Regen. Ende März und Anfang April schädigten Spätfröste die Obstkulturen, die das warme Wetter zuvor zur schnelleren Wachstumsentwicklung verlockt hatte. Dabei ging der Wasservorrat für die Frostschutzberegnung früh zur Neige.

Der bis dahin fehlende Niederschlag wurde in den Monaten Juni bis August vor allem durch Starkregenereignisse mehr als ausgeglichen. Mais, Kürbis und Hirse konnten dank einer guten Frühjahrsentwicklung der Wucht des Regens widerstehen. Auffallend ist, dass der Boden von Landwirten mit Mulchsaat, Begrünung und Humusaufbau  deutlich mehr Wasser speichern konnte und das Abschwemmen dort reduziert war. Im September wiederum gab es schon wieder 60 Prozent weniger Niederschlag als im Zeitraum 1981 bis 2010.

Die Zeitfenster für nahezu jegliche Bearbeitung werden immer kürzer. Der Klimawandel ist für Titschenbacher zum größten Risiko für die Ernte geworden. In der Steiermark verrechnen sich die entstandenen Schäden auf 26 Millionen Euro durch Frost, vier Millionen Euro durch Dürre und Hagel sowie Überschwemmungen kosteten 15 Millionen Euro. Das sind zusammen 45 Millionen Euro Klimaschaden im Jahr 2020.

Invasive Schädlinge

Steirische Leitkultur ist der Holunder. Das Bundesland ist Weltmarktführer bei der Holundererzeugung. 2020 wurde aber die Hälfte der Erzeugung durch die invasive Kirschessigfliege zerstört und Totalausfälle gefährden nach Kammerdirektor Werner Brugner die Erfüllung langjähriger Lieferverträge. Zu einem Problem entwickelt sich die hochallergene Ambrosia, die auch mit mechanischer Bekämpfung kaum zu stoppen ist. Sie wandert über Infrastrukturflächen und mittels Erdtransporten bei Bauarbeiten immer wieder neu ein.

Kompetenzzentrum Humus

Seit 2019 gibt es in Feldbach, südöstlich von Graz, ein Kompetenzzentrum für Boden-, Humus- und Erosionsschutz. Nach LK-Vizepräsidentin Maria Pein arbeiten 60 Praktiker an dem Generationenthema Humusaufbau. Aber selbst kurzfristig sind Erfolge möglich. Nach einem Jahr Zwischenfrüchte, Begrünung und Belassen der Ernterückstände auf dem Feld kann das Wasseraufnahmevermögen pro Quadratmeter um zwei Liter erhöht werden. Das Ergebnis stammt aus Versuchen auf Flächen in einem 350 Hektar großen Einzugsgebietes eines Baches im Raum Hatzendorf. Insgesamt konnten 7.000 Kubikmeter Wasser  zurückgehalten werden. Das entspricht 300 Lkw-Zügen Wasser, die nach Pein sonst in nur wenigen Minuten zu Erosion und Straßenverschmutzungen führen.

Vorrang Lebensmittelsicherheit

Wie in Deutschland stimmen die Konsumenten für eine stärkere Regionalversorgung. Damit dürfen die Landwirte nicht alleine gelassen werden. Als Lösung schlägt Titschenbacher vor: „Die Selbstversorgung, vorrangig mit wichtigen Lebensmitteln und Rohstoffen, soll in der Bundesverfassung verankert werden.“ Das alleine reicht nicht. Der Zugang zu Wasser für die Landwirtschaft muss in Raumordnungsplanung in den Regionen.

roRo

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