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Grünes Wachstum, neuer Präsident

Landwirtschaft

Grünes Wachstum, neuer Präsident

In Fürstenfeldbruck findet der Bauerntag des Deutschen Bauernverbandes (DBV) statt. Zu Beginn bekannte sich der DBV in der Fürstenfeldbrucker Erklärung zu einem „Grünen Wachstum“ zur Sicherung der Ernährung und Rohstoffversorgung der bald neun Milliarden Menschen.
Der DBV verweist auf die hohen Standards der landwirtschaftlichen Produktion, für die Direktzahlungen gerechtfertigt sind. Deutschland gebe mit der Entkopplung von Zahlungen und Produktion ein gutes Vorbild ab. Die Bauern bräuchten verlässliche Kriterien für Tier-, Natur-, und Umweltstandards. Flächen aus der Produktion zu nehmen sei kontraproduktiv.
Beim Ausbau der erneuerbaren Energie müsse die Balance zwischen Nahrungsmittelerzeugung und Energieproduktion gewahrt bleiben. Der Verbau von Photovoltaikanlagen in einem 110 Meter breiten Streifen entlang der Autobahnen müssten gestoppt werden, um die Flächen weiterhin für die Ackerproduktion nutzen zu können.
Generell müsse es beim Flächenschutz schneller vorangehen. Ansatz ist nach Auffassung des DBV das Baugesetzbuch, das der Innenentwicklung von Städten und Dörfern Vorzug geben muss. Ausgleichsflächen dürfen nicht weiter auf Kosten der produktiven Landwirtschaftsflächen gehen.
Die Fürstenfeldbrucker Erklärung ist ein Bekenntnis zur Tierproduktion, die rund zwei Drittel des bäuerlichen Einkommens trage. Um die Tierproduktion praktikabel zu gestalten dürfen Güllebehälter nicht mit Sicherheitsvorkehrungen wie bei Chemieanlagen versehen werden und der Tierschutz dürfe nicht an der deutschen Grenze stoppen.

Einigkeit bewahren

Die Erklärung ist auch Programm für den Verband und Leitfaden für den neuen Präsidenten. Bei seiner letzten Rede als Bauernpräsident forderte Gerd Sonnleitner die Bauern zu Einigkeit auf: „Ackerbauern wie Schweinemäster, Milchviehhalter wie Geflügelbetriebe, Schaf- und Ziegenzüchter oder Wildtierhalter, konventionelle Betriebe genauso wie Ökobetriebe, alle brauchen den Deutschen Bauernverband!“

In diesem Sinne übernimmt Joachim Rukwied (Bildmitte) die Spitze des DBV und wurde am Mittwoch mit 95,4 Prozent der Stimmen zum neuen Bauernpräsidenten gewählt. Zu Hause betreibt der 50-jährige einen Gemüse- und Weinbaubetrieb in der Nähe von Heilbronn und ist seit 2006 Präsident des Landesbauernverbandes Baden-Württemberg. Vizepräsidenten wurden (v.l.n.r) Werner Hilse aus Niedersachsen, Udo Folgart aus Brandenburg, Norbert Schindler aus Rheinland-Pfalz und Werner Schwarz aus Schleswig-Holstein.

Reaktionen

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner: „Mit Joachim Rukwied kommt ein erfahrener Landwirt mit eigenem Betrieb an die Spitze des Deutschen Bauernverbandes. Er ist wie Gerd Sonnleitner auch ein Mann der klaren Worte. Ich bin sicher, dass Joachim Rukwied die deutschen Bäuerinnen und Bauern in den nächsten Jahren mit Leidenschaft und Erfolg vertreten wird.“
Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bund Ökologische Landwirtschaft: „Rukwied übernimmt die Führung des Bauernverbandes in Zeiten, in denen die gesamte Agrar- und Ernährungswirtschaft vor gewaltigen Herausforderungen steht. Der BÖLW freut sich auf den Austausch mit Präsident Rukwied und wünscht ihm eine glückliche Hand für die Führung des DBV.“ Löwenstein nahm die Wahl zum Anlass, auf die vielen „konkreten Antworten und Strategien auf die Herausforderungen“ des Ökolandbaus auf die zahlreichen Herausforderungen hinzuweisen.
Glückwünsche gibt es auch von Harald Ebner, Sprecher für Agrogentechnik bei den Bundesgrünen, der aus Hohenlohe stammt. „Als Baden-Württemberger freut es mich, dass ein Landsmann künftig die Geschicke des DBV leiten wird. Gerade wir Baden-Württemberger wissen um die Stärken der bäuerlichen Familienbetriebe und das große Potenzial dieser kleinstrukturierten Landwirtschaft für die ökologische Qualitätserzeugung.“ Ebner hofft, dass Rukwied aus seinem Landesverband heraus auch bundesweit die gentechnikfreie Landwirtschaft unterstützen werde und mit den Grünen beim Thema Biopatente an einem Strang ziehe.
Alexander Bonde, Landwirtschaftsminister in Baden-Württemberg: „Ich würde mich sehr darüber freuen, wenn sich der neue Präsident des Deutschen Bauernverbandes konstruktiv in die Debatte um das von der EU-Kommission geplante Greening der Landwirtschaft einschalten würde. Gerade mit Blick auf die harten Verteilungskämpfe um das künftige EU-Budget sollte es unser gemeinsames Anliegen sein, die Direktzahlungen an die Landwirtschaft zu sichern und für deren gesellschaftliche Akzeptanz zu sorgen.“

roRo; Foto: DBV

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