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Guter Lauf für Laufkäfer im Unteren Odertal

Landwirtschaft

Der Kleine Bombardierkäfer im hohen Norden

Der Laufkäfer mit dem Knall: Brachinus explodens
Der Laufkäfer mit dem Knall: Brachinus explodens

In diesem Jahr startete eine dreijährige Untersuchung zur Erfassung von Laufkäferarten im Nationalpark Unteres Odertal. In der ersten Saison konnten die Forscher mehrere Funde neuer Arten verzeichnen, darunter den Bombardierkäfer.

Im Süden des Nationalparks, im Lunow-Stolper Trockenpolder, begann in diesem Jahr eine mehrjährige Erfassung der im Nationalpark vorkommenden Laufkäferarten (Carabidae). Die für drei Jahre geplante Untersuchung führt der ehrenamtliche Entomologe Ingo Scheffler durch. Nach Abschluss der Arbeiten wird der Insektenkundler die Funde mit der umfassenden Erstaufnahme aus dem Jahr 1996 vergleichen.

Die wachsende Vielfalt an unterschiedlichen Lebensräumen im Nationalpark Unteres Odertal könnte, so die Vermutung des Käferspezialisten, einigen speziell angepassten Laufkäferarten ausgezeichnete Lebensgrundlagen bieten. Bedeutsam sind in diesem Zusammenhang die sandigen Ufer des Oderstroms am östlichen Talrand sowie die Trockenrasen und die naturnahen Wälder auf den Anhöhen entlang der Auenniederung.

Im ersten Untersuchungsjahr wurden insgesamt 111 der 204 bisher nachgewiesen Laufkäfer-Arten im unteren Odertal erfasst. Hinzu kommen acht neue Arten, darunter ein für Brandenburg erstmals belegter Laufkäfer Anisodactylus signatus. Von den erfassten Laufkäferarten sind 24 nach den Roten Listen als gefährdet eingestuft, darunter solche, die als Spezialisten sandige Uferflächen von Flussläufen bevorzugen. Unklar ist, wie ein geplanter Oderausbau sich zusätzlich ungünstig auf das seltene Vorkommen dieser Arten auswirkt.

Ein besonderes Exemplar der neuen Nationalparkbewohner ist der Kleine Bombardierkäfer (Brachinus explodens) [Foto]. Bei Gefahr erzeugt er durch den Einsatz von Drüsensekreten in Kombination mit Enzymen eine Knallgasexplosion und schreckt so seine Angreifer ab. Der Nationalparkfund ist vor allem für Brandenburg eine kleine Sensation, da der Käfer besonders trockenwarme Standorte Süddeutschlands bewohnt.

Die beiden kommenden Jahre werden zeigen, ob sich im Artenspektrum der Nasspolder und der Trockenrasen im noch nicht untersuchten Teil des Nationalparks ähnlich Bemerkenswertes nachweisen lässt. Die bisherigen Ergebnisse der Untersuchungen machen Hoffnung, weitere Laufkäferarten im Nationalpark Unteres Odertal zu finden.

MLUK; Foto: Ingo Scheffler

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