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H5N8 alarmiert die Geflügelwirtschaft

Landwirtschaft

ZDG fordert bundesweite Stallpflicht für alle Geflügelbestände

Was Anfang Oktober noch als einzelner Fall begann, hat sich am Wochenende erheblich zugespitzt: Die hochpathogene aviäre Influenza (HPAIV) des Typs H5N8 hat die ersten Nutztierbestände erreicht und greift bei Wildwasservögeln immer weiter um sich.

In der Tierhaltung in Schleswig-Holstein mit mehr als 30.000 Hühnern hat das Keulen des Bestandes begonnen und im Kreis Herzogtum Lauenburg wurde ein weiterer Fall von H5N8 vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) bestätigt. Bestätigt wurde auch ein Fall in einer Hobbyhaltung in Lübeck-Travemünde sowie in einem privaten Nutztierbestand im Landkreis Vorpommern-Geifswald. In Deutschland gibt es mittlerweile in Mecklenburg-Vorpommern, Baden-Württemberg und Bayern hunderte tote Wildwasservögel.

Brandenburg und Sachsen-Anhalt sowie Niedersachsen haben Nutztierhalter bereits aufgefordert, freiwillig ihre Geflügelbestände aufzustallen, in einigen Fällen schon Aufstallverordnungen erlassen.

Das simultane Auftreten von HPAIV H5N8 bei verendeten Wasservögeln ist mittlerweile in fünf europäischen Staaten in Ungarn, Polen, Schweiz, Österreich und Deutschland aufgetreten. Außerhalb Europas hat das Wildvogelmonitoring H5N8 am See Ubsu-Nur in der russischen Republik Tyva festgestellt.

Das Friedrich-Loeffler-Institut geht derzeit von der Hypothese aus, dass das Virus in der wilden Wasservögelpopulation weit verbreitet ist und sich möglicherweise in Eurasien um eine Epidemie handelt. Die ersten Fälle in Deutschland am Bodensee und Plöner See stehen mit dem Vogelzug in Verbindung. Er wird derzeit durch Frost in Skandinavien beschleunigt. Das Virus hat sich möglicherweise verändert, weil es eine hohe Virulenz bei Wasservögeln hat. Daher besteht gegenüber der ersten Einschätzung keine verlässliche Aussage, ob das Virus nicht auch auf den Menschen überspringen kann. Das FLI führt aktuell weitere genetische Analysen des Virus durch.

Die Verstärkung der Biosicherheitsmaßnahmen führt bei Biobetrieben zu Problemen. Hühnermobile sind nicht ausgerichtet, alle Hühner, die vor ihnen im Freilauf unterwegs sind, längere Zeit aufzustallen.  In einem Beispiel müssen sich derzeit 500 Hühner ein 50 Quadratmeter großes Hühnermobil teilen.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium hatte bereits einen Krisenstab einberufen. Der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) hat eine bundesweite Stallpflicht gefordert. „Es geht jetzt vor allem darum, eine weitere Ausbreitung des Vogelgrippe-Virus bestmöglich zu verhindern“, sagt ZDG-Geschäftsführer Dr. Thomas Janning. Die Stallpflicht ist ein wichtiger Baustein der Biosicherheit. Probleme gibt es aber auch in der Gänsehaltung, weil die Tiere meist überwiegend im Freien gehalten werden. Da sei eine Einzelfallprüfung angebracht. Janning erinnert vor allem die Hobby-Halter an ihre Pflichten zur Biosicherheit.

Empfehlungen des FLI:

Umsetzung strenger Biosicherheitsmaßnahmen in allen Geflügelbetrieben

Risikobasierte Einschränkung der Freilandhaltung (Aufstallung) von Geflügel in Regionen mit hoher Wildvogeldichte und in der Nähe von Wildvogelrast- und sammelplätzen

Aufstallung von Zoovögeln soweit möglich, Zugangsbeschränkungen zu Vogelhäusern/Vogelschauen

Keine Kontaktmöglichkeit von Geflügel in Freilandhaltungen mit natürlichen Gewässern

Meldung verendeter oder kranker Wildvögel an die zuständige Veterinärbehörde

Verstärkte Untersuchung von Geflügelhaltungen; bei Hühnervögeln vermehrt klinische Untersuchung, bei Gänsen und Enten PCR-Untersuchungen von kombinierten Rachen- und Kloakenproben

Verstärkte Untersuchung insbesondere von verendeten oder am Wasser lebenden Wildvögeln auf aviäre Influenzaviren (passives und aktives Wildvogelmonitoring, insbesondere über Kotproben aus der Umwelt)

Kein Kontakt von Jägern, die mit Federwild in Berührung gekommen sind, zu Geflügel

Vermeidung des direkten Kontakts von Personen und Haustieren zu toten oder kranken Wildvögeln

Überprüfung der Durchführbarkeit der in den Krisenplänen für den Seuchenfall vorgesehenen Maßnahmen und Aktualisierung der Pläne, soweit erforderlich.

Lesestoff:

Wildvögel mit H5N8 https://herd-und-hof.de/landwirtschaft-/wildvoegel-mit-h5n8-in-europa.html

Zum Krankheitsverlauf: Friedrich-Loeffler-Institut: www.fli.de

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): www.bfr.bund.de

Die Bundesländer haben ihren Agrarministerien Bürgertelefone geschaltet.

roRo

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