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Hilft der Bockert beim Hochwasserschutz?

Landwirtschaft

Hydraulische Wirkung von Biberdämmen

Der Bockert ist fleißig und arbeitsam. So wird Castor fiber in der Fabel dargestellt. Deutschlands größtes Nagetier kann bis zu 20 Jahre alt werden und galt im 19. Jahrhundert als ausgerottet. Heute ist der Biber wieder großflächig da. Seine berühmten und berüchtigten Dämme bergen viel Konfliktpotenzial, wenn der Biber seine eigenen hydrologischen Erfordernisse umsetzt.

Prof. Dr. Volker Zahner und Prof. Dr. Carsten Lorenz vom Institut für Ökologie und Landschaft an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf haben den Biber einmal unter einem neuen Gesichtspunkt betrachtet: Schützen Biberdämme vor Hochwasser?

In Bayern ist der europäische Biber wieder flächendeckend eingewandert. In 30 bis 40 Prozent der Biberreviere stehen Biberdämme, mit denen das Tier sein Zuhause schützt. Die Form der Biberburgen sind unterschiedlich, haben aber eine Gemeinsamkeit: Die Eingänge liegen unter Wasser. Reicht der Wasserspiegel für diesen Schutz nicht aus, bauen die Biber Dämme und stauen das Wasser. Damit greift der Biber tief in seine Umwelt ein.

Weil sich die Fließgeschwindigkeit des Gewässers durch den Biberdamm verringert, breitet sich das Gewässer aus. Es bietet dann viel Platz für Fauna und Flora, ärgert aber Landwirte und dicht an Gewässer stehende Eigenheimbesitzer. Keller und Flur stehen bald unter Wasser.

Die Hydrologen haben herausgefunden, dass der Biber nur an kleinen Fließgewässern seine Burgen und Dämme baut. Diese sind meist weniger als sechs Meter breit und selten mehr als 70 Zentimeter tief. Zudem müssen sie einen Gehölzsaum aufweisen. Der dient dem Biber als Nahrung und Baumaterial. Bei mehr als sieben Prozent Gefälle gibt es keinen Dammbau mehr. Das durch den Damm zurückgehaltene Sedimentvolumen reicht von 42 bis 3.858 Kubikmeter.

Der Abstand zwischen Wasserspiegel und Oberkante Biberdamm wird als Freibord bezeichnet. Dieses Maß entscheidet in Verbindung mit der Biberteichgröße darüber, wie viel anströmendes Wasser aufgenommen und zurückgehalten wird. Die stabilsten Dämme im Bayerischen Wald haben den zehnjährigen Hochwasserereignissen stand gehalten. Mit ansteigender Biberpopulation steigt auch die Zahl der Dämme, jedoch nicht zwangsläufig proportional. Wenn die günstigen Reviere besetzt sind, führt der Populationsdruck zur Besiedelung marginaler, also kleinerer, Gewässer. Das ist vor allem in Oberfranken zu sehen.

Nach 1988, 1999, 2002, 2005 und 2013 gab es in Bayern das fünfte außergewöhnliche Hochwasserereignis. Neben dem „Technischen Hochwasserschutz“ und der „Hochwasservorsorge“ spielt beim Hochwasserschutz auch der „Natürliche Rückhalt“ eine Rolle. Letzteres Ziel kann durchaus durch Bibertätigkeiten erfüllt werden. Die Modellierung in dem von der TU München geführten Projekt „ProNaHo“ wird der natürliche Rückhalt durch die von Biberdämmen verringerte Fließgeschwindigkeit, die durch das Freibord zurückgehaltene Wassermenge und längerfristig durch die Dammstabilität bestimmt. Auch die für andere Lebewesen wichtigen Sedimente reduzieren die Fließgeschwindigkeit des Gewässers. Dabei entsteht noch ein weiterer Effekt: Gestautes Wasser perkoliert in den Boden zur Trinkwasserbildung.

Roland Krieg

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