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Homöopathie statt Antibiotika

Landwirtschaft

Warum Nutztiere nicht auch mit Bachblüten behandeln?

Gelernte Wissenschaftler haben ein Problem: Wenn ein Stoff nicht mehr vorhanden ist, kann er keine Effekte mehr hervorrufen. Doch genau das ist eines der Geheimnisse der Homöopathie. Oder deren schlechtes Image?

Der Arzt Samuel Hahnemann hatte 1796 alternativmedizinische Vorschläge veröffentlicht, die auf dem Grundprinzip beruhen, dass „ähnliches durch Ähnliches“ geheilt werde. Dazu werden homöopathische Heilmittel verdünnt. Sie werden mit gezielten Schlägen der linken Hand potenziert, was die Naturheilkundler Trituration nennen. Am Ende ist der ursprüngliche Stoff nicht mehr vorhanden. Aber deren positiver Effekt, was die „Schulmediziner“ auf die Palme bringt. Auch im Verhältnis Veterinärmedizin und Homöopathie stehen sich beide Seiten kritisch gegenüber. Dennoch bieten die Landwirtschaftskammern seit vielen Jahren Kurse für homöopathische Behandlungen von Nutztieren an. Gut besuchte Kurse und Seminare, so dass die Landwirtschaftskammer Niedersachsen zusammen mit der gelernten Tierheilprakterin Birgit Gnadl auf der Eurotier ein DLG-Informationsforum veranstalteten.

Verzicht auf Antibiotika

Birgit Gnadl hat auf ihrem Fleckvieh-Bauernhof Nutzungszeiten von 6,5 Jahren und eine Jahresleistung von über 7.500 Kilo Milch. Seit mehr als 20 Jahren hat sie keine Antibiotika auf dem Hof einsetzen müssen. „Die Homöopathie ist eine Erfahrungsmedizin und keine Wissenschaft“, sagt Gnadl. Aber auch die Landwirtschaft ist ein Erfahrungsberuf. Kühe werden meist mit Antibiotika behandelt. Die Milch darf nicht verwendet, muss aber gemolken werden. So fallen in Deutschland jährlich rund 500 Millionen Tonnen Hemmstoffmilch im Wert von 125 Millionen Euro an, rechnet Gnadl bei einem Erzeugerpreis von 25 Cent vor.

Sie nutzt hauptsächlich zwei Pflanzenerzeugnisse. Aconitum, auch als Eisenhut bekannt wirke gegen Stress bei Transporten oder Krankheiten. Erhöht sich die Zellzahl in der Milch, hat das Immunsystem Stress. Das Mittel wird prophylaktisch am Futterautomaten oder noch manuell vor den Schleimhäuten vernebelt. Darüber gelangen sie zum Immunsystem.

Ein zweites wichtiges Mittel ist Arnica bei Quetschungen und Unfällen, was den Schmerz sofort lindert. Mit einem homöopathischen Mittel können Kühe auch trockengestellt werden. In der Regel werden dazu Antibiotika genutzt.

Die Homöopathie ist nicht gegen Antibiotika, betont Gnadl. Nur sollten diese wichtigen Arzneien ausschließlich bei Lebensgefahr angewandt werden. Sonst, wie die tägliche Erfahrung im Stall und Krankenhaus zeigt, wirken sie nicht mehr. So sollten die Bauern bei schwerer E.coli-Mastitis auf jeden Fall auch Antibiotika einsetzen.

Auf dem Weg zur Akademie

Die Kurse und Seminare werden nicht von Betriebsleitern ökologischer Betriebe besucht, erklärt Heino Martens von der LWK Niedersachsen im Gespräch mit Herd-und-Hof.de. 99 Prozent der Besucher haben einen konventionellen Hof zu Hause. Aber 98 Prozent der Seminarteilnehmer sind weiblich.

Die Naturheilkunde ist bei Menschen und Haustieren sowie Pferden anerkannt. Bei Nutztieren nicht. Näheres regelt das Arzneimittelgesetz, das nach Martens dringend bezüglich der Homöopathie modernisiert werden sollte. So sind „Nasoden“, Arzneimittel aus Krankheitserregern, verboten, die Phytomedizin hingegen erlaubt. Schüssler Salze dürfen bei Rind, Schwein und Huhn nicht eingesetzt werden, die aktuell bei Sportlern zu sehenden Tapebänder hingegen helfen schon mancher Kuh. Die Bachblütentherapie darf nur bei Schweinen eingesetzt werden, wenn die Mittel über die Luft versprüht werden.

Das Regelwerk ist nicht einheitlich. Martens will eine Akademie gründen, in der Veterinäre und Tierheilkundler gemeinsam Alternativen zur klassischen Behandlung erproben. Martens verweist auf „Leuchtturmbetriebe“, die mit Komplexmitteln erfolgreich schwere Mastitis behandeln konnten und für Ratsuchende den Blick in die Praxis der Naturheilkunde bieten. Es gibt Betriebe, die mit ihrem klassischen Medizin-Latein am Ende sind und Herdenerkrankungen auf anderen Wegen beseitigen wollen.

Die Nachfrage ist da und die Landwirtschaftskammern bieten gerade in der kommenden Winterzeit zahlreiche Seminare an. Betriebe, die seit vier, fünf Jahren auf die Naturheilkunde setzen, sparen bis zu 30 Prozent ihrer Gesundheitskosten.

Wer sich einmal mit Naturheilkunde beschäftigt hat, findet nicht nur Skepsis und Mystik. Wer sich nicht in Ideologie verliert, der findet vielleicht manchen Trick und Hinweis, der nicht von der Hand zu weisen ist. So soll gegen Flechte ein fauler Apfel helfen. Bei seinem Fäulnisprozess entstehen, ganz wissenschaftlich, pilztötende Enzyme.

Lesestoff:

www.lwk-niedersachsen.de

Roland Krieg

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