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Honig für Prinz Charles

Landwirtschaft

Imkerverbände unterstützen Prinz Charles

Prince Charles führt sein landwirtschaftliches Anwesen Highgrove in Gloustershire nach ökologischen Maßstäben. Der mögliche Thronnachfolger im englischen Königshaus nimmt daher auch eine prominente Stelle ein, den Ökolandbau zu propagieren. Im August hat er die englische Öffentlichkeit mit Äußerungen zur Gentechnik in Wallung versetzt und die europäischen und deutschen Imker zu einer Solidaritätsadresse veranlasst, ihm Honig als Unterstützung zuzusenden.

Katastrophenwarnung vom Thronfolger
Der Prinz sagte in einem Interview mit dem Daily Telegraph, dass die Firmen die gentechnisch veränderte Pflanzen entwickeln, dass „größte Umweltdesaster aller Zeiten“ hervorrufen. Die Agro-Gentechnik sei ein Experiment, welches auf das Ernsteste schief laufe und den Boden zerstöre. Die zukünftige Entwicklung würde darauf hinaus laufen, das Millionen von Bauern ihr Land verlassen müssten. „Wenn die Firmen glauben, dass das der richtige Weg ist, werden am Ende weltweit Millionen von Bauern ihr Land verlassen und in unproduktive, nicht zu bearbeitende, degradierte und nicht funktionierende Stadtrandgebiete von unvorstellbarer Ödnis ziehen“, sagte Charles. Der Rest gehöre dann den multinationalen Firmen, die Massenware herstellen. Die Ernährungsdiskussion solle um Nahrungssicherheit und nicht um Nahrungsproduktion geführt werden.

Freigabe von Versuchen
Dr. Julian Little, Vorsitzender des Agricultural Biotechnology Council zeigte sich gegenüber der BBC “enttäuscht” ob des Prinzen Kommentar. „Gerade in der Zeit steigenden Bedarfs an Energie und Nahrung und angesichts der Herausforderungen in der Umwelt, brauchen wir neue Wege, die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren“, so Dr. Little.
Hintergrund der Äußerungen von Prinz Charles sind offenbar die seit 2000 forcierten Freisetzungsgenehmigungen Englands. Im Juni sagte Umweltminister Phil Woolas, dass die Regierung bereit sei, die wachsende Bedeutung der Biotechnologie zu unterstützen.

Right or wrong?
Wissenschaftler wie Andy Coghlan im New Scientist sehen in der neuerlichen Fokussierung Richtiges und Falsches . Im April hatte die „International Assessment of Agricultural Knowledge, Science and Technology for Development (IAASTD) bereits die Vorarbeit für den Prinzen geleistet. Die armen Kleinbauern sind die treibende Kraft, um das Ungleichgewicht zwischen Arm und Reich zu nivellieren, die Wälder und natürlichen Ressourcen zu bewahren und sich aus der Armut herauszuführen. So gesehen sei die Kritik von Prinz Charles richtig, den Fokus auf multinationale Konzerne und internationale Supermarktketten zu legen, die ihre Dominanz auf den Lebensmittelmärkten behaupten.
Falsch allerdings liege der Prinz, wenn er der Gentechnik den Anspruch nachsage, sie wolle als Allheilmittel den künftigen Herausforderungen begegnen. Hingegen zeigen zahllose Projekte, dass die Überwindung der Armut oftmals daran scheitert, dass den Kleinbauern Transportwege zum Marktanschluss fehlten. Infrastruktur und politische Rahmenbedingungen schafften mehr Ernährungssicherheit als die Steigerung der Produktivität und – die Gentechnik.
Die vom Prinzen herbeigeführten Beispiele aus Indien, dass gentechnisch veränderte Pflanzen Schuld am sinkenden Grundwasserspiegel tragen, seien falsch, so Coghlan. Schon vor dem Anbau der neuen Pflanzen hätten die reicheren Bauern mit kraftvollen Generatoren den Grundwasserspiegel für ihre Produktion konventioneller Pflanzen abgesenkt. Richtig hingegen sei der damit verbundene Hinweis, dass die Grundwasserübernutzung eine Folge der intensiveren Anbaustrukturen sei.
Daher sei zu überdenken, inwieweit die Extensivierung der europäischen Landbewirtschaftung nicht eine Intensivierung in andern Teilen der Welt hervorrufen könnte, die in ihren Auswirkungen größere Umweltschäden hervorrufe als bisher.

Honig für den Prinzen
Als Reaktion auf das Interview des Prinzen gegen „Gentechnik und den Exzessen der industriellen Landwirtschaft“ wollen europäische und deutsche Imker ihre Unterstützung bezeugen, indem sie dem Prinzen ein Glas Honig zukommen lassen. Der Prinz spreche sich klar für eine bäuerliche und ökologische Landwirtschaft aus und sehe in der Gentechnik „ein unkalkulierbares Risiko“, teilte Walter Haefeker, Vorstand des Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbundes und Präsident des Europäischen Berufsimkerbunds, am Sonntag mit. Die Aussagen des Prinzen deckten sich mit den Beobachtungen der Imker. Die Aktion, dem Thronfolger ein Glas Honig zuzusenden, sei mit den Mitarbeitern Prinz Charles´ abgesprochen. Dieser freue sich, der Presse den zugesandten Honig präsentieren zu können.

Lesestoff:
An welche Adresse der Honig geschickt werden soll und das passende Begleitschreiben sind im Netz auf www.mellifera.de hinterlegt.
Das Interview mit dem Daily Telegraph können Sie im Original anschauen: www.telegraph.co.uk/telegraph/telegraphtv/tvplayer/?ID=News&bcpid=1452232298&bclid=1452257940&bctid=1726720198
Die Studie des IAASTD finden Sie unter www.agassessment.org
Den Kommentar von Andy Coghlan unter www.newscientist.com/article.ns?id=dn14530&print=true

VLE

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