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Hybridgetreide für den Grenzertragsstandort

Landwirtschaft

HySeed-Programm der Saaten-Union

Hybridgetreide nutzt den so genannten Heterosis-Effekt der Nachkommengeneration, einmalig über der jeweiligen Elternleistung zu liegen. In der zweiten Generation geht dieser Effekt wieder verloren. Hybridgetreide hat sich vor allem in Frankreich, aber zum Teil auch in Deutschland wegen des Wurzelwachstums mit größerer Nutzung für Nährstoffe und Wasser sowie der Addition von Resistenzneigungen beider Eltern zu einem Gewinner auf Grenzertragsstandorten erwiesen. Die Weiterentwicklung von Hybridgetreide steht bei der Saaten-Union unter dem Motto „Mission Wachstum“. Hybridroggen erzielt im Durchschnitt 20 Prozent mehr Kornertrag als Linien- oder Populationsroggen. Die besten Hybridweizen erzielen 118 dt/ha und damit im Durchschnitt 9,3 Prozent mehr als der Standardweizen, berichtet Hybridzüchter Dr. Mario Gils von dem Saatgutzüchter auf den DLG-Feldtagen. Hybridgetreide gilt als stresstolerant und wird gerne als Versicherung auf Grenzertragsböden verkauft. Das Getreide erzielt eine höhere Biomasse und einen größeren Wurzelapparat. Doch während in Frankreich vier Prozent der Getreidefläche mit Hybridgetreide bebaut werden, kommt Deutschland aktuell nur auf 0,4 Prozent.

Das liegt vor allem am Preis. Allein um die Mehrkosten für das Saatgut zu kompensieren, muss der Hybridweizen 6 bis 8 dt/ha Mehrertrag erwirtschaften. Landwirt Jost von Freier ist mit seinem Hybridweizen zufrieden. Bei Trockenheit und ohne Beregnung erzielt er 75 dt/ha gegenüber konventionellem Vergleichsweizen mit 60 dt/ha. Er sät mit 110 bis 125 Körner pro Quadratmeter, erkennt das große Potenzial und will bei Hybridweizen bleiben. Standardweizen wird mit 250 Körner pro Quadratmeter gedrillt.

Neben der dünnen Saat hilft auch eine frühe Saat dem Hybridgetreide. In der Bestockungsphase schafft er den Ausgleich zum konventionellen Weizen und erreicht bei dünner Saat die gleiche Zahl an ährentragenden Halmen pro Quadratmeter.

Die Vereinzelungstechnik kann bei der Aussaat, den benötigten Saatgutbedarf noch mehr reduzieren und den Pflanzen einen optimaleren Standplatz zuordnen. Dabei wird am Säschar eine Vereinzelungscheibe angebaut. So lässt sich auch Hybridgetreide weiter vereinzeln, ohne das die Zahl der ährentragenden Halme zurückgeht. Zusammen mit dem Landmaschinenhersteller Horsch arbeitet die Saaten-Union in einem entsprechenden Projekt. Niklas Beimgraben-Timm stellte die Ergebnisse aus den ersten beiden Jahren vor.

Allerdings: Auch hier müssen die Landwirte rechnen. Wie viel Mehrertrag die Kosten für die Vereinzelungstechnik notwendig wird, steht noch nicht fest, muss aber zum Mehraufwand für das Saatgut berücksichtigt werden.

Ökonomisch ist Hybridsaatgut also noch nicht der Durchbruch gelungen. Das könnte sich ändern, denn Gils hat mit Hyvento den ersten A-Weizen als Hybrid gefunden. Kornertrag und Proteingehalt sind negativ korreliert und die Züchter müssen sich für eine der Zuchtrichtungen entscheiden. „Hyvento“ ist hingegen der „Korrelationsbrecher“ und hat sowohl Kornertrag und Protein gesteigert, so dass er als A-Weizen vermarktet wird. Warum das so ist, wissen die Züchter allerdings noch nicht. Über das Forschungsprogramm HySeed hat die Saaten-Union im Herbst 2017 den ersten Hybridgerste auf den Markt gebracht.

Roland Krieg

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