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IARC veröffentlicht Monographie über Glyphosat

Landwirtschaft

Monographie über Glyphosat von IARC veröffentlicht

Die knackigen Aussagen kommen zum Schluss auf Seite 78. Vor der umfangreichen Literaturliste. Sie werden die Diskussion um Glyphosat nicht beenden. Am Mittwoch hat die „International Agency for Research and Cancer“ (IARC) die mit Spannung erwartete Monographie, die wissenschaftliche Abhandlung eines einzigen Themas, über das Pflanzenschutzmittel Glyphosat veröffentlicht, das seit Jahren und zuletzt im Bundestag [1] heftig umstritten ist. Die Einstufung des Mittels „als wahrscheinlich krebserzeugend“ im März dieses Jahres konnte beispielsweise das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nicht endgültig nachvollziehen. Bis dahin galt es als nicht krebserzeugend und die im Journal „The Lancet“ veröffentlichten Belege für eine fundierte Aussage waren zu wenig. Umso mehr sprangen Nichtregierungsorganisationen auf die Kategorisierung A2 ein und forderten einen sofortigen Stopp von Glyphosat. Angegriffen wurde vor allem das BfR direkt mit dem Vorwurf, die Belege der IARC-Studie in seiner Risikobewertung an die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) nicht berücksichtigt zu haben. Das hatte das Institut nach Veröffentlichung im „Lancet“ bereits von sich gewiesen und ebenfalls diesen Mittwoch noch einmal wiederholt. Im Besonderen ging es um eine 2-Jahres-Studie an Mäusen, denen außergewöhnlich hohe Glyphosat-Dosen verabreicht wurden.

„Gefährdung“ und „Risiko“

Die Monographie des IARC legt dar: „Es gibt einen eingeschränkten Hinweis auf kanzerogene Effekte beim Menschen. Es gibt ausreichende Belege für kanzerogene Effekte bei Versuchstieren. Glyphosat ist möglicherweise kanzerogen beim Menschen (A2).“ Die Exposition gegenüber dem Wirkstoff ist gentoxisch und kann oxidativen Stress hervorrufen.

Die Definitionen von „Gefahr“ und „Risiko“ werden von Wissenschaftlern und Laien unterschiedlich festgelegt. So enthält der Fliegenpilz eine für Menschen giftige Substanz. Solange er nicht verzehrt wird, geht von ihm „nur“ eine Gefährdung aus. Auf dem Teller hingegen übt er auch ein Risiko aus, den Menschen zu vergiften. Rechnen Mathematiker die Wahrscheinlichkeit aus, wie oft der Fliegenpilz irrtümlich im Sammelkorb landet und anschließend verspeist wird, sprechen sie von der Wahrscheinlichkeit der Aufnahme, also der Exposition.

Das ist auch der Unterschied zwischen IARC und BfR. Das Berliner Institut führt die Risikobewertung durch. Das IARC identifiziert die Krebs“gefahr“ „auch dann, wenn bei der aktuellen Exposition die Risiken sehr gering sind.“ So steht es in der Präambel der IARC-Arbeit.

Darauf verweist auch die Arbeitsgemeinschaft Glyphosat aus Frankfurt (AGG), die in der Veröffentlichung der Monographie „kaum praktische Relevanz für die Bewertung als Pflanzenschutzmittel“ sieht. „Wir gehen davon aus, dass die Zulassungsbehörden, die in aller Welt übereinstimmend der IARC-Einschätzung widersprechen, die Ergebnisse sorgfältig prüfen werden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird sich dabei zeigen: Die Klassifizierung hat wenig bis keine praktische Relevanz für die Bewertung möglicher Risiken, die mit dem Einsatz von Glyphosat in der Landwirtschaft verbunden sind. Dies hängt mit den fundamental unterschiedlichen Herangehensweisen zusammen, da der Auftrag der IARC ausdrücklich nicht die Risikobewertung ist, sondern allein die Identifikation möglicher Gefahren“, sagt AGG-Sprecherin Ursula Lüttmer-Ouazane. Sie wirft der IARC vor, die Einteilung nicht bereits im März deutlicher herausgehoben zu haben. Dann wäre im Gegenzug auch klar gewesen, was die Klassifizierung nicht bedeutet.

Die Einteilung in die Klasse 2A, die jetzt in der Monographie mit vielen Studien ausführlich belegt ist, findet auch statt, wenn es beim Menschen nur eine mangelhafte Beweislage für die Kanzerogenität gibt, bei Versuchstieren jedoch sicher ist.

Beendet ist die Debatte damit allerdings nicht.

Lesestoff:

[1] Glyphosat im Bundestag

Roland Krieg

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