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12 Meter Wachstum pro Jahr

Landwirtschaft

Cirsium arvense als Problemunkraut im Ökolandbau

> Die Acker-Kratzdistel kennen die meisten Menschen als rotlila-blühender Korbblütler (Asteraceae). In seinem Habitus ist die Pflanze oft sehr eindeutig zu erkennen und beim Barfußlaufen über die Wiese auch wohlig-unbequem bekannt: Die Blattränder sind weich bis stachelig gezähnt mit einer behaarten Unterseite. Richtig derb-stachelig sind die Primärblätter der Pflanze, die bis zu 150 cm groß werden kann. Die Blütezeit beginnt jetzt und dauert bis Oktober. Der Samen bleibt bis zu 20 Jahre keimfähig und stellt damit die Landwirtschaft vor ein Problem. Die Acker-Kratzdistel ist sehr hartnäckig im Bestand und nur schwer dauerhaft zu beseitigen, denn sie konkurriert mit den eigentlichen Nutzpflanzen um Wasser und Nährstoffe aus dem Boden. Die Wurzeln der Pflanze können bis zu 12 Meter pro Jahr wachsen und treiben vor allem unterhalb der Pflugsohle in alle Richtungen aus. Das hat auch Vorteile, denn die intensive Bewurzelung lockert durchaus den Boden auf. Allerdings verschleppen Bodenbearbeitungsgeräte Wurzelstücke bis zu 5 Meter. Und 5 mm kleine Stücke reichen bereits auf, neu auszutreiben. Diese vegetative Fortpflanzung zieht die Acker-Kratzdistel vor. Allerdings kann sie auch generativ mit bis zu 5000 Samen pro Pflanze gut und schnell neue Standorte für sich besiedeln.

Problem der Extensivierung?
Die Acker-Kratzdistel ist eine Pflanze die sich gerade im ökologischen und extensiven Anbau auszubreiten vermag. Die Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA) hat in einem neuen Faltblatt drei Gründe benannt:
1. vereinfachte Fruchtfolge bei zunehmenden Getreide- und abnehmenden Feldfutteranbaus
2. langsame Jugendentwicklung und später Bestandsschluss der Kulturen durch schwache Stickstoffanlieferung
3. teilweise veränderte oder vereinfachte Bodenbearbeitung

Matthias Wichmann vom Umweltforschungszentrum (UFZ) hatte bereits vor einigen Jahren untersucht, dass auch die Acker-Kratzdistel zu den Arten gehört, die eine starke Neubesiedlung oder einen Dominanzgewinn zeigt. Der Untersuchung diente ein mit Galloway-Rindern genutztes extensive Weidegebiet am Gülper See in Westbrandenburg und sollte Ursachen für die Dominanz herausfinden. Die Acker-Kratzdistel fand sich nach aufwändigen Zählungen vor allem auf unbeweideten Flächen. Dort nahm die Pflanzenpopulation stärker zu als auf den beweideten. ?Die Zunahme ist also nicht als Folge der Gallowaybewirtschaftung erklärbar.? (in: Naturschutz und Landschaftspflege in Brandenburg 9 (1) 2000, S. 23 ? 32).
Der Wechsel des Wasserhaushalts zwischen trockenen und Überschwemmungsjahren scheint einen stärkeren Einfluss auf die überflutungsempfindliche Ackerdistel gehabt zu haben.

Direkte und Indirekte Maßnahmen
Auf Ackerflächen kann bei der Regulierung die Biologie der Pflanze berücksichtigt werden. Als direkte Maßnahme können einzelne Pflanzen jetzt noch vor der Blüte gezogen oder gestochen werden. Da ist der Reservevorrat an Nährstoffen in der Wurzel am geringsten. Ein Neuaustrieb wird dadurch erschwert. Als Indirekte Maßnahme sollen Sorten angebaut werden, die nicht nur den betriebswirtschaftlichen Zwängen unterliegen, sondern eben auch der Pflege des Bodens: Sorten, die den Boden schnell und intensiv beschatten, da die Distel sehr lichtempfindlich reagiert und in ihrer Entwicklung gehindert wird. Vor Einsaat einer Zwischenfrucht kann mit Mulchen oder Mähen in der Stoppelbearbeitung ebenfalls die Regenrationskraft der Wurzeln für das nächste Frühjahr gemindert werden. Das BBA empfiehlt besonders für Viehbetriebe den mehrjährigen Anbau von Klee- und Luzernegras, sowie tiefwurzelnde Lupinen: Die beschatten den Boden nicht nur schnell, sondern schneiden der Acker-Kratzdistel durch ihre starke Konkurrenzkraft die Wasser- und Nährstoffversorgung aus tieferen Bodenschichten ab. Da die Distel unterhalb der Pflugsohle nahezu ungehindert wachsen kann, sind, so das BBA, dauerhafte Bekämpfungserfolge nur durch die Kombination verschiedener Kultur- und Bearbeitungsmaßnahmen zu erreichen. Und das mehrere Jahre hintereinander.

VLE

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