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Im Rausch der Bioenergie

Landwirtschaft

Basisinformationen BtL

Bioenergie ist das Multitalent, dem zur Zeit alles zugetraut wird. Die Branche wartet mit einer erheblichen Bilanz auf. Im vergangenen Jahr wurden 2,55 Mrd. Euro in neue Anlagen investiert, ein Gesamtumsatz von 5,85 Mrd. Euro erzielt und besitzen schon 500.000 Haushalte Holzpelletheizungen. 56.500 Beschäftigte erarbeiten folgende Leistungsdaten:

Bilanzen 2005

Erzeugte Menge

Anteil am Verbrauch

Strom

13,1 Mrd. kWh

2,2 %

Wärme

76,5 Mrd. kWh

5,1 %

Kraftstoff

1,7 Mrd. Liter

3,4 %

www.unendlich-viel-energie.de

Im letzten Jahr wurden 36 Millionen Tonnen Kohlendioxid eingespart, was bis 2020 verdreifacht werden soll. Dann sollen 120.000 Menschen in dieser Wachstumsbranche Arbeit haben. Weitere Branchenziele: Investitionen im Stromsektor in Höhe von 10 Milliarden und im Bereich Wärme und Kraftstoff 16 Mrd. Euro bis 2012.

Geschichte BtL-Kraftstoff
Der Kraftstoff, der sehr viel Kompetenz bündelt, und den es zur Zeit noch nicht auf dem Markt gibt, entsteht aus einem Prozess, der die Schritte Vergasung, Gasreinigung und Synthese beinhaltet. Das Basisverfahren geht auf die deutschen Chemiker Franz Fischer und Hans Tropsch zurück, die in Mühlheim an der Ruhr 1925 das großtechnische Verfahren entwickelt haben, aus dem hergestellten Synthesegas flüssige Kohlenwasserstoffe herzustellen. Die Ruhrchemie AG begann die Fischer-Tropsch-Synthese ab 1934 anzuwenden. Fossiles Erdöl hat dem Verfahren in der Folgezeit seinen Rang abgelaufen und dient bis heute als Kohlenwasserstoffquelle, die allerdings nach ihrer Ausbeutung nicht mehr weiter zur Verfügung steht.
Bezeichnenderweise hat Südafrika die „BtL“-Technik für sich entdeckt und weiter entwickelt, denn zur Zeit des Apartheidregimes musste sich das Land an der südlichen Spitze Afrikas eigene Energiequellen erschließen, die durch den Boykott weniger sprudelten. Die South African Synthetic Oil (Sasol) ist mittlerweile ein transnationales Unternehmen mit rund 30.000 Beschäftigten.

Herstellung BtL
Bei der Herstellung des BtL-Kraftstoffe geht es primär um den Kohlenstoff aus der Biomasse. Pflanzen weisen aber eine komplexe molekulare Struktur auf, die für eine standardisierte Verwendung nach Prinzip BtL-ProzessVerflüssigung nicht ohne weiteres Verwendung finden kann. Daher muss die zugeführte Biomasse deutlich verändert werden. Außerdem wirken Stickstoff, Sauerstoff und Schwefel, die für das biologische Leben wichtige Substanzen sind, bei Verbrennungsprozessen in Motoren störend und erzeugen unerwünschte Abgasemissionen.
Das ist auch der Grund, warum im Rahmen der BtL-Technik zwar im Plural von der Biomasse als Ausgangsstoff gesprochen wird, zur Zeit aber in den Pilotanlagen überwiegend Holz verwendet wird: Holz noch am Besten zum aktuellen Prozess.
ie komplexen Moleküle der Biomasse werden bei hohen Temperaturen und unter Druck in ihre Bestandteile zerlegt. Dazu wird ein Vergasungsmittel, wie beispielsweise Sauerstoff zugeführt. Dadurch wird das Synthesegas erzeugt, dass noch gereinigt und aufbereitet werden muss. Aus den Bestandteilen CO und H2 entsteht dann der Kraftstoff, der den Eigenschaften von Diesel- oder Ottokraftstoff entspricht und daher Verwendung findet, ohne die Motoren verändern zu müssen.
Der Herstellungsprozess und die Aufbereitung kann so gesteuert werden, dass die BtL-Produkte neuen Motorenkonzepten angepasst werden können.
Rund 50 Prozent der eingesetzten Biomasse können in der Anlage in BtL-Kraftstoff umgewandelt werden.

Geeignete Biomasse
Verwendbar ist alles: Traditionelles Holz, Schnellwuchsholz in Kurzumtriebsplantagen, Stroh, organische Abfälle wie Gülle, aber auch ganze Energiepflanzen. Dr. Andreas Schütte, Geschäftsführer der Fachagentur nachwachsende Rohstoffe (FNR) sagte gestern in Berlin, dass der Vergasungsprozess in der Anlage abhängig von der verwendeten Biomasse eingestellt werden kann und daher das gesamte Spektrum Verwendung finden könnte. Aber das technologische Problem bleibt die Zuführung unterschiedlicher Ausgangsbiomassen in einen Druckbehälter. Das sei eine der Fragen, die in den nächsten Jahren noch geklärt werden müsste. Eine „einstufige Multifeedanlage“ werde es wohl nicht geben.
Wechsel der Kraftstoffgenerationen
Bis 2020 soll rund ein Viertel des heutigen Kraftstoffbedarfes durch BtL ersetzt werden können. Die Zahlen sind so optimistisch, weil gegenüber den Kraftstoffen aus der ersten Generation die Ausbeute von einem Hektar Land deutlich größer ist.
So erzielt ein Hektar Raps heute rund 1.500 Liter Biodiesel und entspricht der Menge von 1.420 Liter konventionellem Diesel. Energiepflanzen für die BtL-Technik hingegen kommen auf einen Ausstoß von 4.030 Liter je Hektar, was dem Energiegehalt von 3.910 Liter Diesel entspräche.
Seit gestern treffen sich internationale Experten zum zweiten BtL-Kongress in Berlin.

roRo
Grafiken: FNR

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