Im Regen stehen

Landwirtschaft

Eine Million Hektar Weizen noch auf dem Feld

> Witterungsbedingt stehen immer noch rund 20 Prozent des Getreides auf den Feldern. Für viele Landwirte ist die Ernte also noch nicht beendet, berichtet der Deutsche Bauernverband (DBV) in seinem aktuellen Erntebericht. Anhand der bisherigen Ertragsschätzungen werden die Bauern vermutlich eine Getreideernte von etwa 45 Millionen Tonnen einfahren und somit 12 Prozent weniger gegenüber der Rekordernte aus dem letzten Jahr. Insgesamt sei die Ernte 2005 eher enttäuschend ausgefallen. Die Bauern mussten das Getreide regelrecht vom Feld stehlen. Mit 6,5 Tonnen pro Hektar läge der Durchschnittsertrag knapp unter dem langjährigen Mittel.

Sommergerste sehr schlecht
Am schlechtesten sieht es bei der Sommergerste aus. Der Ertrag liegt fast 15 Prozent unter dem Vorjahresergebnis. Durch die Hitze und Trockenheit Ende Juni fehlte der Gerste in der wichtigsten Phase der Kornfüllung das Wasser, so dass sie auf Grund des zu geringen Vollkornanteils vielerorts nicht mehr als Brauware vermarktet wird und in den Futtertrog wandert.
Bei Roggen wurden in diesem Jahr nicht einmal drei Millionen Tonnen geerntet. Sonst waren es immer vier. Der Roggen hat erheblich unter der Witterung gelitten, so dass der DBV mit einem Minderertrag von fast 18 Prozent gegenüber 2004 rechnet. Anhaltender Regen führte in einigen Regionen zu erheblichen Qualitätsverlusten und die Körner begannen bereits in der Ähre zu keimen. Dieser Roggen kann nicht mehr als Brotgetreide verwendet werden.
Demgegenüber ist backfähiger Weizen aber vorhanden, stellt Bauernpräsident Gert Sonnleitner fest. Allerdings müssten die Mühlen dafür etwas höhere Preise bezahlen. Brot und Brötchen dürften dadurch aber nicht teurer werden, da der Erlösanteil des Getreides im Brötchen bei 0,5 Prozent liegt. Gegenteilige Meldungen hatte bereits die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen als Unfug bezeichnet (Herd-und-Hof.de vom 18.08.2005).

Raps mit guten Nachrichten
Vergleichsweise positiv sind die Perspektiven bei Raps, da der Absatz von Biodiesel, dem wichtigsten Verwendungsprodukt von Raps, weiterhin um 50 Prozent pro Jahr steigt. Mit der diesjährigen Ernte von etwa 4,7 Millionen Tonnen wird das Rekordergebnis aus dem Vorjahr (5,3 Mio. t) zwar nicht erreicht, aber mit 36 dz/ha liegt der Ertrag über dem langjährigen Mittel. Der Mais hat seinen Entwicklungsrückstand aus dem Frühjahr durch das warme Wetter Ende Juni und Anfang Juli und die nachfolgend reichlichen Niederschläge meist wettgemacht.

Obst und Gemüse
Bei Äpfeln dürfte die Vorjahresernte wieder erreicht werden, während hingegen Birnen und Steinobst geringe ausfallen. Bei Süßkirschen haben Spätfröste während der Blüte die Ernte dezimiert und auch bei Sauerkirschen ist mit 40 Prozent weniger Ertrag mit einer knappen Ernte zu rechnen. Für Beerenobst erwartet der DBV eine überdurchschnittliche Ernte.
Der Anbau von Freilandgemüse ist in diesem Jahr leicht eingeschränkt worden. Sehr niedrige Erlöse in 2004 für Zwiebeln und Kopfkohl haben die Bauern, deutlich weniger anbauen lassen. Die feuchte Witterung kommt vor allem dem Blattgemüse zu Gute.

roRo

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