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Immen in Not?

Landwirtschaft

Gesunde Bienen sind Thema der Grünen Woche

>Anfang Februar 2005 ist aus dem Runden Tisch "Imker - Landwirtschaft - Industrie" der Beirat Bienenmonitoring hervorgegangen, der bei 1.500 Bienenvölkern untersuchen möchte, warum es zu Völkerverlusten kommt. Neben allen deutschen Bieneninstituten und der Industrie, nehmen auch die Imkerverbände und der Deutsche Bauernverband (DBV) daran teil. Auf dem ErlebnisBauernhof der Grünen Woche diskutierten sie über die gute fachliche Praxis der Imkerei.

Das kleinste Nutztier
Hohe Anforderungen an die Qualität sieht der Präsident des Deutschen Imkerbundes, Arnold Reck, unter dem Warenzeichen des Honigglases gegeben. Die Kriterien für dieses Siegel gehen über das bestehende Lebensmittelrecht hinaus. Es gebe mittlerweile auch Entwicklungsprojekte, die dieses Know How in Honigexportierende Länder vermittelt, führte Jürgen Becker, Vorstandsmitglied des Honig-Verbandes aus. Bienenvölker haben eine große "Pufferkapazität" mit der sie schlechte Umweltbedingungen abfedern könnten und seien daher ein besonderes Zeichen von nachhaltiger Landwirtschaft, so Dr. Werner von der Ohe vom Niedersächsischen Landesinstitut für Bienenkunde in Celle. "Die Bienen sind die kleinste Nutztierrasse. Landwirtschaft und Imkerei gehören daher zusammen", stellte Dr. Hans-Dieter Stallknecht vom DBV fest. Bauern und Imker pflegen die gleiche Kulturlandschaft.

Bienenmonitoring
Trotz allem gibt es teilweise erhebliche Völkerverluste. In Niedersachsen gibt es rund 10.000 Bienenvölker, von denen etwa 8 Prozent den Winter schon nicht mehr überlebt haben, berichtet von der Ohe. Es trifft die Imker aber sehr unterschiedlich. 60 Prozent der Imker haben keine Verluste und 40 Prozent klagen über Teil- oder auch Totalverluste. Das Monitoring solle nun Aufschluss geben, warum es einige Völker nicht schaffen. In dem ersten Jahr wurden daher Basisdaten erhoben, die in den nächsten Jahren weiter geführt werden sollen, um über die "Lebensläufe einzelner Völker" die Ursachen der Verluste herauszufinden. Die Varroa-Milbe oder der Bienenstockkäfer sind nicht die Alleinschuldigen. Manchmal zeige sich auch eine falsche Behandlung der Völker durch die Imker. Die Ergebnisse sollen zu einer "Guten fachlichen Praxis" zusammen geführt, die in dieser Art einzigartig in Europa ist. Von der Ohe stellte aber auch fest, dass das erste Betrachtungsjahr ein für die Bienen unproblematisches Jahr gewesen ist.

Heftige Kritik
Die anwesenden Imker äußerten allerdings heftigste Kritik an dem Monitoring. Zum einen spiegele die Auswahl der Standorte nicht die Praxis aller Imker wieder und zum anderen seien die untersuchten Rückstandsparameter "Industriefreundlich" festgesetzt. Von der Ohe verteidigte das Monitoring, weil es erst im ersten Jahr stehe und sicherlich auch noch in der Fläche ausgedehnt werde. Bei der Kritik an den Parametern wurden die Kritiker eingeladen, sich mit dem Beirat zusammen zu setzen, um diese zu überprüfen. Als Alternative zur chemischen Keule in der Varroa-Bekämpfung, wünschte sich ein Imker den Ausbau der Resistenzforschung bei den Bienenvölkern. Van der Ohe wies darauf hin, dass es neben dem Monitoring mehrere "Satellitenprojekte" gibt, von denen eines sich genau darum bemühe.
Die Gentechnik wurde von den Imkern gar nicht thematisiert. Sie drückt ein noch ganz anderer Schuh: Neben modernen Kirschsorten gibt es vermehrt auch Zierblumen, die aus ästhetischen Gründen für die Vase zu Hause, mit taubem Pollen gezüchtet werden. Das bedrohe die Bienenvölker zunehmend. Auch von der Ohe zeigte sich diesbezüglich besorgt und versprach, das Thema in den Beirat mit zu nehmen.
Am wenigsten vergnügt zeigte sich ein Imker, der die Kennzeichnungspraxis in den Läden bemängelte. Da stehe nur, dass der Honig eine Mischung aus EU- und Nicht-EU-Ländern ist. Das gelte dann auch für Produkte, die nur drei Prozent deutschen Honig beinhalten und den Rest aus Ländern, die möglicherweise niedrigere Qualitätsstandards aufweisen. Jürgen Becker wies aber darauf hin, dass es nicht rechtens sei, die Prozentangaben auf dem Etikett aufzuführen.

Nachwuchssorgen
Die Bundesländer sorgen sich nicht nur um den Rückgang der Bienenvölker, sondern auch über den fehlenden Imkernachwuchs. Beim Imkerbund liegt der Altersdurchschnitt bei 60 Jahren. "Das ist ein rotes Signal", sagte Arnold Reck zu Herd-und-Hof.de. Der Imkerbund hat verschiedene Programme aufgelegt, um über die Landesverbände Aus- und Fortbildungen anzubieten und an die Schulen zu gehen. Besonders aktiv seien die Verbände in Bayern, Baden und Württemberg. Thüringen hatte im letzten Jahr über die zunehmende Blütenarmut in der Landschaft geklagt, die den Bienen zu schaffen macht. Arnold Reck sieht das weniger dramatisch, da mit den Randstreifenprogrammen in den letzten zehn bis 15 Jahren neue Flächen hinzugekommen sind und die Intensität der Landwirtschaft nachgelassen habe.

Roland Krieg

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