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In der Landwirtschaft brummt es wieder

Landwirtschaft

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Agritechnica mit Innovation und Absatzerwartung

Mit Ausnahme bei Getreide geht es bei den Agrarpreisen wieder aufwärts. Das spürt vor allem das Gewerbe rund um die praktische Landwirtschaft. Die weltweit größte Messe für Landtechnik hat am Montag ihre Tore geöffnet und erwartet auch in diesem Jahr wieder mehr als 400.000 Besucher. Ein Viertel davon kommt aus dem Ausland. 2.800 Aussteller aus 53 Nationen versammeln sich auf dem Messegelände in Hannover. Die Zahl ist zwar leicht rückläufig, doch könnte die Branche mehr Messefläche gebrauchen. Die Zahl der Aussteller spiegelt vielmehr den Konsolidierungsprozess der Branche wider. Firmen werden aufgekauft und beanspruchen mehr Ausstellungsplatz. Einige aus der Biogasbranche sind auf die Biogass-Convention Ende Dezember umgezogen.

In den letzten Agritechnica-Ausgaben war die Digitalisierung schon mehr als präsent. In diesem Jahr steht sie mit dem Motto „Green Future – Smart Technology“ ganz im Fokus. Rund 80 Prozent der Innovationen bedienen den digitalen Sektor.

Rechtzeitig kommt nach den Jahren der Krise wieder Geld auf die Betriebe. Vor allem der Milchsektor zeigt sich investitionsfreudig, wie Hauptgeschäftsführer Dr. Reinhard Grandke von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) am Montag sagte. „Wir sind wieder dabei“, kommentierte er den positiven Investitionstrend der Landwirte.  Ein großer Treiber ist Russland. Die großen exportorientierten Betriebe suchen Erntemaschinen und investieren in die Digitalisierung. Problem der Digitalisierung seien aber weiterhin verschiedene Systeme, die nicht miteinander harmonisieren. So hat ein Milchviehbetrieb für sein Managament sieben verschiedene Apps, die nicht untereinadner kommunizieren können.

Für Dr. Bernd Scherer von der VDMA Landtechnik steht neben der Kompatibilität auch die Breitbandversorgung im ländlicchen Raum und die Datensicherheit sowie Datenhoheit auf der Forderungsliste an die Politik:„Wir brauchen eine verbindliche Digitalisierungsagenda für die Landwirtschft!“

Milch und Futterwirtschaft treiben den Abverkauf von Landtechnik weltweit in diesem Jahr über die 100-Milliarden-Grenze. Neben Russland sieht Scheerer auch die Ukraine mit ihren großen Betrieben als Treiber für Landtechnik und der Digitalisierueng. Die beiden Länder fragen Traktoren und Erntemaschinen mit einem Plus zwischen 10 und 25 Prozent nach. Schwierig bleibt der russische Markt, denn für die Teilnahme an Förderprogrammen kommen nur einheimische Hersteller zum Zuge. Steigende Nachfrage kommt auch aus Polen, weil dort die junge Genereation die Betriebsleitung übernommen hat.

Die Digitalisierungsagenda ist dringend notwendig, damit die neue Technik ihre positiven Eigenschaften auch entfalten kann. Drohnen und autonome Feldfahrzeuge dienen der gesamten Industrie als Vorzeichen der Industrie 4.0, die ihren Anfang in der Landwirtschaft hat. Prof. Arno Ruckelshausen von der Hochschule Osnabrück malt die Zukunft in gar nicht mehr fernen Bildern aus. Sensoren und Algorhitmen machen schnelle Fortschritte, so dass Einzelpflanzenbetreuung und Remote Farming realist sind. Sofern die Politik mit der digitalen Agenda hinterherkommt. Trotz allem bleibe die Technik ein Hilfsmittel, so Ruckelshausen, „aber ein phantastisches“. Angst, dass autonome Fahrzeuge und Pflegegeräte Menschen ersetzen hat der Professor nicht. Es entstehen auch neue Arbeitsplätze. Weltweit werden die Systeme standortspezifisch angepasst, sagt Dr. Grandke. Dabei werden in den Entwicklungsländern die Landarbeitsverfassungen berücksichtigt. Vielleicht bleiben auch mehr Menschen auf dem Land, wenn die Arbeit interessanter wird.

Die Digitalisierung leitet einen Paradigmenweechsel in der Landwirtschaft ein. Bei abnehmender Zahl an zugelassenen Wirkstoffen für den Pflanzenschutz findet eine Hinwendung zu mehr mechanischer Unkrautbekämpfung statt. Rettet die Digitalisierung die Feldspritze mit Einsatz minimalster Einsatzmengen oder führt der digitale Sensor die Hacke auch zum Unkraut, das innerhalb der Reihe steht?

Roland Krieg

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