In Deutschland leben die friedlichsten Wölfe

Landwirtschaft

Frankreich, Spanien und Rumänien leiden mehr unter Wölfen

Wolfspopulationen. Nach Copa Cogeca

Wolfliebhaber und Schäfer finden nur schwerlich einen Weg auf ein gemeinsames Sofa. Videos von Spaziergänger umrundende Wölfe, Wölfe, die auch tagsüber durch Dörfer streifen und vor allem die zahlreichen getöteten Weidetiere begleiten den Wolf seit seiner Rückkehr nach Deutschland. Die Thematik wird auch 2022 bleiben. Und mit ihr die verschiedenen Ansichten.

Der Wolf ist aber in Frankreich, Spanien und Rumänien ebenfalls ein Thema mit gleichlautendem Diskurs. Heute ist der Wolf Thema im europäischen Agrarausschuss. Der Doppelverband der europäischen Bauern und Genossenschaften (Copa Cogeca) hat die Kosten für Entschädigungen an Weidetierhalter mit 28,5 Millionen Euro pro Jahr veranschlagt. Nicht einberechnet sind die psychologischen Kosten für Weidetierhalter, die am Tag nach einem Angriff von Wolf und Bär das Schlachtfeld aufräumen müssen.

Michéle Boudoin von der Arbeitsgruppe für Schafe beklagt die ungenügenden Sicherheitsmaßnahmen in den Regionen, wo es viele große Raubtiere gibt. Getötete Nutztiere entsprechen nicht dem Ideal des gesellschaftlich gewünschten Tierwohls. Ausgaben für den Schutz und Entschädigungen sollten nach der Vorsitzenden Boudoin weder aus der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP), noch weder vom Staat noch aus den privaten Taschen der Landwirte finanziert werden. Dafür sollten die Kommission und die EU-Mitgliedsländer eigene Fonds auflegen.

Die Habitat-Richtlinie erlaube einen Schutz der Wildtierpopulation und der Koexistenz mit Nutztieren. Als Beispiel führt die Copa Cogeca-Expertin das Miteinander einer gemanagten Luchspopulation mit Weidetierhaltern in Litauen an.

Vier Länder im Vergleich

Copa Cogeca hat Zahlen für Wolfsangriffe, getöteten Nutztieren, Wolfpopulationen und Entschädigung für Frankreich, Spanien, Deutschland und Rumänien zusammengestellt.

Was fällt dabei auf? Die Quotienten. Deutschland hat gegenüber Frankreich und Spanien eine fast dreimal so hohe Wolfspopulation. In Rumänien ist sie um 50 Prozent höher.

Obwohl die Wolfspopulation in Deutschland fast dreimal so hoch wie in Frankreich und Spanien ist, greifen die Wölfe deutlich weniger Weidetiere an. Der deutsche Wolf ist aber gefräßiger als seine französischen und spanischen Artgenossen.

Im am dichtesten besiedelten und bevölkerungsreichsten Deutschland [1] leben im Vergleich zu Frankreich und Spanien auf der gesamten Fläche gesehen die meisten Wölfe. Sie greifen am wenigsten Weidetiere an. Und wenn, reißen sie dabei mehr Tiere als in den anderen Ländern. Daraus ergibt sich eine Opferzahl pro Wolfspopulation, die deutlich so viel geringer ist, dass sich die folgende Frage stellt: In der deutschen Wolfspopulation gibt es einzelne Problemfälle, die sich negativ auf die Gesamtstatistik auswirken.

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Ist der deutsche Wolf also am friedfertigsten? Spanien und Frankreich sind deutlich größer (500.000 und 545.000 qkm) als Deutschland mit seinen 375.000 qkm. Frankreich, Spanien und Rumänien haben größere bevölkerungsarme ländliche Räume, die mehr Platz für große Beutegreifer bieten. Für eine kleinteiligere Verteilung liegen keine Daten vor. Das von Copa Cogeca gewählte Hintergrundbild deutet die bevorzugte Wolfslandschaft an. Die Chance auf einen Menschen zu treffen, ist für einen Wolf statistisch gesehen, in Deutschland am größten.

Dem Menschen und dem Weidetier ist bei einer Nah-Begegnung mit einem Wolf die Statistik allerdings nachvollziehbar egal.

Lesestoff:

[1] Zahlen 2020: D: 83 Mio. Gesamtbevölkerung, 233 Einwohner pro qkm; Frankreich: 67 Mio. / 122 Ew. / qkm; Spanien: 46 Mio. / 94 Ew ./ qkm; Rumänien: 19 Mio. / 83 Ew. / qkm

Roland Krieg; Grafik: Copa Cogeca; Tabelle: roRo

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