Indonesien will mehr Palmöl produzieren
Landwirtschaft
Indien wird die EU als Palmöl-Markt ersetzen
Indonesien steht mit 225 Millionen Einwohnern auf Platz vier der bevölkerungsreichsten Länder. Neben der touristischen Vielfalt der tausend Inseln bereichert die Republik die Schlagzeilen mit dem Zwist über Palmölplantagen. Seit 2015 wächst das Bruttoinlandsprodukt jährlich um 5,0 und mehr Prozent. Die Prognose von Germany Trade & Invest (gtai) für das Jahr 2019 liegt bei 5,5 Prozent. Der Industriestaat beteiligt sich am Pariser Klimaabkommen und will seine Emissionen bis 2030 gegenüber dem aktuellen Wachstumspfad um 21 Prozent senken. Zusammen mit internationalr Hilfe sollen sogar 41 Prozent Einsparungen zusammen kommen.
Sensibler Klimapfad
Das darf aber aktuell bezweifelt werden. Präsident Joko Widodo hat den Plan gegen Entwaldung von Vorgänger Susilo Bambang Yudhoyono aus dem Jahr 2011 übernommen und nach den großen Waldbränden 2015 die Torfgebiete unter Schutz gestellt. Ohne beide Ambitionen sind die Klimaziele nicht erreichbar, sagte das World Resources Intitut. Die aktuelle Politik allerdings lässt Indonesien gegenüber anderen asiatischen Ländern zurückfallen. Es werden nicht nur neue Kohlekraftwerke gebaut, der Regenwald wird durch Palmöl- und Zuckerrohrplantagen ersetzt.
Im März verglich „The Diplomat“ die Möglichkeiten, die Indonesien hätte. Indien und Brasilien zeigten, wie Waldschutz geht, China reduziert drastisch seine Kohleverbrennung und Indien ist der führende Solarnutzer in Asien. Auch Thailands Solarindustrie boomt und in Bangladesch tragen mittlerweile 3,5 Millionen Dächer Solarpaneele. Es gibt also keinen Grund, dass Indonesien seinen Klimapfad nicht einhält.
Mobilität als Problem in Indonesien
Indonesiens Bevölkerung setzt aber auf Mobilität und die Regierung auf fossile Brennstoffe. Das Land versucht, denKraftstoff mit regenerativen Beimischungen klimafreundlicher zu machen. Dazu will das Industrieministerium nach Angaben der Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen (UFOP) die aktuelle Beimischung von 20 Prozent Pflanzendiesel auf B30 erhöhen. Um dieses Ziel zu erreichen, müsste das Land rund 500.000 Tonnen mehr Biodiesel im Jahr verbrauchen.
Zudem wurden von den geplanten 3,4 Millionen Tonnen Biodiesel im letzten Jahr lediglich 2,4 Millionen Tonnen genutzt. Da der Auslandsmarkt stagniert, werden Kontingente für den Binnenmarkt frei.
„Palmöl-Krieg“ mit Brüssel
Für Stagnation im Biodieselabsatz sorgt Brüssel. Jakarta wähnt einen Palmölkrieg zwischen der EU und der indonesischen Regierung. Längst sind die Grünen als Treiber der Palmölwiderstände in „The Jakarta Post“ ausgemacht. Im Rahmen der Renewable Energy Directive (RED) soll der Import von indonesischem Palmöldiesel bis 2030 auslaufen. RED ist für das Land wichtig und hat sich strategisch auf den Biodiesel ausgerichtet. Doch auch bei europäischen Lebensmitteln sollen heimische Öle wieder mehr Berücksichtigung finden.
Global entstehen derzeit zwei Effekte. Der Preisdruck auf den Ölmarkt resultiert aus mangelnden Absatzmärkten hoher Palmölproduktion. Indonesien sucht nach Möglichkeiten, die Überschüsse woanders unterzubringen. Dadurch verringert sich jedoch nicht der Preis, der letzlich auch den heimischen Raps unwirtschaftlich mache. Der Preis für Rapsöl ist die wichtigste preisbildende Komponente für den Rapsanbau. Da die EU aber auch den Einsatz von Biodiesel aus heimischen Ölfrüchten reduzieren will, gebe es keinen positiven Effekt auf dem Rapsmarkt. Für die UFOP ist das „unverständlich“, dass das hiesige „nachhaltig zertifizierte Rohstoffpotenzial nicht“ genutzt wird. Die Bundesregierung soll ihre Treibhausgas-Minderungsverpflichtung mit Beginn des Quotenjahres 2019 von 4,0 auf 4,8 Prozent erhöhen.
Mehr Palmöl für Indien
Der zweite Effekt ist die Erschließung neuer Märkte für indonesisches Palmöl. Am 17. Juli hat Jakarta mit Indien ein „Memorandum of Understanding“ abgeschlossen. Das Indonesian Palm Oil Board (DMSI) war zusammen mit dem indischen Abnehmer „Solvent Extractors Association“ (SEA) dabei, wie auch Vertreter des „Solidaridad Network Asia“. Indien greift bereits auf indonesische Palmölmengen zurück. Doch weil die Ölpalme viermal mehr Öl als andere Pflanzen erzeugt und die Mengen so groß sind, komme das Öl in Indien vergleichsweise preiswert an und wird von indischen Verbauchern als gering qualitativ angesehen. Die SEA will mit Kampagnen auf die Nachhaltigkeit des indonesischen Palmöls hinweisen und den Konsum steigern. SEA-Präsident Atul Chaturverdi sieht darin ein nachhaltiges Modell für die indonesischen Kleinbauern.
Roland Krieg