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Iren fischen bergischen Lachs

Landwirtschaft

Wanderfischprogramm in NRW

>In der irischen See ist ein Lachs aus Nordrhein-Westfalen gefangen worden. Der aus Lachseiern irischer Herkunft erbrütete Fisch war mit zwölf Zentimetern Größe im Oktober 2001 in die Bröl, einem Zufluss der Sieg bei Bonn, ausgesetzt und markiert worden. Jetzt ist auf seiner Nahrungswanderung an der Westküste Irlands in die Netze von Fischern gegangen. Zurzeit kehren seine Artgenossen aus NRW wieder in die Sieg zurück - der herbstliche Lachsaufstieg hat begonnen. Im 5-Minuten-Takt springen wieder große Lachse in ihrem farbenprächtigen Hochzeitskleid am Siegwehr Buisdorf in St. Augustin. Mit steigenden Pegelständen werden in den nächsten Wochen noch mehr Fische versuchen, zu ihren Laichplätzen im ganzen Rheinsystem zu gelangen.
In der Sieg und ihren Nebenflüssen hat sich der Lachs nun erstmals erfolgreich in größeren Mengen natürlich vermehrt. Die gefundenen Junglachsdichten erreichen mit einem Tier pro Quadratmeter in einigen Fällen sogar die Dichten natürlicher intakter Lachsgewässer. Da zeigt sich auch Nordrhein-Westfalens Umweltministerin Bärbel Höhn hoch erfreut: ?Ich bin begeistert von diesen sehr guten Nachrichten vom Wanderfischprogramm. Damit haben wir eine weitere Naturattraktion in der Region. Die beeindruckende Rückkehr steht für ganz viele Fischarten, die von unseren Maßnahmen für vernetzte Lebensräumen in Gewässern profitieren.?

Das Wanderfischprogramm
Seit 1998 gibt es das durchaus kontrovers diskutierte Wanderfischprogramm in NRW. Zwar gibt es im Bereich des Gewässerschutzes mit dem Rheinaktionsprogramm seit Ende der 1980er Jahre Erfolge, dennoch blieb die Skepsis im dicht besiedelten NRW mit hochtechnisiertem Gewässerausbau und hoher Nährstoffbelastung, anspruchsvolle Tierarten wie den Lachs anzusiedeln. Wie viel Natur ist den Fließgewässern des Landes wieder möglich? Gewässerökologen und Wasserwirtschaftlern haben daher von 1998 bis 2002 einzelne ökologische Anforderungen ermittelt und Konzepte für eine gezielte Wiederherstellung von Lebensräumen für Wanderfische erarbeitet. Die Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten hat mit der Wasserwirtschaftsverwaltung den behördlichen Rahmen gestellt.

Rückbau von Wehranlagen
Zunächst einmal wurden die Grundstücksbesitzer beispielsweise durch den Aggerverband kontaktiert, inwieweit sie mit ?Uferentfesselungsmaßnahmen? einverstanden sind. Ein finanzieller Ausgleich für Flächeninanspruchnahme war nicht überall erforderlich. Im Bröltal werden Flächen gezielt für den Uferrückbau erworben. Wehranlagen stellen einen erheblichen Eingriff in das Fließgewässerkontinuum dar. Wanderfische können die Staustufe nicht mehr durchwandern, durch den Aufstau verändert sich der Lebensraum des Flusses und Wasser wird an den Wehren gezielt aus dem Flussbett ausgeleitet. Ein Rückbau schafft dagegen wieder die freie Fließdynamik des ursprünglichen Flusses. Im westfälischen Teil der Sieg wurden in den letzten Jahren rund 20 Staustufen zurückgebaut. Zwischen der Straßenbrücke in Merten und der Bundesbahnbrücke Merten-Bülgenauel verschwanden auf der linken Siegseite in der Stadt Hennef 230 m und auf der rechte Seite in der Gemeinde Eitorf 310 m Uferbau. Den umfangreichen Jahresbericht 2003 können sie unter www.munlv.nrw.de/sites/arbeitsbereiche/forsten/fische.htm einsehen und herunterladen.

Erbrütung und Aufzucht
Insgesamt kamen in NRW in der Saison 2002/03 621.500 aus Irland, 113.000 aus Dänemark und Schweden, 608.900 aus der Elternfischhaltung und 35.007 von Aggeraufsteigern abgestreifte Lachseier zur Erbrütung und Aufzucht. Bruterfolge werden durch regelmäßiges Monitoring überprüft. So weisen sich potenzielle Laichgruben als helle Flecken im Gewässer aus und können sogar von der Polizeifliegerstaffel Düsseldorf per Hubschrauber kartiert werden ? sofern sie Zeit haben, wie 2002. Ansonsten inspiziert Diplom-Geograf Jochen Dirksmeyer die Bröl per pedes. Die Produktionsrate (Eizahl zu Junglachsen) ist allerdings noch sehr unterschiedlich. So gibt es Gewässerbereiche in denen im darauffolgenden Jahr 3 ? 6 Prozent Lachse gezählt werden, jedoch auch Bereiche mit nur 0,8 Prozent Produktionsrate. Die Überlebensrate (bis zum Ende des ersten Sommers) ist in den verschiedenen Flüssen ebenfalls sehr unterschiedlich, was allerdings auch durch ungenaue Bestandserhebungen begründet sein kann. Oft sind es nur 20 ? 30 Prozent, jedoch weisen 1/3 aller Gewässer sehr gute Überlebensraten bis zu 81 Prozent auf.
Insgesamt haben die Junglachse den ersten Sommer 2003 gut überstanden. Im nächsten Frühjahr kehren sie vermutlich zu ihren Nahrungsgründen im Atlantik zurück. Zur Hochzeit und Laichablage wird sich dann auch im nächsten Jahr das neue Schauspiel in NRW wiederholen.

roRo

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