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Ist die Beregnung nach den Trockensommern 18/19 eine Lösung?

Landwirtschaft

Bewässerung – Leichter gesagt als getan

Beregnung

Das Jahr 2018 hat Dürre Verbrauchern und Politikern erstmals hautnah erleben lassen. In einigen Regionen hat sie sich 2019 wiederholt und die Frage, ob Bewässerung in Deutschland künftig zur Regel in der Landwirtschaft wird, wird lauter. Ob eine Bewässerung notwendig ist, hängt von vielen Faktoren wie der Bodenbeschaffenheit und dessen Bearbeitung zur Erhöhung Wasserspeicherkapazität oder der Verfügbarkeit von Wasser in Form von Grundwasser, Flüssen oder Seen ab. Fruchtfolgen haben unterschiedliche Auswirkungen auf die Wasserspeicherfähigkeit. Verschiedene Feldkulturen haben je nach Vegetationsphase unterschiedliche Wasseransprüche. Das Thema Bewässerung ist also sehr komplex.

Der Pflanzenschutzspezialist ADAMA aus Köln hat im Oktober 2019 in einer Online Studie bei Praktikern nachgefragt, wer auf den künstlichen Regen setzt, wer ihn braucht und ob das ein künftiges Thema für die Betriebsplanung ist [1].

Aber: Neun Prozent der Landwirte mit guten Böden oder in Regionen mit ausreichend Niederschlag setzen ihrer Aussage ein „noch“ hinzu. Vor dem Hintergrund des Klimawandels sind sie nicht sicher, wie lange ihre Region vom Niederschlag her noch begünstigt bleibt. Sieben Prozent der Landwirte sind schon mit Planungen beschäftigt, künftig ihre Felder zu beregnen.

Bei 22 Prozent der Landwirte kommt der Regen schon aus der Düse. Vor allem bei Gemüsekulturen, Beeren und Kartoffeln.

Die Hälfte der Landwirte schließt eine Beregnung aus. Das aber hat sehr unterschiedliche Gründe, wie ein Landwirt ausführlich darlegt: „Der Betrieb verfügt über keinen Brunnen und die Genehmigungsbehörden im Landkreis sind mittlerweile äußerst restriktiv. Selbst vorhandene Brunnen bekommen kaum die Aussicht auf Verlängerung der Genehmigung der Wasserentnahme. Die geforderten Wasserverbände sind noch nicht gegründet bzw. unwahrscheinlich. Denn nur in Sonderkulturen gäbe es ausreichend Rentabilität, eine Beregnung zu ermöglichen.“

Für Druschfrüchte ist die Beregnung nicht rentabel und die Anschaffung den Landwirten einfach zu teuer. Wer vielleicht mal auf Kartoffeln ausweichen wird, der denkt auf leichten Böden auch an eine Beregnung. Doch so einfach ist das nicht. Bei einigen Landwirten sind die Flächenstrukturen so klein, dass sich eine Beregnungsanlage nicht rentiert. Bei 17 Prozent der Landwirte, die keine Bewässerung nutzen können, fehlt ganz einfach das Wasser im Untergrund oder sind keine Gewässer in der Nähe. Elf Prozent der Landwirte ohne Bewässerung sehen keine Möglichkeit, eine Genehmigung zu bekommen. Die regionale Wassernutzung ist in verschiedenen Regionen offenbar schon an ihre Grenzen gekommen und setzt selbst den Landwirten ein Limit. Dabei wird die Situation künftig nicht besser. Zwei Landwirte haben angegeben, dass sich das Grundwasser schon in größere Tiefen zurückgezogen hat.

Wer weder Technik, einen eigenen Brunnen und keine Wasserrechte besitzt, der fängt bei dem Thema Bewässerung „bei null“ an, wie ein Landwirt beklagte.

Zumindest technisch sind Lösungen in Arbeit. Mit smarter Bewässerung wird Wasser gezielt und sparsam nach Wetterlage, Bodenfeuchte und Bedarf der Kulturen eingesetzt. Der hohe Investitionsbedarf braucht eine finanzielle Förderung.

Lesestoff:

[1] Die Befragung wurde im Auftrag von ADAMA über die Agentur agriExperts des Deutschen Landwirtschaftsverlages durchgeführt. Wir freuen uns über eine Veröffentlichung.

roRo, Foto: roRo

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