Menü

Ist Landwirtschaftskritik eine Generationenfrage?

Landwirtschaft

Die Landwirtschaft hat gutes Image

Diesen Dienstag war es wieder so weit. Nach fünf Jahren stellte Kantar Emnid seine seit 1966 regelmäßige Umfrage über das Image der Landwirtschaft vor. „Wir haben uns über das Ergebnis der Umfrage sehr gefreut“, unterstrich Bauernpräsident Joachim Rukwied die Zahlen. 79 Prozent schätzen das Image als positiv und sehr positiv ein. Erstmals steht der Beruf des Landwirts im Berufsranking auf dem zweiten Platz zwischen Arzt und dem Polizisten.

Landwirt als zweitbeliebtester Beruf

Das Interesse an der Landwirtschaft ist riesig: 45 Prozent sagen, sie haben ein starkes und sehr starkes und weitere 45 Prozent der repräsentativ Befragten sagen, sie haben ein mittleres Interesse an der Landwirtschaft. Die Bauern stellen Lebensmittel her und dienen damit der Lebensgrundlage. Zunehmend wird ihnen auch eine Rolle für die Erhaltung der Kultur im ländlichen Raum zugewiesen.

Die vielen Diskussionen aus Brüssel und Berlin über die Herausforderungen der Landwirte spiegeln sich in dem persönlichen Interesse der Bürger wieder: Die Menschen wissen um die Nachfolgesorgen der Höfe, die Preis-Einkommensdiskussion und kennen den Aufwand für zu viel Bürokratie.

Seit Jahren werben Landwirte um das Interesse an ihrem Beruf, fühlen sich aber geringschätzt. Deshalb öffnen sie ihre Höfe, veranstalten Hoffeste und sind in den Medien präsent. Die zunehmende Verstädterung hat die Distanz zum landwirtschaftlichen Beruf erhöht. Nutztiere werden den Haustieren gleich gestellt und die Versorgung für 80 Millionen Menschen der häuslichen Gartenarbeit. Daher suchen die Bauern den direkten Kontakt zu den Bürgern – und finden ihn auch [1].

Persönliche Informationen

Patrik Simon von information.medien.agrar (i.m.a) sieht in den letzten fünf Jahren eine starke Zunahme der Direktkontakte: Auf dem Wochenmarkt, Informationen über die Landwirtschaft von Freunden und Verwandten sowie Veranstaltungen der Betriebe sowie über den Landurlaub. „Besorgniserregend“ sei allerdings der Lernort Schule. Dort verzeichnet das Thema eine sinkenden Trend. Das wird auch von 61 Prozent der Befragten offen bemängelt. Vor allem die jüngeren Befragten wünschen sich ein Pflichtfach Landwirtschaft.

„Je abstrakter es wird, desto distanzierter ist die Bewertung“, liest Torsten Schneider-Haase aus seinen Zahlen heraus. Die Landwirte selbst werden als positiv eingeschätzt, die Form der modernen Landbewirtschaftung stärker mit Skepsis verfolgt. Für Bauernpräsident Rukwied ist das eine Hausaufgabe, die er aus Umfrage herausliest.

Wer kritisiert?

Vor dem Hintergrund der durchweg überzeugenden Zahlen, zeigte sich Bauernpräsident Joachim Rukwied milde und wollte die Verursacher des schlechten Images gegenüber Herd-und-Hof.de  nicht benennen. Dennoch stehen als Informationsquelle nach wie vor Fernsehen und Rundfunk auf den ersten Plätzen. Rukwied wies auf die kürzlich erst veröffentlichte Studie über den hohen Anteil an negativer Berichterstattung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen hin [2]. Aber: Bei den privaten sieht es ganz anders aus. Deren deutlich jüngeres Publikum bekommt in den Magazinen wie „K1“ oder „Galileo“  die Themen Küche, Nahrung und Landwirtschaft in ganz anderer Weise und durchaus positiv präsentiert. Die Kritik der öffentlichen TV-Sender wird offenbar nicht an alle Generationen durchgereicht. Mit 58 Prozent halten die Befragten die Berichterstattung für ausgewogen und erreicht seit 20 Jahren einen Spitzenwert. 28 Prozent halten die Berichterstattung für zu negativ.  

Beispiel: Zuletzt sorgte selbst ein neuerliches Urteil der Europäischen Chemikalienagentur zu Glyphosat nicht zur Beruhigung der Kritiker. Doch das scheint sich totzulaufen. Gerade jetzt, wo die Ressourcendiskussion mit den Sustainable Development Goals einen verbindlichen Weltvertrag hervorgebracht hat, können die Grünen damit nicht mehr punkten. Prof. Manfred Güllner beleuchtete kürzlich auf einer Berliner Tagung zum Thema Energieeffizienz das Thema hinsichtlich seiner Wirkung auf den Bundestagswahlkampf. Die Grünen halten zwar die höchste Wertschätzung im Bereich der Energiekompetenz – allein konnten sie damit noch nie eine Wahl gewinnen. Heute berichten die Stuttgarter Nachrichten über ein Ergebnis des Meinungsforschungsinstituts Allensbach: Vor sieben Jahren hielten noch 59 Prozent die Grünen für „in“. Doch heute ist der Wert auf 13 Prozent gefallen. Güllner hält die Oppositionspartei sogar für eine Generationenpartei, die keine jungen Parteimitglieder mehr aktivieren könne. Das private Fernsehen und die Skepsis gegenüber der negativen Berichterstattung in der vorliegenden Emnid-Umfrage geben dieser Einschätzung recht. Trotz durchorganisierter Kampagnenarbeit kommen immer nur die gleichen zur Demo.

Landwirtschaft im europäischen Kontext

Teil er Skepsis gegenüber der Landwirtschaft resultiert aus Sicht des DLG-Präsidenten Carl-Albrecht Bartmer aus der „Wagenburg-Mentalität“ der Branche [3]. Doch Rukwied definiert die Unterschiede zur DLG gegenüber Herd-und-Hof.de aus der politischen Verbandsarbeit im europäischen Kontext heraus. „Veränderungen müssen mit Bedacht“ durchgeführt werden, sonst verlieren die deutschen Bauern an Wettbewerbsfähigkeit. „Die große Agrarpolitik wird in Brüssel gemacht.“

Das scheint sich in der Öffentlichkeit widerzuspiegeln, wie die vorliegende Studie zeigt. Wunsch und Wahrnehmung nähern sich bei den Verbrauchern an. Vom umweltbewussten wirtschaften, dem Verzicht auf Gentechnik über die Produktion von qualitativ hochwertigen Nahrungsmitteln bis zur Versorgung aus der Region haben sich in den letzten fünf Jahren die Einschätzungen zwischen Soll und Ist angenähert. Lediglich bei der Tierhaltung ist die Lücke noch größer geworden. Bei den Aspekten Technischer Fortschritt, unternehmerischem Verhalten der Landwirte und Produktion von preiswerten Lebensmitteln übererfüllen die Landwirte sogar die Erwartungen der Konsumenten.

Öffentlichkeitsarbeit

„Im Vergleich zur Gemeinschaftswerbung ist die Öffentlichkeitsarbeit der deutschen Land- und Ernährungswirtschaft mit einem relativ geringen Etat ausgestattet, der sich außerdem noch auf viele verschiedene Institutionen verteilt. Es gibt handfeste Gründe, weshalb die Öffentlichkeitsarbeit einen höheren Stellenwert im Kommunikations-Mix haben sollte.“ Das schrieb Reimar von Alvensleben vom Lehrstuhl Agrarmarketing der Universität Kiel im Jahr 1998 als Vorschlag für „Strategien zur Verbesserung des Image der Landwirtschaft“ [4]. Das hat sich bis heute nicht geändert. Mit der i.m.a. können Landwirte auf viel Informationsmaterial zurückgreifen und das Forum Moderne Landwirtschaft schickt mobile Infostände ins Rennen. Die Landesbauernverbände werden am 26. April unter dem Motto „Wir machen den Sommer“ zum bundesweiten Grillen einladen. Doch die Landwirte opfern ihre knappe Zeit, wenn sie Konsumenten einladen und Schülergruppen durch die Ställe führen. Sie engagieren sich zusätzlich zu ihrer Arbeit für die Öffentlichkeitsarbeit. Ein Werbebudget gibt es dafür nicht, sagte Rukwied.

Lesestoff:

Die Studienergebnisse finden Sie unter www.ima-agrar.de

[1] Verbraucher könnten es besser wissen: https://herd-und-hof.de/landwirtschaft-/konsumenten-koennten-es-besser-wissen.html

[2] Ein Drittel der Berichte mit negativem Inhalt: https://herd-und-hof.de/ernaehrung-/wir-testen-uns-in-die-unsicherheit.html

[3] Mit Ehrlichkeit Vertrauen gewinnen https://herd-und-hof.de/landwirtschaft-/bartmer-erkennt-die-signale.html

[4] Vortrag zur 48. Hochschultagung Kiel: https://www.uni-kiel.de/agrarmarketing/Lehrstuhl/HT.htm

Roland Krieg

Zurück