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Jagdbericht 2018

Landwirtschaft

Schwarzwildstrecke steigt auf Rekordniveau

Titelbild Jagdbericht 2018

Der Deutsche Jagdverband (DJV) hat den Wild-Bericht 2018 veröffentlicht und detailliert die Jagdstatistik von neun ausgewählten Wildarten aufgeführt. Zusätzlich dokumentieren Karten und Diagramme die Trends der letzten zehn Jahre.

Das Wildschwein

In der Jagdsaison 1917/2018 wurden 836.875 Wildschweine und damit die höchste Wildstrecke seit Beginn der Aufzeichnungen in den 1930er Jahren erlegt. In 60 Prozent aller Landkreise ist die Wildschweinstrecke angestiegen. Großflächige Getreide-, Raps- und Maisflächen bieten hervorragende Deckungsmöglichkeiten und hochenergetische Nahrungsmöglichkeiten. Zudem haben die milden Winter der letzten Jahren kaum zu Winterverlusten geführt. Unter solchen Bedingungen weist der Wild-Bericht jährliche Zuwachsraten von 200 bis 300 Prozent aus. Frischlinge erreichen dann nach sechs Monaten und bei einem Gewicht von 20 Kilo bereits die Geschlechtsreife.

Die hohe Jagdstrecke ist auf die Umsetzung der intensiven Bejagung vor dem Hintergrund der Afrikanischen Schweinepest zu sehen. Die Bundesländer haben mit Prämienzahlungen, Kaliberfreigaben für Frischlinge, die Erlaubnis für den Einsatz künstlicher Lichtquellen und den Einsatz von Nachtsichttechnik sowie die bundesweite Aufhebung der Schonfrist für Bachen die Jagd auf die Schwarzkittel forciert.

Diskutiert wird der Saufang, der im Bundesjagdgesetz grundsätzlich vorgesehen ist. Saufänge brauchen aber eine Genehmigung der zuständigen Behörde und werden zwischen den Bundesländern noch unterschiedlich gehandhabt. Thünen-Forscher Matthias Neumann hat 2018 die Möglichkeit der Schwarzwildfänge rechtlich spezifiziert: „Unter Saufängen sind mobile oder stationäre Kleinstgatter zu verstehen, in denen Schwarzwild mit Futter angekirrt und mit Hilfe von Falltüren eingefangen wird … Dagegen handelt es sich nicht um einen Saufang, wenn Frischlinge unter Einsatz von Kastenfallen gefangen werden.“ [1]

Es liegen zwar keine genauen Daten vor, Neumann geht aber von bundesweit rund 100 genehmigten und genehmigungsfreien Schwarzwildfängen aus. Als Vorteile gelten ein geringerer Jagd- und Störungsdruck auf das Schwarzwild und andere Tierarten, sowie den Fang ganzer Rotten. Ein Einzeljäger kann eine größere Jagdstrecke realisieren. Als Nachteile gelten die geringe Akzeptanz in der Jägerschaft sowie ein möglicher Engpass bei der Bergung, Versorgung, Verwertung und Vermarktung des Wildbrets.

Weitere Wildarten

Die am meisten bejagte Wildart in Deutschland ist mit 1,2 Millionen erlegten Tieren das Reh. Die mittlere Streckendichte liegt bei zwei Rehen pro 100 Hektar. In 88 Prozent aller Landkreise wird der Waschbär bejagt. Nach dem Fuchs weist dieser Raubsäuger die höchste Jagdstrecke auf. Diese ist im urbanen Raum mit bis 6,2 Tieren je 100 Hektar in Kassel am größten.

Auf Rekordniveau liegt auch die Jagdstrecke der Nilgans. Schwerpunkte lagen in Nordrhein-Westfalen an der Grenze zu den Niederlanden. Bundesweit liegt die Jagdstrecke bei 0,13 Individuen pro 100 Hektar. Erlegt wurden insgesamt 22.645 Nilgänse. Alopochen aegyptiacus ist eine invasive Art, die erstmals in den 1980er Jahren am Niederrhein vorgefunden wurde. Gegenüber einheimischen Wasservögeln verhält sie sich aggressiv und konkurrenzstark.

Der Kormoran

Nachdem es Mitte der 1960er Jahre in Nordeuropa kaum mehr als 5.000 Brutpaare des Kormorans gegeben hat, wurde der Vogel geschützt. Der Rückgang von Umweltgiften wie DDT und Fischreichtum in der Kulturlandschaft haben die Population wieder anwachsen lassen. Die Europäische Vorgelschutzrichtlinie von 1979 setzt ihn dennoch weiterhin unter Schutz. Die Bundesländer haben Kormoranverordnungen erlassen, die den Abschuss zeitlich und räumlich regeln. Der bis zu einen Meter große Vogel gilt als direkter Nahrungskonkurrenz des Menschen. In Deutschland gibt es etwa 120.000 Kormorane, die rund 22.000 Tonnen Fisch pro Jahr verzehren. Das sind 3.000 Tonnen mehr als der Ertrag der Berufs- und Angelfischerei an den natürlichen Binnengewässern.

Eine nachhaltige Fischerei gilt als kaum mehr möglich. Die größeren Fische werden gefressen werden und Kleinfischbestände nehmen zu. Außerdem fallen dem Kormoran geschützte Fischarten wie Äsche, Nase, Barbe oder Quappe zum Opfer. Fehlt beispielsweise die Nase als Algenfresser im Gewässer, verstopfen die Algen das Kiesbett. Dadurch verringert sich die Durchlässigkeit des Bodens für die darüberstehende Wassersäule, was biogene Kolmation bezeichnet wird. Der Deutsche Fischereiverband fordert die Aufnahme des Kormorans in Anhang II der Vogelschutzrichtlinie. Dann könnte der Kormoran im Sinne der Wildhege bejagt werden.

Lesestoff:

Wild-Monitoring 2018: https://www.jagdverband.de

[1] Neumann, Matthias et al.: Schwarzwildfänge – Ein Methodenüberblick für Jagdpraktiker und Jagdrechtsinhaber, Jagd- und Veterinärbehörden, Thünen-Institut für Waldökosysteme 2018

Roland Krieg; Foto: Titelbild

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