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Japan diskutiert Genom Editing

Landwirtschaft

Gleiche Diskussion über Genom Editing in Fernost wie in der EU

Mit den neuen Züchtungstechnologien haben die Züchter neue Werkzeuge in die Hand bekommen. Sie wirken zum Teil genauso wie eine natürliche Mutation. Manche Ergebnisse sind zum Teil noch nicht einmal von einer natürlichen Mutation zu unterscheiden. Der Europäische Gerichtshof hatte im Sommer 2018 die neuen Züchtungstechniken als zugehörig zu den alten bezeichnet und möchte sie in das Gentechnikgesetz aufnehmen. Die Spannungen zwischen Wissenschaftlern und der Öffentlichkeit sind dabei nicht weniger geworden.

Tokio debattiert Genom Editing

Japaner gelten als Technologie-affin. Auch im Land der aufgehenden Sonne wird öffentlich über CRISPR/Cas und Co. debattiert – mit den gleichen Argumenten wie in Europa. Am 15. Oktober und 19. November hat das Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Wohlstand den Startschuss für eine Debatte über neue Züchtungstechnologien gegeben.

Der entsprechende Ausschuss startet mit folgenden Grundsätzen in die Debatte: Die neuen Techniken sollen aus der Sicht der Lebensmittelsicherheit und nicht aus der Sicht der Technik bewertet werden. Auch bei Genom Editing gibt es Off-Target-Effekte, die nicht erwünscht sind.  Nur mit einem fremden Gen sollte das Produkt als gentechnisch verändert gelten. Die neuen Produkte dürfen keine neuen Gene oder anderweitige allergene Substanzen besitzen. Produkte, die aus den neuen Züchtungstechniken hervorgehen, sollten in einem öffentlichen Register hinterlegt werden.

Die Arbeitsgruppen brachten auf den beiden Treffen folgende Informationen zusammen:

Generaldirektor Yoshiharu Kumagi vom „Rat für Biotechnologische Information Japan“ sieht Unterschiede zwischen der alten und neuen Gentechnik. Unerwünschte Effekte beim Genom Editing sind deutlich weniger als bei Mutationszüchtung, wie beispielsweise durch Bestrahlung. Diese fällt auch in Japan nicht unter das Gentechnikgesetz.

Pflanzenzüchter Dr. Takeshi Izawa von der Universität Tokio blickt auf die 10.000 Jahre währende Zeit von Selektion und Züchtung zurück. Beides habe Kulturpflanzen verändert und genetisch geändert. Genom Editing erlaubt einen deutlich schnelleren Zuchtfortschritt für von Konsumenten gewünschte Produkte. Izawa rückt die Notwendigkeit der Ernährung von einer Milliarde hungernden und zwei Milliarden fehlernährten Menschen in den Vordergrund.

Japanische Konsumenten sorgen sich um die rasante Entwicklung des GE, die damit verbundene Unsicherheit und Vermischung von GE-Lebensmitteln mit konventioneller Ware, sagte die Verbraucherschützerin  Mutsuko Nimura. Konsumenten brauchen mehr Informationen und müssen aktiv in die Risikobewertung eingebunden werden. Die Technik soll evaluiert und deren Produkte reglementiert werden.

Die Sprecherin vom „Forum Saatgut, Lebensmittel und Mensch“ hält die Technologie für eine kommerzielle Nutzung für noch nicht ausgereift. Hiroko Yoshimori fordert eine breitere Debatte als die Workshops vom Ministerium. Auch Händler und Bauern sollten daran teilnehmen. Bevor das Ministerium eine Entscheidung fälle, sollten die Risiken mit den Konsumenten besprochen werden. Weil das Thema ein hohes Maß an Vorwissen braucht, müssen die Zeitfenster für die Debatten ausreichend groß sein.

Keisuke Amagasa ist stellvertretender Vorsitzender der Verbraucher-Union Japans und fordert strikte Reglementierung. Es lägen Expertisen über Allergene und Gifte vor, die bei GE entstünden. Auch Amagasa führt die große Unkenntnis in der Bevölkerung über GE an. Vor dem Hintergrund, dass bereits mit neuen Techniken gearbeitet wird, müsse das japanische Gesundheitsgesetz schon jetzt angepasst werden.

Auch die Sprecherin vom Kreis für Ernährungskommunikation, Maki Morita, ergänzt die Argumente der Konsumentenvertreter.

Zum Abschluss haben die Arbeitsgruppenvertreter aus dem Ministerium Missverständnisse und Fehlinterpretationen der Vortragenden kommentiert, die aus verkürzten Studienresultaten stammten.

Roland Krieg

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