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Jatropha verwelkt

Landwirtschaft

Farmer in Mozambique sehen Jatropha kritisch

Im Jahr 2007 wurden mit fast fünf Millionen Hektar rund ein Siebtel der Anbaufläche in Mozambique mit Jatropha bepflanzt. Deren Biomasse verspricht die Lösung der regionalen Energieversorgung. Die Pflanze geriet zur mythischen Lösung, weil sie auf marginalen Flächen, ohne Pflanzenschutzmittel und wenig Wasser höchste Erträge erzielen soll.

Nur klein ist fein
Das Wolfsmilchgewächs ist auch unter dem Namen Purgiernuss bekannt und hat nach Ansicht der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa „im Tropengürtel der Erde zum Siegeszug angesetzt“. Jatropha ist für den Menschen ungenießbar und soll auf kargen Böden gedeihen, was den Konflikt zwischen Teller und Tank entschärfe.
Vor einem Jahr kam die Empa in Indien zu einem positiven Ergebnis. Simon Gmünder hat mit Jatropha in kleinen Kraftwerken in abgelegenen Regionen im Bundesstaat Chhattisgarh Treibstoff und Strom aus der Pflanze gewonnen.
Allerdings ging es auch bereits um einen großflächigen Anbau, hinter dem „aus ökologischer Sicht noch Fragezeichen“ stünden, so die Empa.
Die Schweizer kamen zu dem Ergebnis, dass die Purgiernuss nicht zwingend ökologisch ist: Eine gewisse Menge Wasser und Dünger sind nötig, um aus den Setzlingen Früchte tragende Büsche zu machen. Mindestens vor Termiten müssen die Pflanzen geschützt werden.
Negativ für die Ökobilanz war außerdem, dass die Bauern zur Gewinnung der schwarzen Samenkapseln mit Holzfeuern Dampf erzeugten, die Feinstaub frei setzen. Werde auf Holzfeuer verzichtet, dann haben dezentrale Anlagen nach Gmünder eine gute Ökobilanz.

Gleich im Großmaßstab denken
Dezentrale Projekte haben es aber schwer. Am 16. September 2008 berichtete der Indian Express bereits, dass in den drei Jahren zuvor in Chhattisgarh 400 Millionen Setzlinge auf 155.000 Hektar ausgepflanzt wurden. Auch China verfolgt ehrgeizige Pläne. Der im Juli 2007 veröffentlichten Plan für die Verwendung erneuerbarer Energien sieht nach Angaben des Experten Jia Hepeng die Jatropha-Pflanze weiträumig für die Provinzen Guizhou, Sichuan und Yunnan vor.

Studie in Mozambique
Die Bauernorganisation UNAC in Mozambique hat in einer aktuellen Studie die vier wichtigsten Argumente entzaubert.

Mythos 1: Hohe Erträge auf kargem Land
In Mozambique jedoch wird Jatropha auf gutem Ackerland angebaut, wird bewässert und mit Pflanzenschutzmitteln gepflegt, so UNAC. Dabei sinken im Zeitablauf die Erträge. Außerdem ist Mozambique zu 70 Prozent mit Wäldern und Grasland bedeckt, dessen Umwandlung in Ackerflächen gerade angesichts des Klimawandels wertvolle Senken für das Treibhausgas CO2 zerstört.

Mythos 2: Jatropha braucht wenig Wasser
UNAC hat festgestellt, dass Jatropha während der Jugendentwicklung durchaus viel Wasser benötigt. Selbst in Regionen, in denen der Niederschlag zwischen 800 und 1.000 mm beträgt. Im Süden Mozambiques wird Jatropha bei weniger als 600 mm Niederschlag dauerhaft bewässert.

Mythos 3: Jatropha ist krankheitsresistent
Die Bauern haben gegenteilige Erfahrungen mit Pilzen, Viren und tierischen Schädlingen gemacht. Dort wo die Pflanze unter hohem Erregerstress steht, bilde sie keine Blattmasse mehr aus und Bauern müssen sie entfernen. Die so genannte Jatropha Pest soll sogar auf andere Kulturpflanzen überspringen.

Mythos 4: Jatropha bietet Kleinbauern eine Entwicklungschance
Die UNAC zweifelt an den Entwicklungschancen, weil gerade die Kleinbauern Jatropha anstelle von Nahrungspflanzen anbauen. Das sei besonders dramatisch, weil 87 Prozent der mozambiqueschen Bauern Subsistenzbauern sind und vorher 75 Prozent ihres Eigenbedarfs selbst erzeugt haben. Der Anbau von Jatropha findet keinen ökonomischen Erfolg, weil die Kleinbauern nur wenig Verbindungen zum Markt haben, ihnen die Marktübersicht fehlt und sie keine Lagermöglichkeiten besitzen.

Empfehlungen
Die Bauern sehen die Ziele Nahrungssicherheit und ländliche Entwicklung durch den Anbau von Jatropha gefährdet. Sie fordern einen Anbaustopp, bis diese Ziele zunächst erreicht sind.

Lesestoff:
Die Studie kann bei der Erklärung von Bern eingesehen werden. www.evb.ch/cm_data/Report_Jatropha_JA_and_UNAC_klein.pdf

Roland Krieg

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