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Kirschen- und Pfirsichproduktion in der Türkei

Landwirtschaft

Türkische Obsterzeuger fürchten Abschwung

Der Absturz der türkischen Wirtschaft wird auch den Agrarsektor treffen [1]. Die aktuellen Zahlen für den Kirsch- und Pfirsich-Sektor sorgen zwar für freudige Erntevolumen, bringen aber türkische Kleinbauern in eine arge Bredoullie.

Kirschen

Im laufenen Jahr hat die Türkei mit 520.000 Tonnen Kirschen nur geringfügig weniger als im Vorjahr erzeugt. Einige Ernteeinbußen durch Regen und Sturm konnten durch gute Ernten in anderen Regionen ausgeglichen werden. Für das kommende Erntejahr 2018/2019 werden rund 440.000 Tonnen Süß- und 150.000 Tonnen Sauerkirschen erwartet. In den Sektor wurde viel investiert. Doch die Plantagen sind noch in der Minderheit. Die meisten Kirscchen kommen von unorganisierten Kirschbäumen auf kleinbäuerlichen Betrieben, wo Arbeitskräfte stets vorhanden sind. Allerdings fehlt es meist an Kenntnissen zur Baumpflege. Ob der Trend zur Plantage weitergeht, hängt eben auch von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab. Aktuell gibt es rund 34,5 Millionen Kirschbäume in der Türkei. Die Zahl der Süßkirschen stieg von sechs Millionen im Jahr 2005 auf heute 21,5 Millionen.

Der Vorteil der kleinen Obstgärten besteht in der hohen Diversität von Kirschsorten. Am berühmtesten ist die Sorte „0900 Zirat“, die als Türkische Napoleon in deutsche Supermärkte kommt. Es ist die Exportsorte Nummer eins und hat die Türkei zum weltweit drittwichtigsten Herkunftsland für Kirschen gemacht.

Die Türkei exportiert aber nicht nur Kirschen für den Direktverzehr. Der Markt für Säfte, Marmeladen und gefrorene Früchte steigt jährlich um 6.5 Prozent.

Pfirsiche

Auch bei Pfirsichen haben die Türken viel investiert und drei Prozent der weltweiten Produktion findet jenseits des Bosporus statt. Bis Ende Oktober läuft noch die Erntesaison. Für das Marktjahr 2018/2019 werden 600.000 Tonnen und 70.000 Tonnen Nektarinen prognostiziert. In den letzten zehnJahren haben die Obstbauern die Zahl der Pfirsichbäume um 20 Prozent ausgedehnt. Aus 20 Prozent der Ernte wird Saft gemacht und exportiert.  

Handel

Die Abwertung der türkischen Lira weicht den stolzen Handel des Landes auf. In den vergangenen Jahren nahm die Türkei allerdings auch einen Spitzenplatz bei abgelehnten Lieferungen durch Rückstandsüberschreitungen ein. Die Exporteure investieren viel in die Lebensmittelsicherheit im gesamten Gartenbau.

Der Exportwert von Frischware beläuft sich auf eine Milliarde US-Dollar. Ein Viertel davon stammt aus dem Handel mit Steinobst. Die Menge variiert über die Jahre zwischen 200.000 und 250.000 Tonnen. Im ersten Halbjahr 2018 hat Ankara bereits 206.874 Tonnen ins Ausland verkauft. Neue Märkte sind Fernost und China. Der niedrige Lirakurs wird die Zahlen weiter nach oben treiben, aber den Erzeugern nicht unbedingt höhere Gewinne bescheren.

Hauptabnehmer für Kirschen bleibt Deutschland mit gut 84 Millionen US-Dollar für 22.964 Tonnen. Russland auf Platz zwei zahlte nahezu 22 Millionen US-Dollar für 14.416 Tonnen im Kalenderjahr 2017.

Russland stellte im vergangenen Jahr mit der Abnahme von 55.907 Tonnen Pfirsichen und Nektarinen die Haupteinnahmequelle mit 54 Millionen US-Dollar dar.

Stabile Exporte und staatliche Hilfen haben Investitionen bei Kirschen und Pfirsichen bislang unterstüzt. Pro Hektar zahlt der Staat 140 türkische Lira für Dünger und Diesel.  Für vier Millionen US-Dollar hat Ankara 2018 im gesamten Obstsektor die Anschaffung für Jungbäume finanziert. Im vergangenen Jahr waren es 27 Millionen US-Dollar. Mit zertifizierten Bäumen sollen die Exportanforderungen an die Qualität der Früchte besser getroffen werden. Insgesamt wird der durchschnittliche Betrieb mit etwa 4.000 türkische Lira pro Hektar subventioniert. Wer ökologische Früchte erzeugt, der erhält noch einmal zwischen 100 und 1.000 Lira und die Ernteausfallversicherung wird zu 50 Prozent staatlich kofinanziert.

Safterzeuger erhalten Hilfe durch Exportprogramme. Solange nicht mehr als 12 Prozent des Gesamtexports finanziert sind, bekommen Exporteure bis zu 15 Prozent ihres betrieblichen Exports eine Steuererstattung von 320 Lira pro Tonne.

Lesestoff:

[1] Erdogan fehlt eine Wirtschaftspolitik: https://herd-und-hof.de/handel-/tuerkei-wirtschaft-ist-keine-politik.html

Am Montag hat die Türkei bei der Welthandelsorganisation WTO eine Klage beim Schiedsgericht gegen die erhöhten amerikanischen Zölle für Stahl und Aluminium eingereicht.

Roland Krieg

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