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Kroatien: Fehlstart auf der Grünen Woche

Landwirtschaft

Kroatien ist Partnerland der IGW 2020

Ratspräsidentschaft Kroatiens

Die Internationale Grüne Woche ist „Europas beste Bühne, um als Partnerland seine Landwirtschafts- und Lebensmittelindustrie“ zu präsentieren. Dieser Meinung ist das Landwirtschaftsministerium in Zagreb. Zudem wurde Rijeka als eine der beiden Kulturhauptstädte 2020 auserwählt und das Land hat am 01. Januar die Ratspräsidentschaft übernommen. Viele Aufgaben für das Land, das am 09. Dezember 2011 jüngstes Mitglied der Europäischen Union wurde. Offenbar zu viele Aufgaben zusammen, denn die Pressepräsentation des Landes, das seine vier Regionen in der Halle 10.2 kulinarisch präsentiert, ging im Chaos unter.

Nachdem das Ministerium eine Einladung zu 09:00 Uhr versandte, wurde sie danach deutlich auf 07:30 Uhr vorgezogen, ohne die Eingeladenen zu informieren. Statt Landesdarstellung gab einen Rundgang für kroatische Medien. Ob es anschließend ein Statement oder gar die angekündigte Pressekonferenz geben würde, sei offen, erläuterte freundlich eine Vertreterin des Landeskomitees. „Das ändert sich von Minute zu Minute.“ Nach weiteren zehn Minuten schickte sie die wartenden Pressevertreter in den Foto-Rundgang.  Eine eigene Presseinformation hat das Land nicht herausgegeben. Das musste kulinarisch im Vorfeld der Grünen Woche die Berliner Messe GmbH übernehmen. Die verwendeten Informationen über Rijekas Kulturprogramm und Sachinformationen über Kroatiens Landwirtschaft stammen von der EU und aus dem eigenen Archiv. Anteil Zagrebs: Fehlanzeige Hoffentlich kein Ausblick auf die Ratspräsidentschaft.

Politik

Dabei hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel einen Tag vor der Grünen Woche bei einem Treffen mit dem kroatischen Ministerpräsidenten Andrej Plenković noch auf die Bedeutung des Landes hingewiesen, das vor der deutschen Ratspräsidentschaft die nächsten sechs Monate den Kurs Brüssels lenken soll. Beide Länder haben einen guten Kontakt und mehr als 50 Unternehmen sind zur Grünen Woche nach Berlin gekommen. Plenković lobte die gute Zusammenarbeit seit 30 Jahren. Deutschland sei der wichtigste „Partner sowohl in politischer als auch wirtschaftlicher Hinsicht. Unser bilateraler Handel wird wahrscheinlich sogar das Volumen von sechs Milliarden Euro erreichen.“ Das Land der 1.000 Inseln punktet vor allem bei deutschen Touristen. Mehr als 20 Millionen Übernachtungen konnte das Land im vergangenen Jahr verzeichnen.

Politisch steht Kroatien als „Tor zum Westbalkan“ an einer sensiblen Stelle der europäischen Politik. Im Juni lädt Plenković zu einem Westbalkangipfel. Der Ministerpräsident baut auf die deutsche Kanzlerin, die in dieser Hinsicht kein  politisches Vakuum zulassen will. Im März will Merkel auf dem Europäischen Rat mit Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron eine Einigung erzielen.

Spirituosen aus Kroatien

Kulturhauptstadt Europas

Die Hafenstadt Rijeka ist Kroatiens erste europäische Kulturhauptstadt und startet am 01. und 02. Februar mit den Eröffnungsfeierlichkeiten mitten im Hafen als Symbol für das Tor zum Westbalkan. „Hafen der Vielfältigkeit“ lautet das Motto das von 250 Partnern aus 40 Ländern gestaltet wird. „Wasser, Arbeit und Migration“ sind die Hauptthemen der alten Stadt mit den Kreuzungen vieler Kulturen. Im Mittelpunkt der Eröffnung steht Rijekas berühmtester Künstler David Maljković. Rijeka öffnet die Ausstellung „The Sea is Glowing“ und bietet mit „Porto Etno“ ein Festival der Weltmusik und internationalen Gastronomie. Die Kroaten versprechen, dass alles bewegliche und unbewegliche im Hafen zu einem Kunstwerk wird.

Landwirtschaft

Kroatien ist rund 57.000 Quadratkilometer groß und hat kaum mehr als 4,2 Millionen Einwohnern. 56 Prozent leben in ländlichen Regionen. Landwirtschaft spielt eine große rolle. Die Hälfte der Betriebe ist kleiner als zwei Hektar groß, 89 Prozent sind kleiner als zehn Hektar. Trockenheit und Überflutungen haben in den letzten Jahren zugenommen. In der aktuellen Förderperiode hat Kroatien rund 3,5 Milliarden Euro aus der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) erhalten. 1,48 Milliarden wurden über die erste Säule als Direktzahlungen ausgezahlt. Die Regierung hat sich entschieden das Maximum an 15 Prozent aus der ersten in die zweite Säule zur Entwicklung der ländlichen Räume zu verschieben. Kleinbauern erhalten pro Jahr eine Extraprämie in Höhe von 657 Euro und für die ersten 20 Hektar zusätzlich 33 Euro pro Hektar. Kleinbauern sind von Greening-Verpflichtungen als Beitrag zur Entbürokratisierung ausgenommen. Gekoppelte Zahlungen werden für Milchkühe, Rindermast, Kälber, kleine Wiederkäuer, Gemüseanbauer, Rübenerzeuger und Bauern mit Proteinpflanzen gezahlt.

Gelder aus der zweiten Säule werden vor allem für die Aufgaben die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit an Betriebe im ganzen Land, für die Anschaffung neuer Techniken und für die nachhaltige Forstbewirtschaftung ausgegeben. Kroatien hat unter dem Embargo Russlands für europäische Agrarprodukte gelitten. Zwei Hilfspakete in Höhe von 1,8 Millionen und 1,5 Millionen Euro für den Milchsektor in den Jahren 2015 und 2016 wahrgenommen.

Die Landwirtschaft im Land ist äußerst divers. Die Hauptproduktion ist Getreide von nicht mehr als 24 Prozent  des Produktionswertes Agrar. Mit 10,2 Prozent steht Gemüse noch vor der Milch, die mit 9,6 Prozent Anteil am Produktionswert auf Platz drei kommt. Auf Platz vier steht Wein (8,6 Prozent).

Paski sir von der Insel Pag

Reichhaltige Küche

Alle vier Regionen sind in Halle 10.2 vertreten. Istrien, Slawonien, Dalmatien und Zentralkroatien erzeugen wegen der Vielzahl an natürlichen Bedingungen im Land auch eine Vielzahl an Lebensmitteln. Das Land gilt als Drehscheibe der Geschichte und hat vielfältige kulturelle Einflüsse aufgenommen. Von Fisch über Trüffel bis zu Premiumweine ist eine große Auswahl in Berlin vertreten.

Der Käse von der Insel Pag bekam im November 2019 das EU-Prädikat geschützte Ursprungsbezeichnung (g.U.). Paški sir ist ein harter Schafskäse aus Schafsvollmilch, der mindestens 60 Tage reifen muss. Im Reifeverlauf wird der Geschmack sowohl würziger als auch süßer. Sofern die Witterung es zulässt, bekommen die Schafe ausschließlich Rauhfutter von der Insel. Reicht der Nährstoffbedarf nicht, darf die Zufütterung von Rauhfutter aus anderen Regionen nicht mehr als die Hälfte pro Jahr übersteigen. Das darf nur Heu aus Rispengras, mehrjährigen Hülsenfrüchten oder Klee-Gras-Mischungen sein, die maximal ein Jahr alt sind und ein intaktes Blattwerk aufweisen.

Kleinere Mengen Paški sir dürfen von den kleinen Inseln Maun und Škrda stammen. Der Karst ist für eine andere landwirtschaftliche Produktion nicht nutzbar und hat eine spezielle Mittelmeervegetation entwickelt. Auf den Inseln des Paški sir wachsen vor allem niedrige und spezielle 331 Gefäßpflanzen, die auf den Weiden einen hohen Anteil an Aroma- und Heilpflanzen hervorbringt. Über Jahrhunderte hinweg haben die Schäfer mit dem Pag-Schaf eine eigene Schafrasse entwickelt, die sich der kärglichen Vegetation angepasst hat. Die Schafe sind das ganze Jahr über auf den Weiden und nehmen die Aroma- und Heilpflanzen auf. Dem Käse wird nachgesagt, er habe keinen „Stallgeruch“. Die Hirten haben mit dem Käse die Milch für die Zeit nach der Melksaison haltbar gemacht. Bereits 1831 wurde Paški sir in Zeitungen aus Venedig erwähnt.

Die Zukunft

Der Biolebensmittelmarkt in Kroatien ist zwar klein, entwickelt sich aber besonders im Handel mit den USA, wo seit 2012 keine extra Zertifizierungen mehr notwendig sind. Eine Besonderheit hat die EU im Februar 2019 erlaubt. Die geografische Bezeichnung „Istrien“ für Schinken und Olivenöl gilt für die beiden Staaten Kroatien und Slowenien, die sich heute die alte römische Bezeichnung teilen.

Landwirtschaft ist in Kroatien populär. Die Zahl der Junglandwirte im Alter bis 40 Jahren nimmt langsam aber stetig zu. Mit 22.000 Junglandwirten zählt heute jeder zehnte Betrieb dazu. Gegenüber 2017 stieg die Zahl um über vier Prozent. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die jungen Menschen auch aus den kroatischen ländlichen Gebieten abwandern. Marktunsicherheit und mangelnde Wettbewerbsfähigkeit der landwirtschaftlichen Betriebe gelten nach wie vor als Hauptprobleme, die mit Geldern aus verschiedenen EU-Fonds nicht beseitigt werden können,  erklärte Ornelia Mikuš Medien im Vorfeld der kroatischen Ratspräsidentschaft. So hoch wie aktuell waren noch keine Agrarunterstützungen. Das Land fürchtet die Kürzung des Agraretats.

Lesestoff:

https://rijeka2020.eu/en/

Roland Krieg; Fotos: Volkmar Otto / Messe Berlin GmbH

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