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Kulturpflanzen brauchen Bienen

Landwirtschaft

Vielfalt der Nahrung hängt von Bienen und Hummeln ab

Die kleinsten landwirtschaftlichen Nutztiere, die Bienen, werden zu unrecht zu wenig beachtet. In diesem Jahr hatte eine britische Studie einen parallelen Rückgang von Wildbienen und Wildpflanzen beobachtet. Jetzt haben Wissenschaftler den Zusammenhang zwischen Bienen und Hummeln zu Nahrungspflanzen diskutiert.

Über ein Drittel der Kulturpflanzen brauchen Bienen
Weil es bislang nur grobe Schätzungen darüber gab, wie wichtig die Bestäubungsleistung der Bienen ist, haben internationale Experten Arbeiten aus 200 Ländern analysiert, um Daten für die 115 wichtigsten Kulturpflanzen zu erhalten. Der Artikel erschien in den “Proceedings of the Royal Society B: Biological Scienes”.
Die Gruppe um den Bayreuther Tierökologen Prof. Dr. Ingolf Steffan-Dewenter ermittelte, dass die Mehrzahl von 87 wichtigen Kulturpflanzen auf Bienen und Hummeln angewiesen sind: Obst-, Gemüse, Gewürz- und Genusspflanzen. Ohne Bestäuber wäre die Vielfalt der menschlichen Nahrung nicht gewährleistet, wenn auch die Produktion von Grundnahrungsmitteln wie Getreide, nicht von der Bestäubung abhängt.
Im Detail zeigt sich, dass nur wenige Kulturpflanzen ausschließlich Früchte tragen, wenn Bestäuber verfügbar sind, teilte die Universität Blaue Mauerbiene Osmia aglaia Sandhouse beim Besuch von Himalaya BrombeerblütenBayreuth mit. Hierzu zählen Kakao als einer der wichtigsten Kulturpflanzen der Tropen, sowie die vitaminreichen Maracuja-, Kiwi- und Sapodillafrüchte, Vanille, verschiedene Kürbissorten, Wassermelonen, Para- und Macadamianüsse. Die meisten Kulturpflanzen zeigen Produktionssteigerungen durch Tierbestäubung zwischen fünf und 50 Prozent.
Die Bayreuther Studie zeigt, dass die Zerstörung naturnaher Räume und die Intensivierung der Landwirtschaft die Bestäubungsleistung reduziert. „Unsere Ergebnisse beweisen zum ersten mal, dass die Produktion sehr vieler Kulturpflanzen durch den Rückgang der Bestäubervielfalt negativ beeinflusst wird, wohingegen unsere Grundnahrungsmittel nicht darunter leiden“, erklärt die Göttinger Agrarökologin Alexandra Klein.

Maracuja in Brasilien
Manche Bestäuber können nur sehr schwer in unseren Kulturlandschaften leben. Klein erzählt von einem Beispiel: „Dies könnte dazu führen, dass vitamin- und nährstoffreiche Pflanzen mit zunehmender Zerstörung von Bestäuber-Lebensräumen teurer werden. Dies könnte wiederum zu einer unausgewogenen Ernährung und Gesundheitsproblemen führen. In manchen Länden ist dies der Fall: Maracuja in Brasilien wird z.B. kaum noch durch Bienen, sondern teuer per Hand durch Tagelöhner oder durch Familienmitglieder, meistens Kinder, bestäubt, weil Insektizide in der Landwirtschaft und die Zerstörung des Regenwaldes den natürlichen Bestäubern, großen Holzbienen, ihre Lebensgrundlage entziehen. Menschen in Städten von Brasilien können sich teuere Früchte und Gemüse nicht leisten und ernähren sich vorwiegend von billigem Zucker, Fleisch und Ölen. Die unausgewogene Ernährung führt in armen Schichten der Bevölkerung oft zu Übergewicht.“

Auch Getreide profitiert indirekt
Dr. Steffan-Dewenter erläutert warum Getreide, zu dem auch Mais und Reis gehören, eigentlich keine Bienen brauchen. Selbstbestäubung ist eine Art Sicherungsmechanismus, um auch in Notfällen sich vermehren zu können. „aktuelle Untersuchungen zeigen jedoch, dass artenreiche Bestäuber-Lebensgemeinschaften die Menge, Qualität und Ertragssicherheit auch für viele nicht obligate fremdbestäubte Kulturpflanzen wie z.B. Hochlandkaffee und Raps erhöhen.“

Bienenmonitoring wird weitergeführt
Das bundesweite Bienenmonitoring des Deutschen Bauernverbandes (DBV) zeigte, dass die Winterverluste 2005/2006 bei rund 7.000 erfassten Bienenvölkern mit 14 Prozent doppelt so hoch war, wie im Vorjahr. Die durchschnittlichen Auswinterungsverluste von 23 Prozent waren regional sehr unterschiedlich verteilt, teilte der DBV gestern mit.
Der extrem lange und kalte Winter wurde als möglicher Ursachenfaktor der Völkerverluste diskutiert, wenn auch ein klarer Zusammenhang zwischen Verlusten und Bienenkrankheiten oder Trachtbedingungen nicht erkannt wurden. Extremverluste konnten bisher auf Nosema oder Varroa-Milben zurückgeführt werden. Die positiven Befunde auf Viren und Nosema haben bei den untersuchten Völkern zugenommen. Das im mittlerweile zweiten Jahr befindliche Monitoring vom DBV, dem Bundeslandwirtschaftministerium, der deutschen Bieneninstitute und der chemischen Industrie soll weiter geführt werden, um den Einfluss auf Volksentwicklung und Überwinterung zu klären. In Prag wurde auf der EUROBEE 2006 eine internationale Vernetzung verschiedener Aktivitäten zu Völkerverlusten beschlossen.

VLE
Foto: Die Blaue Mauerbiene, Osmia aglaia Sandhouse, beim Besuch von Himalaya Brombeerblüten, Rubus praecox Bertol. Fotografiert von Steve Werblow. Homestead magazin, USA

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