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Label nach Gesllschaftswünschen klappt nicht

Landwirtschaft

Der tiefe Fall von „Meat4You“

Kommentar

In Frühling ist Rewe Dortmund mit dem Label „Meat“ und dem Zusatz, Antibiotika-frei, hochgesprungen und steht kurz vor einer Bruchlandung. Die Rewe hat sich an die Bedenken der Konsumenten gehalten und hat bei Schweinen ab 30 kg auf den Einsatz von Antibiotika verzichtet. Damit war vor kurzem Schluss [1]. Mehr als zwei Cent pro Kilo Schlachtgewicht haben die Landwirte für den Einsatz nicht erhalten. Regional und ohne Antibiotika: Das müsste doch ein Selbstläufer sein, mögen sich die Marketingexperten gedacht haben. Die Abverkaufszahlen haben aber nicht gestimmt.

Die Marke „Meat4you“ gibt es noch. Aber der Antibiotikaeinsatz wird nicht mehr geregelt und das Label bewirbt nur noch eine rückläufige Zahl an Schweinemästern. Rewe Dortmund will sich dazu nicht weiter äußern, bleibt schmallippig und „beobachtet das Kundenverhalten“. Wie die „agrarzeitung“ am Freitag berichtete, bleiben die teilnehmenden Landwirte  motiviert und produzieren für das Label weiter. Alledings wurde der Mehrwert auf Erzeugerebene auf einen Cent je kg Schlachtgewicht reduziert.

Wer so tollkühn auf den Verbraucherwunschzug aufspringt vergrößert am Ende nur die Fallhöhe. Zwischen den Dutzenden an Tierlabeln weiß der Verbraucher kaum noch, was hinter den Versprechen wirklich gilt. Zudem bleibt er preisbewusst, was die Dortmunder offenbar erst jetzt verstehen. Einfach ein paar Landwirte gewinnen, reicht nicht aus. Die Brancheninitiative Tierwohl hat Jahre dazu gebraucht und in den ersten Monaten viel Skepsis hinnehmen müssen.  Erzeuger, Verarbeiter und Handel haben sich in einem neuen Konzept dem Kunden genähert und kommen in vielen kleinen Schritten voran. Wer kein bekanntes Markenprogramm wie Öko oder den Deutschen Tierschutzbund hinter sich hat, wird scheitern. Doch groß geworden sind diese Label auch nicht. Deren Marktanteil bewegt sich zusammen bei rund einem Prozent. So hat die Brancheninitiative die Marktführerschaft im Labelbereich artgerechterer Haltung eingenommen und refomiert das System von unten her. Und da kommt das Geld für neue Investitionen auch sicher an.

Der Schlachter Tönnies wird sich bei „Meat4you“ den Trennungsaufwand gut belohnen lassen. Landwirte, die pro Schwein jetzt nur noch knapp einen Euro mehr pro Tier bekommen, fragen sich, ob sie woanders nicht besser aufgehoben wären. Zudem ist die Zahl der Schweinemäster in Deutschland auf 24.000 gefallen. Die mögliche Anzahl regionaler Erzeugerprogramme ist endlich.  Und wenn Anfang 2019 ohne politische Klärung der Ferkelkastration die Ferkelerzeuger aufgeben, sind in Deutschland geborene Ferkel rar. Rewe Dortmund hat sich offenbar auf Ebene der Landwirten nicht ausreichend umgehört.

Lesestoff:

[1] Kunden strafen Rewe-Vorstoß gegen Antibiotika-Einsatz ab: https://herd-und-hof.de/landwirtschaft-/antibiotikafreies-fleisch-keine-zwei-cent-wert.html

Roland Krieg

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