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Lokalanästhesie bei Ferkeln hat schon einen Namen

Landwirtschaft

Backhaus plant Bundesratsinitiative zum vierten Weg der Kastration

Die Uhr tickt immer lauter. In 13 Monaten darf kein Ferkel mehr ohne Betäubung kastriert werden. Das Ferkel kastriert werden hängt mit den Geruchsstoffen zusammen, die sie während der Reife ausbilden und Verbrauchern den Genuss von Schweinefleisch vermiesen können. In Deutschland sind bislang drei Alternativen möglich: Mast von unkastrierten Ebern (Ebermast), Kastration unter Vollnarkose, die nur von Veteinären ausgeführt werden darf, und eine Immunokastration bei der Tiere in ihrem Leben zwei Mal „geimpft“ werden.

Zwei Möglichkeiten fallen so gut wie weg: Der Handel will weder Ebermast noch geimpfte Eber, weil deren Fleisch international nicht gehandelt werden kann. Doch auch die dritte Möglichkeit hat ihre Grenzen, denn so viele Veterinäre gibt es nicht, die alle Ferkel in Deutschland unter Vollnarkose setzen können.

Seit einiger Zeit hat sich ein so genannter „Vierter Weg“ harausgeschält, bei dem Landwirte die Hoden lokal betäuben und die Ferkel selbst kastrieren können. Gegen diesen Weg hat sich aber das Bundeslandwirtschaftsministerium gestellt. Als Minister Christian Schmidt diesen Sommer über eine Zulassung nachdachte, hat die Bundestierärtzekammer gegen die Übertragung der „anspruchsvollen und risikobehafteten Betäubung“ auf die Landwirte argumentiert [1].

Jetzt denkt Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus aus Mecklenburg-Vorpommern über eine Bundesratsinitiative für den „Vierten Weg“ nach. Gegenüber dem NDR hat er diesem bereits als „Mecklenburger Weg“ einen prägnanten Namen gegeben. Landwirte sollen einen Sachkundenachweis bekommen und die Lokalanästhesie selbst durchführen. Damit es während des verbliebenen Jahres noch umgesetzt werden kann, will er so schnell wie möglich die Länderkammer in eine gemeinsame Position bringen. Mit Niedersachsen habe er bereits Gespräche geführt, positive Signale kämen auch aus Bayern und Nordrheinwestfalen.

Die Mäster sind derzeit wirtschaftlich nicht für den 01. Janur 2019 gerüstet. Backhaus plädiert für den „Mecklenburger Weg“, damit die Ferkelaufzucht im geschlossenen Kreislauf „von der Muttersau bis zur Ladentheke“ in Deutschland bleiben kann. Die Lokalanästhesie sei tierschutzgerecht.

Lesestoff:

[1] Tierärzte kritisieren Schmidt: https://herd-und-hof.de/landwirtschaft-/veterinaere-lehnen-lokalanaesthesie-ab.html

Roland Krieg

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