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Marktschutz als Anschlusshindernis

Landwirtschaft

Türkei muss sich erheblich wandeln

> Unabhängig der politischen Erwägungen, die Türkei in die EU aufzunehmen, hat die niederländische Universität Wageningen bereits Ende letzten Jahres den hohen Reformbedarf aufgelistet (Herd-und-Hof.de 16.12.2004). Der Agrarsektor genießt einen hohen marktwirtschaftlichen Schutz, der für den Beitritt abgebaut werden muss.

Kleinstrukturierter Milchmarkt
Die Zentrale Markt- und Preisberichtstelle (ZMP) hat sich im vergangenen Monat den Milchmarkt in der Türkei einmal genauer angesehen. Nach offiziellen Angaben werden in der Türkei in 2,5 Millionen Betrieben rund 5 Millionen Kühe gehalten. Bei durchschnittlich zwei Kühen pro Betrieb weist die Milchproduktion eine nur geringe Professionalität auf und es werden kaum Investitionen getätigt. Die Milchleistung bewegt sich zwischen 1.000 und 2.000 kg pro Tier und ist vor allem deshalb teuer, da in dem asiatischen Land nur wenig Grünlandflächen existieren. Gefüttert wird vor allem Getreide, das wegen seiner Protektion sehr teuer ist.
11 Prozent der Milch wird im Straßenverkauf vermarktet, rund 35 Prozent über Mandras, kleinen inoffiziellen Milchverarbeitern. In der konventionellen Industrie werden nur 19 Prozent der Milch verarbeitet. Über ein Drittel der Milchbauern wirtschaftet im Subsistenzbetrieb. Bis 1999 wurden nur ein Viertel der Milchprodukte in Supermärkten vermarktet. Bis zur Erhebung von 2003 stieg dieser Anteil auf gut 40 Prozent, weswegen zukünftig auch mit steigenden Qualitätsanforderungen gerechnet wird.

In das Land werden hauptsächlich Butter und Milchpulver importiert, wobei allerdings Zölle von 50 bis 150 Prozent erhoben werden. Von der EU werden weniger Zölle erhoben, allerdings nur für kleine Mengen. Von dem Gesamtvolumen von etwa 100.000 Tonnen pro Jahr führt die EU 4.000 Tonnen in Form von Milchpulver, 3.000 t Butter und 2.000 t Käse zollgünstig ein. Für die Türkei werden in den nächsten Jahren Einkommenszuwächse von 5 Prozent erwartet ? der Milchmarkt hingegen wird davon nicht profitieren. Die Einkommenselastizität für Milchprodukte gibt die ZMP mit 0,3 an. Welche Umwälzungen auf die türkischen Bauern zukommt, wenn ihr Land in die EU aufgenommen wird zeigt der Vergleich:

Europaweit stabile Kuhmilchproduktion
Zwischen 1999 und 2004 bewegt sich das Kuhmilchaufkommen in der EU25 auf einem bemerkenswert stabilem Niveau von knapp unter 130 Millionen Tonnen. Vor allem bei den EU15 Ländern schwankt die Produktionsmenge nur zwischen 114,30 und 115,27 Millionen Tonnen. Für die Statistiker ist das ein ausreichender Beleg, dass die Milchkontingentierung, die in den 1980er Jahren eingeführt wurde gegriffen hat. In den 10 neuen EU-Ländern hat es für den Zeitraum eine Anhebung von etwa 10 Prozent gegeben. Da jedoch die Tierbestände zurückgegangen sind und viele Betriebe die eigene Verarbeitung aufgegeben haben, wird in den neuen Ländern offensichtlich nicht mehr Milch produziert, sondern findet eine Verschiebung des Verwendungszweckes statt: Keine Hofverarbeitung und -vermarktung, sondern Vermarktung über die Molkerei.
Im Bundesdurchschnitt gaben die Kühe mit 6.585 kg fast einen Zentner mehr als im Vorjahr 2003. Pro Tier stieg die Milchmenge um 0,7 Prozent. Den meisten Anstieg verzeichnete dabei das Küstenland Mecklenburg-Vorpommern mit gut zwei Prozent.

roRo

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